Buchtipp der Woche

„Das Meer, das Meer“ von Iris Murdoch

Montag, 26. März 2012

Es ist eine zeitlose Geschichte. Egal wann man damit anfängt. Und egal, ob man das Meer kennt oder nicht, Iris Murdoch lässt es in die Seele eines jeden Lesers eingreifen. Unterschiedlich, privat, eigenartig. Denn sein Rausch und seine stürmischen Wellen, lässt einen irgendwie sein Leben überdenken. Bei den detaillierten Beschreibungen des Meeres, mit denen Iris Murdoch ihren bekanntesten Roman bespickt,  muss man stoppen, sie wiederholen, die Augen schließen und nach-, über- oder vordenken.

Vielleicht über das Buch, vielleicht aber auch über sich selbst. Als ob die Wellen die Gedanken wegspülen, um sie dann erneut zurückzubringen, vermischt, unordentlich oder vielleicht doch klarer als vorher. Vor allem dies lässt das Buch nie altmodisch werden, viel mehr wirkt es immer wieder von erfrischender Aktualität.

„Das Meer, das Meer“ erzählt eigentlich die Geschichte von Charles Arrowby, ehemals erfolgreicher Theatermann, der sich in ein einsames Haus am Meer zurückgezogen hat, um seine Memoiren zu schreiben. Arrowby war einst ein arroganter Theaterregisseur, der sich seine Mitmenschen nur noch nach seinem Bilde schuf. Nun will er seinen Egoismus und Narzissmus beiseite lassen und im einsamen Haus auf dem schroffen Felsen Reue, Ruhe und Zufriedenheit finden.

Er muss aber feststellen, dass seine große Liebe, die einzige die ihn nie erhört, sondern einen anderen geheiratet hat, in der Nähe lebt. Charles entschließt sich, seine Liebe zurückzuerobern, ohne sich aber vorher die Frage zu stellen, ob seine Gefühle überhaupt erwidert werden. In seiner Macho-Egozentrik ist er fest davon überzeugt, dass sie seine neu entflammte Leidenschaft teilen muss, erleidet aber letztendlich einen hoffnungslos Schiffbruch. Schreckliche Träume und Unruhen, die sich mit dem stürmischen Meer irgendwie zusammenflechten, prägen seine Existenz und zerstören seinen lang ersehnten Seelenfrieden. Charles Arrowby wird selbst Schauspieler seiner Gefühle und Handlungen.

Dabei ist sein wahrer Gegenspieler nicht die Frau und deren unerwiderte Liebe, sondern viel mehr das Meer, dessen Magie, Wut und Kraft Iris Murdoch in poetisch geschriebenen Passagen einfängt. Entspannt und gespannt lässt sich der Roman lesen. Es sind vor allem die Beschreibungen, die Details, die dem Buch Spannung verleihen – ein Buch über die Kraft der Liebe und des Verlustes, aber auch ein Buch über das Meer und deren Macht. Iris Murdoch (1919 – 1999) erhielt für ihren Roman den renommierten britischen "Booker"-Literaturpreis. 

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