Bukarest – mal von oben!

Mit dem City-Tour Doppeldecker durch die Hauptstadt

Sonntag, 23. Juni 2013

Das Oberdeck ist nicht nur herrlich luftig, sondern auch eine perfekte Plattform zum Fotografieren.

Das prachtvolle Gebäude des Colţea-Spitals kommt erst aus der Höhe so richtig zur Geltung.

Der Universitätsplatz: Schnell mal für einen Kaffee oder einen Museumsbesuch aussteigen? Kein Problem, das City-Tour-Ticket gilt 24 Stunden!

Historisch-futuristische Fusion-Kunst: die Fassade des Novotel in der Calea Victoriei.
Fotos: George Dumitriu

Luftig geht es zu auf dem offenen Deck des bunten Touristen-Stockbusses. Lachend erklimmt eine Gruppe Österreicher das Verdeck und nimmt ganz vorne hinter der Windschutzscheibe Platz, von wo aus man den besten Blick genießt. Auf den Knien der Mädchen wird trotz Fahrtwind versucht, die City-Tour-Karte zu entfalten, die man in Bukarester Hotels gratis bekommt. Eifrig schrauben die jungen Leute am Rädchen des automatischen Guides, um den richtigen Kanal zu erwischen: Rumänisch, Englisch oder Französisch. „Wollen wir am Parlamentsgebäude raus?“ ruft eines in die Runde. „Ich brauch erstmal ein Frühstück!“ protestiert die Stimme des einzigen Mannes. Schaukelnd setzt sich der Bus in Bewegung. „Erste Station: Triumphbogen“, schnarrt es aus dem Kästchen, gefolgt von den wichtigsten historischen Daten. „Es quatscht nur in der Nähe der Stationen“, klärt uns die Busbegleiterin auf. Wir gleiten die Straßen entlang, den frischen Morgenwind in den Haaren. Unter uns die Straßenbahn, bunte Spielzeugautos und kleine, hektisch herumlaufende Männchen. Wann sieht man Bukarest schon von oben?

Museenlandschaft bis zur Altstadt

Wir zücken den Knipskasten, von Brüstung zu Brüstung schwankend, auf der Jagd nach den besten Motiven: die Kiseleff-Straße mit ihren Prachtvillen, der weite Victoria-Platz mit gleich drei Museen – dem Naturkundemuseum Antipa, dem Geologiemuseum und dem sehr empfehlenswerten Bauernmuseum –  die Calea Victoriei hinunter, vorbei am George-Enescu Museum, am Athenäum und am Nationalen Kunstmuseum, am prächtigen Bank-Palast CEC, zum Museum für Nationale Geschichte in der Altstadt.

  Hier lockt vor allem die Schatzkammer mit Goldschätzen aus der Jungsteinzeit, der Daker oder aus der Zeit  vonStefan dem Großen –  ein unbedingtes Muss! Dann vielleicht noch ein Bierchen im Caru cu Bere zischen, eigentlich nur, um in Ruhe die aufwendige Architektur des historischen Brauhauses auf sich wirken zu lassen. Oder lieber ein Bummel durch die belebte Altstadt, mit unzähligen Bars, Cafés und Pizzerien? Vielleicht begegnet man dort dem charmanten Leierspieler, der Charlie Chaplin so ähnelt, und aus dessen Zylinderkrempe lebende weiße Mäuse hervorlugen.

Oder man spaziert durch die berühmte Lispcani-Straße, von Brautmodegeschäften gesäumt, zum Hanul cu Tei, wo ein stilvoller Innenhof mit vielen kleinen Läden Gemälde rumänischer Künstler und Malzubehör feilbietet. Auch die alte Karawanserei, Hanul lui Manuc, heute ein Restaurant mit Weinkeller und schattigem Garten, lohnt eine Stippvisite. Von den vielen Glasgeschäften, die früher die Altstadt durchsetzten und wo man günstig originelle, handgemachte Glaswaren erstehen konnte, sind leider nur wenige übriggeblieben, deren Preise sich dem allgemeinen Fortschritt angepasst haben.

Stadt der Pracht und Gigantomanie

 Gemächlich gleitet der Doppeldecker nun in Richtung Parlamentspalast, dem überdimensionalen Regierungsgebäude aus der Ceau{escu-Zeit. Ein Stakkato an Klicks begleitet die Ansage aus dem Guide: „Das zweitgrößte Gebäude der Welt... mit über 7000 Zimmern und unterirdischen Gängen...“. Hier wollte Nicolae Ceauşescu einst den Sitz des Zentralkomitees einrichten. Ein Besuch lohnt sich nicht nur wegen der unglaublichen Gigantomanie: riesige Säle und Lüster, marmorne Treppen und Ornamente, geschnitzte Türen, oder ein Teppich, so schwer, dass ihn nur eine Maschine aufrollen kann. Im Gebäude befindet sich auch das Nationale Museum für zeitgenössische Kunst.

Weiter schaukelt der Bus die von alten Springbrunnen gesäumte ehemalige Prachtstraße entlang, zum Unirii-Platz. Zwischendurch noch ein paar Worte aus dem Sprechkästchen über den Patriarchenhügel rechts, den Sitz des Oberhauptes der orthodoxen Kirche. In der von mystischer Stimmung geprägten Kirche bilden sich am Tag des hl. Dumitru Schlangen von Gläubigen vor dessen Sarkophag, um die dann enthüllten knochigen Hände des mumifizierten Heiligen zu küssen.

Wie ein riesiger Wal schwimmt der Bus durch den nun dichten Verkehr. Rechts das Unirea-Kaufhaus, während vorne im Blickfeld bereits das turmartige Gebäude des Intercontinental-Hotels auftaucht. Die Österreicher steigen schnatternd am prachtvollen Colţea-Spital gegenüber der Universität und des Bukarester Stadtmuseums aus. Dieser Stadtteil ist vor allem von Buchläden, Bücherständen und Antiquariaten geprägt.

Bunter Freizeitpark oder Dorfhäuschen

 Langsam füllt sich das Beobachtungsdeck. Meist sind es ausländische Touristen oder in Bukarest lebende Expats, die ihren Gästen die Stadt zeigen. Weiter geht es zur Piaţa Romană, vorbei an der Wölfin mit den saugenden Rom-Gründerlein, Romulus und Remus, über die Piaţa Victoriei und das Fliegerdenkmal Aviatorilor zur Piaţa Charles de Gaulle.

Dessen überdimensionale Statue begrüßt uns am Eingang zum Herăstrau-Park, dem größten Park der Stadt, wo sich am Wochenende Spaziergänger und Radfahrer drängen, wo man Tretboot fahren, in einer Schaluppe über den See schippern oder sich in unzähligen, mehr oder weniger versnobbten, meist lauten Freiluftrestaurants stärken kann – sofern man denn einen Platz ergattert. Abends verwandelt sich das Seeufer in eine brodelnde Party-Szene: schummrig beleuchtete Bar-Schiffe mit Hollywood-Schaukeln oder roten Kunstledersofas, Discomusik und kein bisschen leise Seeuferromantik...

Nach Umrundung des Triumphbogens erreichen wir das Dorfmuseum. Mit traditionellen Dorfhäuschen aus dem ganzen Land, Holzkirchen und Mühlen, blühenden Gärten, freilaufenden Katzen und so manchem Verkaufsstand für landestypische Handwerkskunst bietet es ein herrliches Umfeld für einen entspannten Bummel im Freien.

Über die Piaţa Presei gleiten wir am Pressehaus vorbei, der ehemaligen „Casa Scânteii“ im russischen Zuckerbäckerstil, wo sich neben zahlreichen Redaktionen auch die der ADZ befindet. Am Terminal der Straßenbahn endet unsere Reise – wieder in brütender Großstadthitze – nach 50 herrlich luftigen Minuten und unzähligen Eindrücken von der Hauptstadt aus der Höhe.

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RATB-Bukarest City Tour:

 Die bunten Stockbusse des RATB legen in ca. 50 Minuten eine Strecke von 15 Kilometern mit 14 Haltestellen zurück, die man an eher unauffälligen roten Säulen erkennt.
Abfahrt ab Piaţa Presei (Haltestelle: Kiseleff-Straße) 7 Tage die Woche ab 10 Uhr. Letzte Fahrt 21Uhr, ungefähr im 15-Minuten Rhythmus.

Das 24-Stunden Ticket, bezahlbar im Bus, kostet 25 Lei für Erwachsene und 10 Lei für Kinder von 7-14 Jahren. Fahrpläne und Karten gibt es in Bukarester Hotels oder unter www.ratb.ro .

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