Bruchteil einer jahrhundertealten Geschichte

Fogarascher Festung als politisches Gefängnis und zeitweilige Flüchtlingsunterkunft

Montag, 04. März 2013

Wurden die Häftlinge nicht einmal in den Innenhof der Fogarascher Burg geführt, um das Freie zu genießen, füllen heute die Besucher diesen, immer wieder bei verschiedenen Festen und Ritterspielen. Foto: Dieter Drotleff

Eine bewegte Geschichte steht hinter den Mauern der Festung von Fogarasch, die in den 14.- 17. Jahrhunderte auf den Überresten einer ehemaligen Verteidigungsanlage aus dem 12. - 13. Jahrhundert errichtet wurde. Darüber wurde viel geschrieben. Einblick erhält man  in dem Museum des Fogarascher Landes „Valeriu Literat“, das sich darin befindet und zahlreiche Besucher besonders in den Sommermonaten anlockt, wenn die im Ausland weilenden „Fremdarbeiter“ im Urlaub heimkehren.

Fürsten und Besatzungstruppen zogen gelegentlich ein, Bewohner versuchten darin auch den Pestepidemien (1530, 1717) zu entkommen, verheerende Feuer fügten dieser großen Schaden zu (1525, 1661). Die Festung  diente zeitweilig als Militärgarnison, aber auch als Gefängnis oder gar als Flüchtlingsunterkunft.

Bezeichnend sind diesbezüglich Aufzeichnungen der rumänischen Königin Maria, die am 2. Dezember 1921, da einen Besuch vornahm, um sich nach dem Los der Hunderten da untergekommenen „Weißrussen“ zu interessieren, die in Folge der in Russland an die Macht gekommenen Bolschewiken geflüchtet waren, um nicht ermordet oder nach Sibirien verbannt zu werden.

Beeindruckt zeigte sich die Königin von dem historischen Bau aus der Mitte des Stadtzentrums von Fogarasch, besonders aber von den Umständen unter denen Hunderte Personen da hausten. Einige davon waren Offiziere, die mit ihren Familien da untergekommen waren und ihren Dank dafür aussprachen, obwohl diese unter schwierigsten Voraussetzungen da lebten. Sie bereiteten der Königin sogar einen Empfang in einem Raum, wo sie die rumänische und dann die Zaren-Hymne sangen. Auf Anordnung der Königin wurde eine schwangere Frau, die kurz vor dem Entbinden stand, in das Krankenhaus gebracht. Königin Maria war selbst von dem kleinen, doch gut ausgestatteten  Krankenhaus der Stadt  überrascht, wo sie einen deutsch sprechenden Arzt antraf.

Eine weitere Flüchtlingswelle beherbergte die Festung nach der Besetzung Polens durch die deutsche Armee. Bekanntlich kamen viele polnische Flüchtlinge nach Rumänien, für  die das Land zur zweiten Heimat wurde. So kamen auch in der Fogarascher Festung zahlreiche polnische Flüchtlinge schon im September 1939 unter, bis sie eine andere Bleibe fanden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg benötigten die neuen Machthaber bedeutend größere Anstalten für die politischen Häftlinge. So wurden 1950 mehrere Gefängnisse, die dem Verteidigungsministerium angehörten, in die Verwaltung des Innenministeriums übertragen. Nach einer vorgenommenen Besichtigung der Fogarascher Festung fand der Gutachter diese als Haftanstalt für schwere Vergehen besonders geeignet, sowohl wegen der zahlreichen Räume als auch der dicken Festungsringe.

Der einzige Nachteil bestand darin, dass von der zweiten Etage der Blick bis in den umliegenden Park reichte. In den kommunistischen Jahren gab es, von 1948 bis 1955, vier Kategorien von Gefängnissen, wobei das von Fogarasch, wie auch die von Târgşor, Piteşti, Mislea und Mărgineni,  der zweiten Kategorie, der „geschlossenen Haftanstalten“, angehörten, in die besonders gefährliche Häftlinge interniert wurden. Besonders ehemalige Angehörige der Sicherheitspolizei und des Geheimen Informationsdienstes wurden da eingesperrt. Allein innerhalb einer Woche wurden im Herbst 1950, 800 ehemalige Beamte dieser Dienste her gebracht.

Beginnend mit dem Jahr 1951 sind die meisten dieser Häftlinge  in die Arbeitskolonie Saligny-Cernavodă zu den Bauarbeiten des Donau-Schwarz Meer-Kanals verlegt worden. Nach Einstellen dieser Arbeiten 1953 wurden die Überlebenden wieder nach Fogarasch gebracht.  Zwei Jahre später wurden dann rund 100 Häftlinge in das Gefängnis von Galatz verlegt. 1957 wurden aus Hermannstadt mehrere Sträflinge gebracht, die zu schweren Haftjahren verurteilt worden waren, wegen angeblicher Implikation in die ungarische Revolution von 1956.

Es folgten dann Häftlinge, die wegen Untergrabung der sozialen Ordnung verurteilt wurden. Innerhalb weniger Tage, vom 15. bis zum 21. Februar 1960, wurden die hier befindlichen 450 politischen Häftlinge nach Gherla unter unmenschlichen Voraussetzungen verlegt, nachdem der Beschluss gefasst worden war, das Gefängnis von Fogarasch zu schließen.

Es gibt nur wenige Aufzeichnungen der ehemals da Inhaftierten, darunter des Schriftstellers Nicolae Balotă und des Fogarascher Arztes Stroia Stanciu, die über die Folterungen, denen die Häftlinge ausgesetzt wurden, den unmenschlichen Bedingungen ihres Aufenthaltes, berichten. Die höchste Anzahl von gleichzeitig da untergebrachten Häftlingen wird auf 1000 bezeichnet. Eingekerkert wurden hier auch viele Bauern aus dem Umfeld, die sich der Kollektivisierung der Landwirtschaft widersetzt haben.

Insgesamt sollen in dem Gefängnis  innerhalb der zehn Jahre, 5000 Sträflinge untergebracht worden sein. Laut Daten des Fogarascher Standesamtes sind in diesen Jahren hier 166 Häftlinge gestorben, darunter General Emanoil Leoveanu, ehemaliger Generaldirektor der Polizei, ein Unterstaatssekretär aus dem ehemaligen Innenministerium, Gheorghe Liteanu, weitere hochrangige Offiziere, Richter, Intelektuelle, Bauern.

Eine aufsehenerregende Flucht von drei ehemaligen Polizeikommissaren  wurde im November 1951 verzeichnet. Nach wenigen Monaten wurden sie aber gefangen. In  den zehn Jahren  der Existenz dieses politischen Gefängnisses lösten sich als dessen Leiter drei Offiziere ab: Oberleutnant Tiberiu Lazăr (September 1950 – Dezember 1953), Major Josif Mraviov (Januar – Dezember 1954) und Oberstleutnant Aron Trâmbiţaş (Dezember 1954 – April 1960).

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