Bürger wollen Bäume, nicht Bäumchen

Opposition gegen das Reschitzaer Bäumefällen zugunsten von Parkplätzen

Mittwoch, 08. August 2012

Reschitza – Das Kommuniqué des Rathauses Reschitza, demzufolge die Bewohner der Neustadt einverstanden seien mit dem Fällen der Bäume, die so alt sind wie das Neubauviertel selber (Baubeginn: 1960, Bauabschluss: 1989), hat heftigste Reaktionen der Bürger ausgelöst, die behaupten, dass niemand ihr Einverständnis zum Kahlschlag eingefordert habe – wie im Kommuniqué der Stadt behauptet. Unisono ist man der Meinung, dass beim Umbau der Straßen und Gehsteige (Hauptziel: mehr Parkplätze schaffen) auch noch ausreichend Platz für Bäume, Schatten und Sauerstoff bleiben muss, um den Wohnkomfort in den ohnehin nicht allzu komfortablen Platten- und Gleitschalbauten nicht ganz abzuschaffen.

Auch die Ratherren sind schuld

„Fair wäre es aus unserer Sicht gewesen“, meint ein älterer Bürger unter dem Siegel der Anonymität, „wenn das Projekt gestoppt und mit uns tatsächlich erst mal darüber gesprochen würde. Nichts gegen diesen Bürgermeister, der auch gute Sachen in die Wege geleitet hat, aber so geht das nicht! Außerdem: es muss ja nicht alles der Bürgermeister persönlich tun – wo verkriechen sich denn die Ratsherren, die den Bürgerkontakt meiden, aber eifrig Sitzungsgelder kassieren?“ „Auch wir haben Fahrzeuge, die zu parken sind“, meint ein anderer Bürger in einem Leserbrief an die Lokalzeitung, „aber beim Parkplatzbau kann ruhig auch mal ein Baum stehenbleiben, denn sein Schatten schützt auch das Auto. Kahlschlag nutzt nicht einmal im Wald! Wir brauchen Schatten und Grün in diesen Betonschluchten.“

Gheorghe Popescu, Vorsitzender einer Wohngemeinschaft, der am Samstag nicht zur Begegnung mit dem Bürgermeister, den Fachausschüssen des Rathauses und dem Bauausführer geladen war: „Die Stadtleitung sollte eine wirkliche Versammlung aller Vertreter der Wohngemeinschaften einberufen, nicht nur der 13, die am Samstag dabei waren. Die wahren Probleme kennen wir. Wenn zwischen Stadtleitung und uns Bruchlinien entstehen, die nicht rechtzeitig gekittet werden, ist das schlimm. Man kann nicht einfach so daherkommen und behaupten, alle wären einverstanden mit dem, was da gegenwärtig vor sich geht.“

Mihai [erbu, vor dessen Wohnblock alle Bäume herausgerissen wurden: „Ich finde diese Vorgehensweise deplaciert. Wieviel Zeit brauchen denn Bäume, um zu dieser Größe nachzuwachsen? Weiß das der Bürgermeister nicht, der doch Forstingenieur ist? Ich bezweifle, dass die Bewohner dieser Gegend mit dem Baumvernichten `einstimmig` einverstanden waren. Für das Vorgehen der Baufirma, die nun von der Stadtleitung geschützt wird, gibt es überhaupt keine logische Erklärung.“

Bäume weichen Parkplätzen

Bürgermeister Mihai Stepanescu bestätigte erst mal, dass die Begegnung vom vergangenen Samstag tatsächlich stattgefunden hat und veröffentlichte auch die Liste der 13 Vorsitzenden von Wohngemeinschaften, die daran teilgenommen haben. Die Neugestaltung des Republicii-Boulevards, der Hauptverkehrsader des Neubauviertels Govândari/Lunca Bârzavei, bestehe in der Erneuerung des Fahrwegs, der Gehsteige, der Anlage von zusätzlichen Parkplätzen, von Fahrradwegen und, wo es möglich ist, der Verbreiterung der Fußgängerwege. Laut Projekt ist dabei auch an das Pflanzen von Jungbäumchen gedacht, welche die alten Bäume ersetzen sollen, die durch ihr Wurzelwerk den Asphalt hochpressen und zerstören. Eine diesbezügliche Forderung hat der Bauausführer ins Projekt geschrieben, weil er widrigenfalls für seine Arbeiten keine Garantie übernehmen will, sagte Stepanescu den Medien. Die Jungbäumchen, die auszubringen sind, seien von Landschaftsarchitekten empfohlen worden.

Trostlos heiße Betonschluchten

Kein Trost für die Opponenten des Kahlschlags: „Mit dem Fällen der Bäume hat unser großer Bürgermeister Stepanescu Reschitza in eine der hässlichsten Städte Rumäniens verwandelt“, schreibt ein Reschitzaer auf einer Sozialisierungsseite, "wo du auch hinschaust, nichts als Beton, graue Wohnblocks, eine Landschaft zum Kotzen. Und erst, wenn man im Sommer durch die aufgeheizten Betonschluchten fahren muss, brrr, kein Sauerstoff, kein Schatten, nichts! Damit hat sich Stepanescu in die Reihe der drei schlechtesten Bürgermeister eingereiht, die Reschitza im Laufe seiner Geschichte hatte, an Seiten jener drei, die ihm vorausgegangen sind.“ Ein anderer Reschitzaer: „Ich sehe ja ein, dass es kaum eine andere Möglichkeit gibt, Parkplätze zu schaffen, weil die Autos ohnehin immer auf dem Gehsteig standen. Aber die einzige Entschuldigung für das Herausreißen der Schattenspender ist: Pflanzt neue Bäume, meine Herren Ratsherren, möglichst persönlich!“

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