Bücher zum Reformationsjubiläum

Gedruckte Werke des 16. Jahrhunderts prägten Siebenbürger Sachsen wesentlich

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Wolfgang Rehner war Stadtpfarrer in Hermannstadt/Sibiu sowie Sächsisch-Regen/Reghin und langjähriges Mitglied im Exekutivkomitee des Lutherischen Weltbundes. Heute arbeitet der Stadtpfarrer i. R. im landeskirchlichen Zentralarchiv in Hermannstadt. Anlässlich des Reformationsjubiläums hat Rehner das Gedenkbüchlein „Die Reformation im siebenbürgischen Sachsenland“, nach Veröffentlichungen der Bischöfe Daniel Georg Neugeboren, Georg Daniel Teutsch und Friedrich Teutsch, neu herausgegeben. „Für uns ist die Reformation im siebenbürgischen Sachsenland von besonderem Interesse, weil das, was damals hier geschah, auch die Kultur unseres Landes gefördert hat und für die heutige Evangelische Kirche A.B. in Rumänien von grundlegender Bedeutung geblieben ist“, heißt es von Rehner in der Einführung. Im ersten Abschnitt gibt Daniel Georg Neugeboren einen kurzen Abriss, wie es zur Reformation kam: „Zu Absichten weltlicher Herrschaft wurde der heilige Glaube an den Gekreuzigten missbraucht“, vor welchen Herausforderungen Martin Luther stand: „Aber wegen seiner Abweichung von der Lehre der Katholischen Kirche kam er in große Verantwortung und Gefahr, indem er von Kaiser Karl V. auf dem Reichstag in Worms in die Acht erklärt ward“, und welche Auswirkungen Luthers Wirken in Europa und Siebenbürgen hatte. In einem weiteren Abschnitt suchte Georg Daniel Teutsch die Einheit von Kirche und Volk, „auf dass der christliche Geist nicht nur im Tempel wohne, sondern auch draußen im Leben.“ Sein Sohn Friedrich Teutsch ergänzte das historische Wissen seines Vaters mit den Ergebnissen der Forschung weiterer Jahrzehnte. Zum Abschluss des Buches hat Rehner sechs Briefe aus der Zeit der Reformation angefügt – u. a. von Martin Luther an Johannes Honterus und Philipp Melanchthon an Mathias Ramser, Stadtpfarrer in Hermannstadt. Auf 87 Seiten gibt das Buch Aufschluss darüber, was die Siebenbürger Sachsen im 19. Jahrhundert über die Reformation gedacht und gelehrt haben.

Ein kleines Heft von 40 Seiten ist „Der Kleine Katechismus“, ein unveränderter Nachdruck der Schrift, die Martin Luther 1529 verfasst hatte und eine Einführung in den christlichen Glauben darstellt. Ergänzt sind Luthers Worte mit Erklärungen des Kronstädters Valentin Wagner, der ein Schüler Melanchthons und enger Mitarbeiter sowie Nachfolger von Johannes Honterus im Stadtpfarramt von Kronstadt/Brașov war. Die Auswahl, Überprüfung am griechischen Text und Adaption haben Dr. Hans Klein und Dr. Hermann Pitters vorgenommen.

Die beiden ehemaligen Pfarrer zeichnen auch für die Herausgabe des Buches „Die beiden Säulen unserer Gemeinschaft – Kirche und Schule der Siebenbürger Sachsen im 16. Jahrhundert“ verantwortlich, in welchem zwei wichtige Dokumente aus dem genannten Jahrhundert abgedruckt sind, die den Weg der Siebenbürger Sachsen bis zur Gegenwart wesentlich bestimmt haben. Gemeint ist „Die Kirchenordnung aller Deutschen in Siebenbürgen“ von 1574 und „Die Schulordnung des Johannes Honterus“ von 1543. Zum besseren Verständnis haben Klein und Pitters die Texte mit zwei Einführungen versehen. Denn, so Pitters in der Einführung zur Kirchenordnung: „Wenn man aus der zeitlichen Distanz von 500 Jahren auf einen Text zurückblickt, gilt es zunächst, das Gefühl der Ferne und der Fremdheit zu überwinden. Denkt man sich aber in die damalige Zeit hinein, entdeckt man trotz der Ferne viele Parallelen zur Gegenwart, die vieles, was uns heute bewegt, in einem neuen Licht erscheinen lassen.“

Ein viertes Buch, welches anlässlich des Reformationsjubiläums herausgegeben wurde, ist „Honterus spricht zu uns“. In diesem hat Dr. Hans Klein auf 92 Seiten Sinnsprüche gesammelt, die Johannes Honterus, „eine der herausragenden Persönlichkeiten der Siebenbürger Sachsen“, für sich und seine Zeitgenossen als wichtig angesehen und gedruckt herausgegeben hat. Viele hat er selbst formuliert: „Nichts kann Gott angenehm sein, außer was durch Glauben und Liebe geschieht, weil das Eine ohne das Andere keiner Tugend Frucht erzeugt“; andere hat er von Gelehrten übernommen: „Erkenne aller guten Menschen Taten an“, von Gregor von Nazianz. Begleitet sind die Sinnsprüche von Landschaftsaufnahmen, Kirchenburgen oder Motiven aus den Kirchen.

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