Bürgermeister soll Tram retten

Stadt soll aus der Konkursmasse herausholen, was noch möglich ist

Donnerstag, 31. Mai 2012

Reschitza – Wahlkampfcoup oder einfach Hinterlistigkeit: auf der letzten Tagung des Reschitzaer Stadtrats – die nächste steht nach den Kommunalwahlen vom 10. Juni wohl in neuer Besetzung an – haben die Ratsherren den amtierenden Bürgermeister Mihai Stepanescu beauftragt, sich um die Wiederinbetriebnahme des Straßenbahnverkehrs in Reschitza zu kümmern. Es geht vor allem um die Erneuerung des Schienennetzes, das in den letzten Jahren und Monaten des Kommunismus – 1987-89 – auf billigst-schlampigste Art gebaut wurde und das gegenwärtig einen sicheren Nahverkehr unmöglich macht.

Nur weiß niemand – auch die Ratsherren nicht! -  woher das Geld zur nötigen Rundumerneuerung des Schienenenetzes zu nehmen ist, denn die Stadt nähert sich allmählich der Höchstgrenze der zulässigen Verschuldung. Also besteht keinerlei realistische Aussicht auf eine Wiederaufnahme des im August 2010 eingestellten (und seither nur sporadisch wiederaufgenommenen) Straßenbahnverkehrs.

Andrerseits ist Eile geboten für die zweite, genauso dringende Lösungsmöglichkeit, weil das Kommunalwirtschaftsunternehmen Prescom am 1. Juni von einem gerichtlich bestellten Pleiteverwalter übernommen wird, dessen Hauptaufgabe es ist, aus der Konkursmasse noch möglichst viel Geld herauszuholen, um Gläubiger zu befriedigen und seine eigenen Dienste zu honorieren. Die Ratsherren gehen davon aus, dass dieser Pleiteverwalter das Offensichtlichste machen wird: erst mal die Schienen der Straßenbahn als Alteisen verkaufen und die Oberleitung als gutbezahltes Kupfer zwecks Einschmelzen verschachern.

Außerdem ist das Straßenbahndepot an der Stadteinfahrt aus Richtung Temeswar ein wertvolles Grundstück, das die Stadt selber – als Alleineigner von Prescom – auch gut gebrauchen kann. Nicht zufällig sind dort vor ein paar Jahren „Kaufland“ und eine ganze Reihe anderer gutgehender Handelshäuser hingestellt worden.

Nur muss jetzt dieses Gelände schnell und vollständig aus der Konkursmasse von Prescom herausisoliert werden – nach Meinung der Ratsherren die ureigene Aufgabe des Bürgermeisters.

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