Brücke zwischen Wien und Klein-Wien

Erasmus-Studentenaustausch an Temeswarer Schauspielabteilung

Freitag, 04. März 2016

Mehrere Studierende aus Wien besuchten die deutsche Schauspielabteilung in Temeswar und nahmen gemeinsam mit den Temeswarer Studierenden an Workshops teil.
Foto: Adrian Ardelean

Die Stadt Temeswar/Timişoara verfügt seit mehr als 60 Jahren über ein Deutsches Staatstheater. Für den Nachwuchs der örtlichen deutschen Bühne wurde in den Jahren nach der Wende auch eine deutschsprachige Schauspielabteilung an der Hochschule für Musik und Theater der West-Universität gegründet. Ihre Fach- und Sprachkenntnisse erweitern die Studenten durch Beteiligungen an europäischen Austauschprogrammen mit ähnlichen Hochschulen aus dem deutschsprachigen Raum. Der jüngste Studentenaustausch über das Erasmus-Programm erfolgte während der Semesterferien. Acht Studierende und zwei Lehrkräfte der Musik- und Kunst-Privatuniversität der Stadt Wien verbrachten eine Woche in Temeswar und gestalteten ihr Programm gemeinsam mit den Studenten der rumänischen und der deutschen Schauspielabteilung an der örtlichen West-Universität. „Das ist das erste Spiegelprojekt unserer rumänischen und deutschen Studenten gemeinsam mit ihren Wiener Kollegen“, sagt Violeta Zonte, Dekanin der Temeswarer Hochschule für Theater und Musik. „Verstehen sollen sie dabei, dass das Theater eine universelle Sprache ist. Wenn sie diese Sprache beherrschen, können sie Bürger dieser Welt im Namen der Kunst, der Wahrheit und des Schönen sein.“

Zwischen den beiden Universitäten gibt es seit mehreren Jahren einen Dozentenaustausch, doch zum ersten Studentenaustausch kam es erst jetzt, sagt die Koordinatorin der deutschsprachigen Schauspielabteilung in Temeswar, Eleonora Ringler-Pascu. „Die gemischte Studentengruppe beteiligte sich an einem Workshop der beiden Dozentinnen aus Österreich, wir zeigten unseren Gästen die Stadt und besuchten gemeinsam die Showcase im Deutschen Staatstheater Temeswar. Da die meisten Schauspieler unsere Absolventen sind, konnte man die Verbindung vom Studenten zum Absolventen und darüber hinaus zum Theater schaffen“, so Eleonora Ringler-Pascu. Die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit zeigten die Studierenden am letzten Projekttag innerhalb einer öffentliche Runde. Die Werkstatt für Körpersprache leitete Monika Weiner. „Ich glaube, dass wir sehr viel voneinander lernen konnten und wir nehmen auch sehr viele Eindrücke mit nach Hause“, so die Wiener Hochschuldozentin. „Was ganz spannend war, ist, dass die Sprache überhaupt kein Problem war und es hat vom ersten Moment an mit der Kommunikation geklappt. Es war eine sehr tolle Energie.“

Das Bindeglied zwischen den beiden Hochschulen bildet Estera Stenzel, geborene Neacşu, aus Hermannstadt, die an der Wiener Uni unterrichtet und als erste innerhalb des Dozentenaustausches nach Temeswar kam. Diesmal leitete sie die Schauspielwerkstatt. „Schauspiel ist so ein Medium, wo man besser kommunizieren kann bzw. unabhängig von der Sprache, und das eben versuchen wir hier“, sagte Estera Stenzel. „Sie waren sehr offen untereinander, sehr neugierig aufeinander und man sieht überhaupt keinen Unterschied, sie sind auf demselben Level.“ „Das wichtigste Thema ist, dass wir unsere europäische Zusammenarbeit pflegen, dass wir lernen, uns auch als europäische Bürger zu fühlen“, so der österreichische Botschafter aus Bukarest, Gerhard Reiweger, der der Ergebnisvorstellung in Temeswar beiwohnte. „Natürlich gibt es auch einen fachlichen, sachlichen Grund: Die jungen Leute lernen miteinander und sie lernen voneinander.“

Diese Meinung teilen auch die im Austausch involvierten Studenten. „Generell habe ich viel darüber gelernt, aus meiner Komfortzone herauszugehen und neue Sachen auszuprobieren, was das Spielen angeht“, sagt Peter aus Wien. „Mir ist aufgefallen, dass die rumänischen Studenten sehr körperlich arbeiten und das lernen wir auch, das zeigt eben, wie unwichtig die Sprache oft ist und dass es viel darauf ankommt, was wir mit unserem Körper sagen“, betonte Selina aus Wien. Und Ioana aus Temeswar: „Die Studenten aus Wien bildeten eine unzertrennliche Gruppe, sie strahlen Energie aus und sie brachten uns vieles bei: Wir bewegen uns viel, sie aber denken viel strukturierter, und das sollten wir von ihnen übernehmen.“ „Zur Geltung kamen viele gemeinsame Elemente, aber auch verschiedene, weil die Schulen eben verschieden sind“, schlussfolgerte die Leiterin der deutschen Schauspielabteilung aus Temeswar, Eleonora Ringler-Pascu. „Die Wiener Studenten merkten, sie könnten mehr Temperament zeigen und ihre Körpersprache mehr einsetzen, weil bei uns das lateinische Temperament überwiegt, andererseits lernten die Temeswarer, sich besser zu konzentrieren und einen größeren Wert auf die Sprache zu legen.“

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