Boykott oder Missverständnis?

Reschitzaer Bürgermeister entschlossen im Kampf für duale Berufsausbildung

Donnerstag, 17. August 2017

Reschitza – Wenn die weiterhin das duale Berufsausbildungssystem boykottieren, werde er sie ohne Lehrstuhl stehenlassen, drohte jüngst Reschitzaer Bürgermeister Ioan Popa angesichts dessen, was er als Bremsmanöver der Lehrerschaft gegenüber der Einführung des dualen Ausbildungs-Systems in Reschitza hält, hinter das er sich voll und ganz gestellt hat (ADZ berichtete). Im dualen Ausbildungssystem, an dem Popa, als ein eingefleischter Praktiker, gerade die praktische Ausbildung schätzt, die wirklich stattfindet, und zwar an realen, nicht an fiktiven Arbeitsplätzen, wie den sogenannten Schulwerkstätten, darin sieht Popa die Zukunftschance von Reschitza, sowohl demografisch (indem Jugend vom Land angezogen wird), als auch wirtschaftlich.  Neben dem erheblichen materiellen Anreiz für die Auszubildenden (500 Lei monatlich sind vor allem für Kinder vom Land viel Geld) geht es um eine vollständigere Bildung für das Berufsleben. Jüngst erfuhr der Bürgermeister aber, zu seiner Überraschung und entgegen bisheriger Informationen, dass bislang nur die Hälfte der 180 dualen Ausbildungsplätze für 2017-18 besetzt sind – weil die Mehrheit der Berufsschüler sich auf die klassischen Berufsschulen ausgerichtet hat, wo sie erst nach deren Beendigung ausgebildet werden für einen Beruf. Popa sieht darin einen Boykott der Lehrerschaft, die um ihre Posten bangt.

„Die klassische Berufsschule bietet den Schülern rein gar nichts“, wetterte Popa vor den Medien, „und doch hat sie mehr Schüler als die dualen Berufsschulen. Ich, der Bürgermeister von Reschitza, bin entweder ein Idiot, verfüge nicht über ausreichend Verstand und kann nicht verstehen, was da abläuft?! Ich sag euch, wo das Problem liegt, was da passiert ist, warum diese Kinder keine 500 Lei monatlich wollen, sondern Null Lei. Es gibt zu viele Lehrer, die einfach Lobby machen dafür, dass die Schüler an ihre Berufsschulen kommen, an die klassischen Berufsschulen, weil sie fürchten, dass sie ihre Posten verlieren! Denn in der dualen Berufsschule wird das Praktikum im Betrieb gemacht, nicht in der Schule von Lehrern simuliert!“ Es folgt nun eine dritte Einschreibesession für die Absolventen der achten Klasse. Popa: „Wenn auch jetzt die freien Plätze an der dualen Schule nicht besetzt werden, im September, mache ich vom Recht des Rathauses Gebrauch und greife ein in die Struktur der ausbildenden Schulen. Ich streiche klassische Berufsschulen. Ich gehe koerzitiv vor. In der rumänischen Gesellschaft gibt es schwerwiegende Verformungen, die zurechtzubiegen sind. Ich habe keine Ahnung, was andere Städte tun, aber wenn nötig, tue ich es mit dem Hackbeil!“

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