Buchtipp der Woche

„Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenides

Donnerstag, 28. Juni 2012

Erst zehn Jahre nach seinem weltweiten Erfolg „Middlesex“ hat der amerikanische Schriftsteller Jeffrey Eugenides 2011 einen neuen Roman vorgelegt, erneut einen Bestseller. „Die Liebeshandlung“ (Originaltitel: „The Marriage Plot“) erzählt über Liebe, Menschenbeziehungen und Erwachsenwerden, versteckt aber gleichzeitig auch einen Ideenroman – über die Literatur und deren Entwicklung.

Eigentlich ist es als eine Dreiecksgeschichte gedacht, hat aber mit dem traditionellen Liebestrio wenig zu tun. „Die Liebeshandlung“ von Jeffrey Eugenides vermischt Gefühle, Schicksale und Ausschnitte bzw. Ideen aus verschiedenen Literaturwerken, die der Autor in Form von Zitaten immer wieder in seinen Roman einbaut.

Drei frischgebackene Absolventen Anfang dreißig stehen im Mittelpunkt. Zwei Männer, eine Frau - alle drei aneinander gebunden, aber grundsätzlich verschieden. Leonard kaut Tabak und ist attraktiv. Mitchell ist leicht gehemmt und reist nach Indien mit einem Rucksack voller Bücher über christliche Mystik. Madeleine, eine begeisterte Leserin von Roland Barthes, schreibt eine Diplomarbeit zum Thema „Liebeshandlung in viktorianischen Romanen“. Doch während sich Madeleine mit „alten“ romantischen Liebesgeschichten auseinandersetzt, wirkt sich die Realität komplett anders auf ihr Leben aus. Sie zieht mit Leonard nach Cape Cod, eine malerische Dünenlandschaft, währenddessen versucht Mitchell erfolglos, sie zu vergessen. Doch damit endet die Geschichte längst nicht.

Es sind neue Wandlungen und Leben- bzw. Liebesauffassungen, mit denen die drei Gestalten klar kommen müssen. Denn die Handlung des Romans spielt sich eben in den 80er Jahren ab - da tickt die junge Generation etwas anders und erlebt eine literarische Entwicklung, die der Leser auch mitbekommt. Es sind plötzlich die Zeiten von de Sade - eine Übergangphase zu sexuellen Freiheiten und Eheverträgen, die Zeiten, in denen die klassischen Liebesgeschichten des 19. Jahrhunderts langsam verblassen und die junge Generation ihre literarischen Idole neu definieren muss. Parallel erzählt Eugenides zwei Geschichten:  Eine über Menschen, die andere über die Literatur. Dabei greift er in seinem Buch all die großen Themen auf: Liebe, Hoffnung, Verzweiflung, Erwachsenwerden. Aus jedem liefert Eugenides ein Stück vom Feinsten. Darüber hinaus ist es auch ein Roman über die Geschichte des Romans, über Nachdenken und das Lesen.

Jeffrey Eugenides, geboren 1960 in Detroit, bekam 2003 für seinen weltweit gefeierten Roman „Middlesex“ den Pulitzer-Preis. Sein erster Roman, „Die Selbstmord-Schwestern“, wurde 1999 von Sofia Coppola verfilmt. Derzeit lebt er mit seiner Familie in Berlin.

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