Bukarests Börse 2014 – Ein Jahresrückblick

Ein Rückblick auf den Handel an der Bukarester Wertpapierbörse

Dienstag, 06. Januar 2015

Bukarests Wertpapierbörse BVB hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Die Kursentwicklungen passen zur allgemeinen Entwicklung der Wirtschaft. Mit einem Plus von neun Prozent liegt die BVB allerdings weit hinter ihren Glanzjahren zurück. Die Chance, zu einer regional wichtigen Börse aufzusteigen, hat sie durch Versäumnisse verpasst. Gleichwohl wurden längst fällige Entscheidungen getroffen, die die BVB für die Zukunft rüsten soll.

So wurde der Börsengang des landesweit größten Stromerzeugers, Hidroelectrica, vom Juni 2014 auf das Jahr 2015 vertagt, nachdem das Unternehmen binnen eines Jahres gleich zweimal Insolvenz gemeldet hat. Die ebenfalls für 2014 geplante Listung des Energieriesen Complexul Energetic Oltenia ist nun für die zweite Hälfte des Jahres 2015 anberaumt. Mit nur einem Börsengang – Electrica (EL, ISIN ROELECACNOR5) und Tagesumsätzen, die äußerst selten im dreistelligen Millionenbereich lagen, kann die Bukarester Wertpapierbörse nicht den Anspruch haben, eine regionale Größe zu sein. Dies verdeutlicht auch die wiederholte Vertagung der Zweitlistung des größten börsennotierten Unternehmens – des Fonds Proprietatea (FP, ISIN ROFPTAACNOR5). Der Börsengang in London lässt auf sich warten, obwohl der Fonds mit seinen mehr als drei Milliarden Euro an Vermögenswerten eine respektable Größe aufweist.

Die Verlierer

Die wohl größten Verlierer der Börse im vergangenen Jahr waren die börsennotierten Bohrunternehmen. Es handelt sich dabei um Dafora Mediasch (DAFR, ISIN RODAFRACNOR5), Foraj Sonde Craiova (FOSP, ISIN ROFOSPACNOR8) und Foraj Sonde Ernei (FOSB, ISIN ROFORJACNOR3). Dabei spielt nicht der Kursverlust hier eine Rolle. Diese Unternehmen hatten bei Ausschreibungen des Erdgasversorgers Transgaz (TGN, ISIN ROTGNTACNOR8) Absprachen getroffen und somit gegen das Gesetz verstoßen. Das Wettbewerbsamt brummte ihnen deswegen Geldstrafen zwischen 0,3 und 0,9 Millionen Euro auf. Während beispielsweise Dafora bei 0,0153 Lei und somit nahe des 52-Wochen-Tiefs dümpelt, liegt Transgaz nahe seines 52-Wochen-Hochs von 267 Lei je Aktie.

Die Gewinner

Satte Gewinne erzielten Aktien aus der Baubranche. Wer Anfang 2014 auf den Fliesenhersteller Cemacon (CEON, ROCEONACNOR0) oder das Bauunternehmen Impact (IMP, ROIMPCACNOR0) setzte, hätte seinen Einsatz heute mehr als vervierfacht – beziehungsweise fast verdoppelt. CEON-Aktien schlossen dank einer Stammkapitalerhöhung und der Umwandlung von Verbindlichkeiten in Aktien mit einem Jahresgewinn von 440 Prozent. Der Sparkurs und die Aufstockung der Beteiligung durch den Hauptaktionär verhalfen IMP-Aktien zu einem Jahreszuwachs von 179 Prozent. Auch der Maschinenbau-Sektor konnte im vergangenen Jahr gute Kursgewinne vorweisen. Electroputere (EPT, ISIN ROELPUACNOR3) legten 123 Prozent zu, die Werft Şantierul Naval Orşova (SNO, ISIN ROSAUVACNOR4) beglückte ihre Aktionäre mit einem Kurssprung von 116 Prozent.

Zu den Gewinnern des vergangenen Börsenjahres zählten auch Bankaktien. Vor allem Banca Transilvania (TLV, ISIN ROTLVAACNOR1) konnten überzeugen. Im Vergleich zum Stand vom Jahresanfang schloss die Bankaktie mit einem Plus von knapp 20 Prozent. Vergleicht man den 52-Wochen-Tiefstpreis, so warf die Aktie 2014 sogar einen Gewinn von 25 Prozent ab. Ausschlaggebend war wohl die Übernahme der Volksbank Rumänien und die damit verbundene Stärkung der kleinen Bank am heimischen Markt.

Rasdaq – End of Line

Als eine mutige, zukunftsweisende Entscheidung ist das Gesetz zur „Klärung des juristischen Status der Aktien, die am Rasdaq-Markt gehandelt werden“ zu werten. Das im Oktober 2014 verabschiedete Gesetz besiegelt das Ende des Sekundärmarktes, sieht jedoch eine überaus großzügige Übergangsperiode von einem Jahr vor, in dem etwa 900 Unternehmen nun Zeit haben, der alternativen Handelsplattform des BVB – der ATS – beizutreten. Oder sie verschwinden vom Markt. Fünfzehn Unternehmen haben diese Entscheidung schon im Dezember getroffen. Sie haben zusammen einen Marktwert von 48 Millionen Lei (ca. 11 Millionen Euro) und ihre Aktien werden demnächst nicht mehr im freien Handel zu haben sein.

Kurzer Ausblick

Bei einer Börse der Größenordnung der BVB von Trends zu sprechen, mutet schon fast überheblich an. Dennoch werden auch in 2015 die Energieaktien zu den beliebtesten gehören. Vor allem Versorger-Aktien bleiben interessant, zumal der Erdgasmarkt am 1. Januar 2015 für kleine und mittelständische Unternehmen geöffnet wurde. Die sich daraus ergebenden Preissteigerungen bescheren den Versorgern höhere Einnahmen. Das Interesse für den Energiesektor wird auch vom bislang einzigen sicheren Börsengang des Jahres aufrecht erhalten werden: dem des Stromerzeugers Hidroelectrica.

Organisatorisch gibt sich die Bukarester Börse modern. Statt der bisherigen Aufteilung in I-II-III-Klassen werden Aktien seit gestern im Premium- oder im Standard-Segment gehandelt. Ob ein Emittent im Premium-Segment gelistet wird, hängt davon ab, ob die Aktie entweder zu den 25 Aktien mit dem höchsten Liquiditätskoeffizient gehört oder die in Streubesitz befindlichen Aktien in den letzten drei Monaten mehr als 40 Millionen Euro wert waren. Zudem soll am 25. Februar eine neue Handelsplattform starten – AeRO – auf der Start-Ups Finanzierungen finden sollen. Im Visier stehen vor allem IT-Unternehmen, die bislang gar nicht am Börsenparkett präsent sind.

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