Brot und Spiele für Bukarest

Bürgermeisteramt hält sich Profi-Handball-Mannschaft

Mittwoch, 10. Mai 2017

Unzufrieden war Cristina Neagu nach ihrem letzten Spiel für Buducnost Podgorica, einer Niederlage gegen CSM Bukarest, bei der die Welt-Handballerin die meiste Zeit auf der Bank saß. Trainer Dragan Adzici, der in der kommenden Saison auf Neagu sowie weitere Schlüsselspielerinnen verzichten muss, setzte im Verlierer-Finale der Frauen-Handball-Champions-League auf die Nachwuchshoffnungen Djurdjina Jaukovic, Ema Ramusovic und Ivona Pavicevic. „Ich kann nicht erklären, warum ich so wenig gespielt habe. Alle Spielerinnen, die das Team verlassen, haben wenig gespielt. Ich denke es war Absicht vom Trainer“, so die frustrierte Neagu nach dem verlorenen Spiel um Platz 3.

Ab der kommenden Saison wird die 29-Jährige für Finalgegner CSM Bukarest auflaufen und dabei sehr gutes Geld einstecken.

Nach einer auf europäischer Ebene zwischenzeitlich durchwachsenen Saison, hat die Klubführung mit der Verpflichtung von Neagu sowie von Amanda Kurtovic und Marit Malm Frafjord (beide Larvik HK) und Nathalie Hagman (Nykøbing Falster) tief in die Tasche gegriffen. Allein Cristina Neagu erhält ein Jahresgehalt von rund 300.000 Euro und damit mehr als Fußball-Nationalspieler Denis Alibec.

Finanziert wird der Klub, der über mehrere Sektionen verfügt, in beträchtlichem Maß von der Stadtverwaltung. Allein für 2017 hat das Bürgermeisteramt 13 Millionen Euro bereitgestellt. Das Budget der Frauen-Handballmannschaft beträgt rund drei Millionen Euro und wird nur zu rund zwanzig Prozent durch Sponsoren getragen.

Der ehemalige Bürgermeisterkandidat Nicu{or Dan kritisierte die Alimentierung von Profisportlern schon vor der Kommunalwahl folgendermaßen: „Es ist nicht angebracht, dass das Bukarester Bürgermeisteramt die Regierung anbettelt die Gaslieferung nicht einzustellen, es existieren keine Sportflächen, auf denen Kinder kostenfrei Sport treiben können, es gibt nicht genügend staatliche Krippen und Kindergärten, wenn das gleiche Rathaus hunderttausende Euro für die Gehälter einiger Handballspieler ausgibt.“

Neben dem Gehalt werden den Spielerinnen auch Autos und Wohnungen durch das Bürgermeisteramt gestellt. Den zwischenzeitlichen CSM-Trainer Per Johansson zitierte die schwedische Zeitung Aftonbladet mit den Worten: „Noch nie in meiner Karriere habe ich so ein Gehalt bekommen.“ Die rumänische Liga gehört zu den fünf besten in Europa und dementsprechend werden auch in Brăila, Craiova und Roman gute Gehälter gezahlt – fast ausschließlich aus öffentlichen Mitteln.

Der Fußball hat in den letzten fünfzehn Jahren gezeigt, wie schnell Mannschaften verschwinden, wenn Stadtverwaltungen den Geldhahn zudrehen. Tatsächlich ist mit Ausnahme von Universität Klausenburg kein Frauen-Handballverein in der Lage ohne öffentliche Gelder zu überleben.

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