Brücke zwischen Traditionsberufen und dualer Berufsausbildung

Ein Gesellenhaus wird in der Temeswarer Fabrikstadt gebaut

Donnerstag, 27. Juli 2017

Kolping-Jugendliche aus Deutschland und Rumänien trafen sich in Temeswar. Hier soll in einigen Jahren ein Gesellenhaus entstehen.
Foto: Die Verfasserin

Die Jugendlichen haben eine Menschenkette gebildet und reichen die schweren Backsteine von einem zum anderen weiter. So geht es viel einfacher und schneller. Andere junge Arbeiter schleppen das wiederverwertbare Baumaterial mit dem Schubkarren in den hinteren Teil des Gartens, wo es gelagert wird. Unter die Jugendlichen haben sich auch sieben Gesellen aus Hermannstadt/Sibiu gemischt. Die Gesellen geben den Ton an, denn sie sind die Profis – alle anderen führen die Anweisungen aus. Es wird hart gearbeitet – die Hitze macht allen zu schaffen. Niemand sitzt nur einfach herum, denn jede Hilfe wird hier gebraucht. Ein groß angelegtes Bauvorhaben hat gerade in Temeswar begonnen. Die Initiative gehört dem Kolpingwerk Rumänien, das in der Fabrikstadt ein Gesellenhaus bauen möchte.

Das Projekt, das sich über mehrere Jahre erstreckt, begann vergangene Woche mit einem internationalen Jugendlager, bei dem junge Menschen aus Rumänien und Deutschland gemeinsam Hand anlegten, um eine Brücke zu bauen – zwischen der alten Handwerkstradition und der modernen Berufsausbildung. In dem Gesellenhaus sollen nämlich nicht nur Gesellen zeitweilig wohnen dürfen, sondern auch Jugendliche, die in Temeswar eine Ausbildung machen. „Wir haben hier zwei Häuser gekauft. Diese müssen teilweise abgerissen werden“, sagt Eduard Dobre, Generalsekretär von Kolping Rumänien. Dass das neue Gesellenhaus gerade in der Fabrikstadt entsteht, ist nicht von ungefähr. In diesem historischen Stadtteil wurde im 19. Jahrhundert der Kolping-Verband gegründet, um Jugendliche in verschiedene praktische Aktivitäten einzuweisen. Das ehemalige Gesellenhaus stand an der Kreuzung der Straßen Tigrului – Dr. Ioan Bonţilă.

Insgesamt 40 Jugendliche machten vergangen Woche bei dem Workcamp mit, davon kamen elf aus Limburg/Deutschland und 25 aus verschiedenen Ortschaften des Banats, Siebenbürgens und der Moldau. Sieben Gesellen vom Gesellenverband/ Casa Calfelor in Hermannstadt waren ebenfalls dabei. „Das Gesellenhaus war früher ein Haus für Jugendliche, die auf der Suche nach einer Ausbildung waren. Das nehmen wir uns auch für die Zukunft vor. Das Gesellenhaus, das hier gebaut wird, soll den Jugendlichen zu Gute kommen, die sich in Temeswar niederlassen, um hier eine Ausbildung zu absolvieren und später hier zu arbeiten. Sie sollen in diesem Haus eine Zeit lang wohnen dürfen“, erklärt Eduard Dobre. „Wir wollen gemeinsam mit dem deutschsprachigen Wirtschaftsclub ‘Banat’ ein Zeichen setzen und zeigen, wie wichtig es ist, dass junge Leute einen Beruf erlernen“, sagt Eduard Dobre.

In dem Gesellenhaus sollen auch Jugendliche wohnen können, die aus der ländlichen Gegend kommen und in Temeswar die duale Berufsausbildung nach deutschem Muster absolvieren. Die Regionalfiliale Banat des Kolpingwerks Rumänien ist Mitglied im deutschsprachigen Wirtschaftsclub „Banat“.

Seit über zehn Jahren gibt es eine Partnerschaftsbeziehung mit dem Kolpingwerk Diözesanverband Limburg in Deutschland. Internationale Jugendbegegnungen werden jedes Jahr veranstaltet, abwechselnd in Deutschland und in Rumänien. Uwe Friedmann, der Leiter der Gruppe aus Deutschland, reiste in diesem Jahr mit zehn Teilnehmern nach Rumänien. „Es geht uns um die Begegnung mit den Jugendlichen aus Rumänien. Die deutschen Jugendlichen lernen hier eine andere Seite des Lebens kennen und auch, was Gruppendynamik bedeutet“, sagt er. Zwei Freiwillige aus Kamerun, die sich gerade für das freiwillige soziale Jahr in Deutschland aufhalten, waren ebenfalls dabei.
Vorläufig befindet sich das Temeswarer Gesellenhaus in der Planungsphase. In etwa drei Jahren könnte das Haus fertig gebaut werden, hofft Generalsekretär Eduard Dobre. Seminarräume, eine Küche sowie Unterkunftsplätze für etwa 100 Jugendliche sind nur einige der Ideen, die verwirklicht werden sollen. Die Finanzierung des Projekts muss noch gesichert werden. Dabei könnten EU-Mittel, Spenden oder eigene Mittel des Kolpingwerks Rumänien zum Einsatz kommen.

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