Brandkatastrophe: Die drei Inhaber des Clubs „Colectiv“ in Gewahrsam

Pechschwarze Bilanz: Zahl der Todesopfer auf 32 gestiegen

Mittwoch, 04. November 2015

Bukarest (ADZ) - Nach der Tragödie vom Wochenende im hauptstädtischen Nachtclub „Colectiv“  ist die Zahl der Toten am Dienstagmorgen auf 32 gestiegen, während mehr als 80 Patienten laut behandelnden Ärzten immer noch zwischen Leben und Tod schweben.

Posthum von Staatschef Klaus Johannis geehrt wurden am Montag zwei Opfer der Brandkatastrophe: Das Staatsoberhaupt zeichnete den Musiker Claudiu Rugină und den Fotografen Claudiu Petre post mortem mit dem Nationalen Verdienstorden im Kavaliersrang für „ihren Mut, ihre Selbstlosigkeit und ihre Hingabe“ aus. Überlebenden zufolge haben die beiden mindestens zehn Menschen das Leben gerettet, nachdem sie, dem brennenden Club zunächst entkommen, immer wieder in das Flammeninferno zurückkehrten, um Verletzte und Bewusstlose hinauszutragen – eine Heldentat, die sie schließlich mit dem Leben bezahlten
.
Die Generalstaatsanwaltschaft leitete unterdessen strafrechtliche Ermittlungen gegen die drei Clubinhaber, Alin Anastasescu, Paul Gancea und Costin Mincu ein, – der Vorwurf laute vorerst auf fahrlässige Tötung und schwere Körperverletzung, so Generalstaatsanwalt Tiberiu Niţu. Die drei Verdächtigen wurden am Montag nach mehrstündigen Verhören festgenommen und  sollten am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden,  da die  Staatsanwälte Untersuchungshaft beantragt haben. Niţu zufolge wurden bis dato rund 40 Personen – Augenzeugen sowie mutmaßliche Verdächtige – verhört, darunter auch die Managerin der für die fatalen pyrotechnischen Effekte zuständigen Firma. Auf den Hinweis der Reporter, dass bislang noch kein einziger Behördenvertreter vorgeladen wurde, entgegnete der Generalstaatsanwalt, dass „die Ermittlungen auf zahlreichen Ebenen verlaufen“ und „sowohl Privatunternehmen als auch Behörden“ visieren würden.

Mit oder ohne laufende Ermittlungen gegen ihn dürfte es nun auch für Bezirksbürgermeister Cristian Popescu Piedone eng werden: Gegen den UNPR-nahen Lokalpolitiker, dessen Rathaus dem Unglücksclub eine Betriebsgenehmigung trotz fehlender Brandschutz-Zulassung ausgestellt hatte, wollten die Bukarester am Dienstagabend auf die Straße gehen.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 04.11 2015, 15:58
@Tourist : Ihr Ansatz ist typisch für einen zivilisierten Europäer. Nach weiteren 25 Jahren Verwilderung tummelt sich in Rumänien aber alles Mögliche. Selbstverständlich will ich die 3 Heinis nicht entlasten; wollte lediglich darauf hinweisen daß damit nicht von den großen Fischen aus dem Hintergrund abgelenkt werden sollte.
Tourist, 04.11 2015, 13:08
die sind keine Sündenböcke, sondern die Besitzer des Clubs. Wenn ich in meinem Keller eine Party mache, bin ich auch verantwortlich dafür, wieviele Leute ich reinlasse, wie mein Brandschutz ausschaut, ob ich Feuerwerkskörper zünden lasse, etc. Es ist ihr Keller, also sind sie verantworlich. Die haben auch die leicht brennbare Schallisolierung aus Styropor eingebaut. Der Staat und die Kontrollbehörden sind erst in zweiter Linie verantwortlich, als erstes muss immer noch der Eigentümer/Betreiber sein Hirn einschalten und ein wenig denken.
Sraffa, 04.11 2015, 03:36
Diese 3 Heinis, die es überall gibt, sollen jetzt, im Interesse der verantwortungslosen Staatsverwaltung, die oberen Sündenböcke sein. Man sollte sich nicht davon ablenken lassen daß es darüber hinaus ein Heer von Staatsbeamten gibt, deren Aufgabe es gerade ist solche Katastrophen im Vorfeld zu verhindern. Diese haben grandios versagt wie zB. der Bezirksbürgermeister Piedone, solche Figuren sollten sich vor Gericht verantworten müssen; hier ist jetzt endlich für das gesamte Land ein Exempel zu statuieren !

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