Buchtipp der Woche

„Wer die Nachtigall stört“ von Harper Lee

Montag, 23. Januar 2012

Tom Robinson ist schuldig. Niemand aus der weißen Bevölkerung zweifelt daran. Schließlich sind alle Schwarzen so. Eigentlich sollte man ihn auf der Stelle erhängen, dafür, dass er sich an einer weißen Frau vergriffen hat, statt sich um seine Arbeit zu kümmern. Doch Atticus Finch erhebt Einspruch und zieht damit den Zorn der Gemeinde auf sich. Denn die Zeiten sind hart in den amerikanischen Südstaaten der 1930er Jahre. Eine Wirtschaftskrise hat viele Menschen um ihr Hab und Gut gebracht und in schweren Zeiten, neigt das Schlechte aus den Menschen gleich doppelt hervorzutreten.

Jemand muss schließlich für ihre Probleme bezahlen, jemand muss schuldig sein.

Atticus Finch sucht keine Schuldigen sondern die Wahrheit. Nicht nur weil er seinen moralischen Pflichten als Rechtsanwalt nachkommen will, sondern weil er auch seinen Kindern ein Vorbild sein möchte. Schließlich muss er sich um die Erziehung seiner Tochter Scout und seines Sohnes Jem alleine kümmern, seit seine Frau gestorben ist. Seine Rolle als Vater wird erschwert, als die Einwohner ihn als Menschen infrage stellen.


Wie viele große Bücher hat auch Harper Lees Roman Leser und Kritiker gespalten. 1960 erhielt das Buch den Pulitzer-Preis, wurde aber gleichzeitig in konservativen Kreisen verhöhnt. Es würde die US-Gesellschaft schlecht dastehen lassen, behaupteten manche Kritiker scharf. Lee setzt nur den Spiegel vor, belässt es aber nicht dabei, mit dem Finger auf das rassistische Amerika zu zeigen. Es wird selten gepredigt, stattdessen soll Toleranz geübt werden und zwar durch Eigenbeispiel.


Die Handlung wird von Atticus Tochter Jean Louise „Scout“ Finch erzählt. Schriftsteller Allan Gurganus beschrieb den Erzählstil als „besonders schwer“, weil Lee zwar aus der Sicht der erwachsenen Jean Louise erzählt, diese aber wiederum sich in die Lage des achtjährigen Mädchens hineinversetzt. Die Erzählerin jongliert mit den Perspektiven der Handlung. Manchmal haben wie ein kleines Mädchen, das sich an die Worte und die Lehren ihres Vaters klammert, manchmal dringt die erwachsene Frau durch und durchschaut die Welt.


Am Ende sollen Vorurteile aus dieser geschafft werden und Erzählerin und Leser kommen zu der Erkenntnis, dass es tatsächlich eine Sünde ist, eine Nachtigall zu töten, denn wie es Atticus Finch so schön sagte, singt sie nur schön und tut niemandem etwas zu Leide. Der Rassismus wird damit nicht aus der Welt geschafft, aber setzt zumindest dort an, wo Veränderungen wirklich stattfinden sollten, bei den eigenen Kindern. 

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