Buchvorstellung im Kulturzentrum

Mit „Zeiden, im Januar“ ist die Siebenbürgerin Ursula Ackrill auf die Shortlist des Leipziger Buchpreises gekommen

Dienstag, 16. Februar 2016

Ursula Ackrill las am Freitagabend aus ihrem Debutroman „Zeiden im Januar“.
Foto: Vlad Popa

Hermannstadt – Zu einer Lesung der siebenbürgischen Schriftstellerin Ursula Ackrill lud das Deutsche Kulturzentrum in Hermannstadt/Sibiu vergangenen Freitag in seine Bibliothek in der Fleischergasse/Mitropoliei ein. Mit ihrem Debutroman „Zeiden, im Januar“, in dem sie sich mit dem Thema der Siebenbürgischen Gemeinschaft in der nationalsozialistischen Zeit beschäftigt, ist Ursula Ackrill auf die Shortlist des Leipziger Buchpreises gekommen. Dementsprechend war die Bibliothek des Kulturzentrums am Freitagabend auch zum Überlaufen voll. Zahlreiche Literaturliebhaber aller Altersgruppen, unter ihnen die Interims-Bürgermeisterin Astrid Fodor, die Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt, Judith Urban, sowie zahlreiche Vertreter der lokalen Bildungseinrichtungen und der Evangelischen Kirche A.B. in und um Hermannstadt ließen es sich nicht nehmen, der Veranstaltung beizuwohnen.

„Der Preis der Leipziger Buchmesse ist einer der renommiertesten deutschen Preise für Literaturschaffende“, so die Konsulin Judith Urban in ihrem Wort. „Mit einem Debütroman auf die Shortlist dieses Preises zu kommen, ist daher bereits eine besondere Auszeichnung und eine große Anerkennung der Fachwelt für das literarische Schaffen eines Schriftstellers und in unserem Fall einer Schriftstellerin. Deshalb dürfen wir uns freuen, dass Ursula Ackrill heute hier in unserer Mitte ist, denn genau das ist ihr mit ihrem Debütroman gelungen. Sehr wenige der siebenbürgischen Autoren haben sich der Aufarbeitung der Geschichte der Verstrickung der Siebenbürger Sachsen mit dem Nationalsozialistischen Regime so genähert wie Ursula Ackrill dies in ihrem Buch tut und die Literaturkritik ist sich einig, dass sie dies auch noch in einer besonderen und sprachlich und formal sehr speziellen Weise tut“, so Judith Urban. Nach einer Einführung und einer Vorstellung von Beatrice Ungar las Ursula Ackrill einige aussagestarke Abschnitte aus ihrem Buch und ging auf einige Fragen aus dem Publikum ein.

Die Handlung des Romans, der 2015 im Wagenbach-Verlag erschienen ist, spielt in Zeiden, im Januar 1941 und verzahnt die Politik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem Leben der Siebenbürger Sachsen, dem politischen Wirbel und die Ungewissheit der Zukunft der deutschen Minderheit in Siebenbürgen. „Ursula Ackrill erzählt davon, wie Menschen aus Opportunismus und Feigheit schuldig werden. In einer genauen Sprache, die seltsam altmodisch und zugleich nagelneu klingt, begleitet die Autorin uns unerschrocken auf fremdes Terrain“, so der Wagenbach-Verlag. Anschließend hatte das Publikum die Gelegenheit, den Roman zu erwerben, ein Autogramm der Autorin zu ergattern, wie auch sich mit ihr und anderen Gästen auszutauschen.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 16.02 2016, 13:34
schuld am Hitler-Regime waren zu allererst einmal die Deutschen in Deutschland, die dieses Regime gewählt und an die Macht gebracht haben. Hitler ist nicht in Braunau, nicht in Wien und auch nicht durch seinen versuchten Putsch in München an die Macht gekommen, sondern in Berlin. Die Volksdeutschen in Osteuropa haben damals unter einem gewissen Druck gelebt, in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in Jugoslawien und in Rumänien. Das war auch nicht ok. Diese nach dem ersten Weltkrieg neu entstandenen Staaten sind einen strammen nationalistischen Kurs gefahren, der die angestammten und seit Jahrhunderten hier lebenden Minderheiten unter einen starken Assimilationsdruck setzte. Diese haben sich dagegen zur Wehr gesetzt und Hilfe im Ausland gesucht, die deutsche Minderheit etwa im neu erstarkten Deutschen Reich. Das war sicher auch ein Fehler, den die Sachsen und Schwaben später mehr als genug büssen mussten. Sie haben ihre Heimat verloren, mit dem Deutschtum in Siebenbürgen und dem Banat ist es ziemlich aus, wegen Hitler, wegen der Dummheit ihm zu folgen, aber auch wegen dem Nationalismus der anderen, wegen Stalin, wegen Ceausescu, wegen Benesch, wegen Tito, die auch allesamt auf ihre Weise Nationalisten waren.

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