Buchtipp der Woche

„Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ von Philip K. Dick

Dienstag, 07. Februar 2012

Verzweiflung macht sich in den Kolonien im Sol-System bei den unfreiwilligen Kolonisten breit. Der Mars ist Ödland, von den anderen Monden, wie Ganymed, gar nicht zu sprechen. Die letzte Zuflucht für die Menschen vor dem Wahnsinn heißt Can-D. Zwar wurde die Droge von der UN verboten, das kümmert aber Leo Bolero herzlich wenig, denn Can-D ist seine stärkste Einkommensquelle und sichert ihm einen Platz an der Spitze der Macht.

Doch als Palmer Eldritch von Proxima zurückkehrt, droht Boleros Imperium der Untergang. Denn der lang verschollene Geschäftsmann hat etwas von den Proxern zurückgebracht. Etwas das Can-D abschaffen könnte.

Der Name: Chew-Z. Eine noch stärkere Droge, die ein ganzes Universum schafft.

Nur leider ist dieses Universum bereits Eigentum von Eldritch und er kontrolliert es mit gottgleicher Stränge.

Philip K. Dick malt keine patriotischen Zukunftsbilder in seinem Roman „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ aus. In den USA fand der Schriftsteller nicht die Anerkennung eines Robert A. Heinlein, der die Suprematie menschlichen Fortschritts applaudierte. Dick sieht in seinem Roman eine düstere Zukunft vor sich, deren Alltag von Absurditäten beherrscht wird.
Seine Figuren sind nicht die stereotypischen Strahlemänner und Patrioten, die fremde Welten erobern und am Ende das Mädchen kriegen. Es sind Paradebeispiele des Antihelden, wie er im 20. Jahrhundert war und im 21. Jahrhundert sein wird: ein neurotischer, ständig vom Pech verfolgter Einzelgänger.


In den 1970er Jahren erschien das Buch in Deutschland unter dem Titel „Die LSD-Astronauten“. Eine Anspielung auf den Konsum der beliebten Hippie-Droge der 60er Jahre. Der Autor selbst war für seine Drogenexzesse bekannt.

"Die drei Stigmata des Palmer Eldritch" ist eine durch Drogen induzierte Irrfahrt durch Raum und Zeit. Dick stellt, wie in den meisten seiner Werke die Wirklichkeit infrage und reißt sie dann Schritt für Schritt auseinander. Neben der Frage nach der Realität stellt sich Dick auch die Frage nach Gott. Dabei hat sein Gott mit dem christlichen Nichts mehr zu tun.

Suchen tut er das Göttliche irgendwo da draußen, jenseits unserer Galaxie, in unerforschten Teilen des Universums, wohin es keinen von uns verschlagen hat. Denn auf der Erde scheint von ihm keine Spur mehr zu sein. Zum falschen Götzen erhebt sich der mysteriöse Geschäftsmann Palmer Eldritch, der durch die Verbreitung der außerirdischen Droge Chew-Z eine Parallelwelt erschafft. Plötzlich taucht man in diese unwissentlich ein. Auf dem ersten Blick sieht sie genauso aus wie die Echte.

Bald aber zweifelt man an ihr, wenn vertraute Personen plötzlich Stahlzähne, eine Armprothese und Schlitzaugen vorweisen; drei Stigmata eines Mannes, der in den Tiefen des Proxima vielleicht auf mehr gestoßen ist, als bloß auf ein Rauschmittel. Vielleicht hat er dort draußen etwas gefunden, wonach wir schon immer gesucht haben: intelligentes Leben, die Antwort auf die Frage nach der Realität, Gott.

Hat er womöglich die Realität mitgebracht? Und haben wir bis dato nur geträumt? Sind die Drogen echt? Ist die Welt echt? Wer weis? 

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