Buchtipp der Woche

„Der Engel an meiner Seite“ von Laura Restrepo

Montag, 09. April 2012

In einem Armenviertel der kolumbianischen Hauptstadt Bogotà begegnet eine Journalistin einem Engel. Aus Fleisch und Blut. Für manche, ein Symbol der Hoffnung, das in der Armut umso mehr glänzt. Für Mona ist es Liebe auf den ersten Blick.

Sie muss mit einer Story zurück kommen. Das ist ja öfter so, bei Journalisten. Doch bei Mona verstrickt sich die Geschichte umso mehr, wenn sie sich auf die Spur eines Engels setzt, der angeblich in Galiläa, einem Armenviertel der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá lebt. Sie muss die Story schreiben, auch wenn sie sie „erfinden muss“, so der Befehl des Chefs.

Tatsächlich muss Mona keine Geschichte erfinden, denn dem Engel begegnet sie doch. Steinig, schlammig und durch unheimlichen Höhlen geht der Weg zu ihm. Und so wird für die blonde Mona die einst kühle trockene Reportage die Liebesgeschichte ihres Lebens. Humorvoll und poetisch ist dabei die Sprache von Laura Restrepo.

Gesellschaftskritik und eine feine Parodie versteckt sie dahinter. Es sei, als versuche die Kolumbianerin, über den blinden Wunderglauben ihres Volkes zu lästern, scheint jedoch nicht selbst davon überzeugt zu sein, dass es wirklich unreal ist.

Immer wieder stellt sich die Protagonistin die Frage, ob die komische namenlose Kreatur, die gern mit ihren blonden Haaren spielt, tatsächlich ein Engel ist oder vielleicht doch nur ein Irrer.

Eben auf diese Unsicherheit baut Restrepo ein unsentimentales Bild der kolumbianischen Wirklichkeit auf, in der Engel und Dämonen dicht beieinander stehen und die Armen lieben, leiden und hassen wie alle Menschen - vielleicht nur etwas intensiver.

Der Engel scheint einer von ihnen zu sein, für niemanden scheint es ungewöhnlich zu sein, dass er in dem Armenviertel haust. Wie ein modernes, tristes und gleichzeitig amüsantes Märchen lässt sich der Roman von Laura Restrepo lesen. Eine Lektüre, die einen verlängerten Abend beansprucht und dann doch noch viele Gedanken und Symbole ins Spiel setzt 

Laura Restrepo wurde 1950 in Kolumbien geboren.

Ihren berufliche Werdegang begann sie als Literaturdozentin an der Universität von Bogotá. Sie engagierte sich in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen und musste aufgrund ihres politischen Engagements für mehrere Jahre des Land verlassen. Später arbeitete sie als Journalistin und schrieb Sachbücher und Romane. Die Kenntnisse, die Laura Restrepo während ihrer journalistischen Tätigkeit über die kolumbianische Drogenmafia erwarb, führten 1993 zu ihrem Roman „Der Leopard in der Sonne“. 

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*