Bukowina-Institut feierte 20 Jahre seit der Gründung

Sonntag, 11. November 2012

Vor 20 Jahren, am 7. September 1992, wurde in Radautz/Rădăuţi in etwa nach Augsburger Vorbild ein Bukowina-Forschungszentrum gegründet, kurze Zeit vorher war eine ähnliche Gründung in Czernowitz erfolgt. Bei der inzwischen Tradition gewordenen wissenschaftlichen Jahrestagung (2012 am 26. und 27. Oktober) wurde das kleine Jubiläum gefeiert mit einer kurzen Leistungsschau und Grußworten seitens des Kreisrates Suceava, des Geschäftsführers Otto Hallabrin vom Partnerinstitut aus Augsburg (das Czernowitzer war nicht vertreten) und des Direktors des Haus des Deutschen Ostens München (HDO), Dr. Ortfried Kotzian, der einzige anwesende Direktor der Gründungszeit.

Aus der Rückschau des derzeitigen Direktors, Dr. Marian Olaru, sei hier kurz auf folgende Erfolge hingewiesen: 2007 wurde das Forschungszentrum zu einem eigenständigen Institut der Akademie der Wissenschaften, in den Buchreihen des Instituts sind bisher 40 Titel veröffentlicht worden.
Zu der internationalen wissenschaftliche Tagung hatten sich genau 20 Referenten aus Rumänien, der Ukraine, der Republik Moldau und Deutschland angemeldet.

Die vier Referenten aus Deutschland behandelten folgende Themen: Dr. Ortfried Kotzian würdigte den jiddischen Schriftsteller Josef Burg (geboren in Wischnitz) als „Wanderer zwischen vielen Welten“ zum 100. Geburtstag; Diplompolitologe Otto Hallabrin vom Augsburger Bukowina-Institut stellte die Abgeordneten aus der Bukowina von 1861 bis 1918 im österreichischen Reichsrat und den damaligen parlamentarischen Kontext vor; Tetyana Kloubert (gebürtige Czernowitzerin), wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Augsburg, präsentierte das wenig erforschte Thema: Durch Volksbildung zur Volksidentität: Bildungsbestrebungen der Czernowitzer Ruthenen am Beispiel der „Ruska besida“ und der Gründung des Ukrainischen Volkshauses 1884; Luzian Geier, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Augsburger Bukowina-Instituts, erinnerte an den Wiener „Meister aus der Bukowina“ Oskar Laske (1874-1951) und das weniger bekannte rumänische handkolorierte Lithografie-Album „Bucovina“ aus dem Jahre 1934, dessen erstes Luxus-Exemplar der Künstler der Bukarester Akademie-Bibliothek übereignet hatte.

Von den Vorträgen, die sich auf die Habsburger Zeit bezogen, seien stellvertretend erwähnt die Präsentation „Bukowiner Bade- und Luftkurorte“ von Dr. Ovidiu Bata (Radautz), die Würdigung des Schriftstellers und Volkskundlers Ludwig Adolf Staufe-Simiginowicz durch Doktorandin Stef²ni]a-Mihaela Ungureanu (Radautz), das private Mittelschulwesen in der Bukowina (Dr. Ligia-Maria Fodor, Staatsarchiv Bukarest), Bukowiner Schule und Schüler jenseits der Statistiken (Dozent Dr. Harieta Mareci-Sabol, Uni Suceava) oder die gemischten rumänisch-deutschen Gymnasien der Bukowina (Dr. Constantin Ungureanu, Historiker, Chişinău).

Die Tagung bot Gelegenheit zu Diskussionen über die Vorträge wie auch zu vielen Fachfragen. Das Team des Radautzer Instituts stellte eigene wie auch sonstige Bukowiner Neuerscheinungen vor, darunter die zuletzt erschienenen zwei Bände der Zeitschrift „Analele Bucovinei“ für das laufende Jahr.
In den abschließenden Gesprächen wurde Dr. Ortfried Kotzian besonderer Dank ausgesprochen für die Teilnahme an der Jubiläumstagung vor Ende seiner aktiven Laufbahn und vor allem für die vielen Impulse, die von ihm in den zehn Jahren als erster Geschäftsführer des Augsburger Bukowina-Instituts gekommen waren bei der fruchtbaren Zusammenarbeit mit den Partnerinstitutionen in der Bukowina, wie auch in der Zeit als Direktor des HDO in München.

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