Bundestagsstipendiatinnen für 2013 stehen fest

Rund 120 Hochschulabsolventen aus 28 Ländern gehen nach Berlin

Donnerstag, 22. November 2012

In der vergangenen Woche fanden in der Deutschen Botschaft Bukarest die Vorstellungsgespräche für das Internationale Parlamentsstipendium (IPS) des Deutschen Bundestags statt. Die Auswahlkommission, die aus Deutschland angereist war, wurde von dem Bundestagsabgeordneten Manfred Todtenhausen (FDP) geleitet. Seitens der Freien Universität Berlin, Abteilung Außenangelegenheiten, nahm Dr. Stefan Rummel an den Gesprächen teil, während die Verwaltung des Bundestags von dem Leiter der Unterabteilung Mandatsdienste, Frank Sobolewski, vertreten war.

Von März bis Juli 2013 dürfen diesmal fünf junge Rumäninnen nach Berlin reisen. Sie überzeugten mit ihrem Wissen, mit ihrem Engagement, mit ihren Deutschkenntnissen. Sybille Gimpl (24) aus Reschitza/Reşiţa hat Internationale Beziehungen in Klausenburg/Cluj und Europäische Integration mit Schwerpunkt Ostmitteleuropa in Chemnitz studiert. Sie ist Angehörige der deutschen Minderheit und – nach eigener Definition - „sehr europaorientiert“.

Die gleichaltrige Adina Ponta hat vor wenigen Wochen die Qualifikation zur Rechtsanwältin bestanden. Auch sie hat in Klausenburg studiert und Deutsch in einer muttersprachlichen Schule gelernt. Sehr engagiert für die Umwelt und für mehr zivilgesellschaftliche Beteiligung in Rumänien ist Alexandra Hopotă (25), Absolventin der Internationalen Beziehungen und Europastudien in Temeswar/Timişoara und Hannover.

Ihre Studienkollegin Casiana Petrovan sieht den Schwerpunkt ihrer beruflichen Zukunft im Bereich der Gleichstellungspolitik und der Menschenrechte, während die junge Wirtschaftswissenschaftlerin Ana Raluca Nedelcu (23) aus Fogarasch/Făgăraş viel Nachholbedarf im rumänischen Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft feststellt und hier aktiv werden möchte.

Während eines Empfangs im Bukarester Hotel „Intercontinental“ überreichte Manfred Todtenhausen den Stipendiatinnen ihre Zusageschreiben. Anwesend waren Vertreter der Politik, der politischen Stiftungen, der Bukarester Universität und deutscher Institutionen sowie IPS-Alumni. Am nächsten Tag besuchte die Kommission die Technische Universität Bukarest, wo der Bundestagsabgeordnete für die Studenten einen Informationsvortrag zum Internationalen Parlaments-Stipendium hielt. Ehemalige Stipendiaten erzählten aus ihrer Erfahrung in Bonn und Berlin.

Zu politischen Themen diskutierten die Delegationsmitglieder beim Sitz des Rumänischen Parlaments mit dem DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganţ. Thematisiert wurde die Situation der deutschen Minderheit und des deutschsprachigen Bildungswesens in Rumänien. Manfred Todtenhausen, der das Land nun zum ersten Mal besuchte, warb dafür, dass „die Menschen hierzulande mehr Chancen zur Weiterentwicklung erhalten“ und dass „die Korruption, die sich auf jede Volkswirtschaft motivationsverhindernd auswirkt, entschlossen bekämpft wird.“

Die Hauptstadt Rumäniens habe überraschend schöne Seiten, zudem gäbe es im Land ein bedeutendes, unausgeschöpftes Potenzial, unterstrich der deutsche Parlamentarier, der von Beruf Elektromeister ist. „Ich würde mir wünschen, dass die Qualifikation der Handwerker hierzulande verbessert wird und dass die Standards im Bereich der Dienstleistungen anspruchsvoller werden. In sozialen Fragen – wie die Betreuung alter Menschen, Familienberatung oder Diakonie – könnten sich Kirchen noch mehr engagieren. Zum Glück fehlt es an ehrgeizigen jungen Menschen nicht – wir durften es bei der IPS-Auswahl feststellen“, so Todtenhausen.

Rund 120 Hochschulabsolventen aus 28 Ländern nehmen jährlich am IPS teil. 1986 kamen die ersten Stipendiaten aus den USA ins deutsche Parlament, seit 1989 sind junge Franzosen mit dabei, schließlich wurde das Stipendium nach Ende des Kalten Krieges für Mittel-, Ost- und Südosteuropäer geöffnet und 2009 auch auf Israel erweitert. Rumänische Stipendiaten sind seit 1996 dabei. An der Erweiterung des Programms auf Kanada und die Länder des arabischen Frühlings wird derzeit gearbeitet.

Kern des IPS ist ein Praktikum im Büro eines Bundestagsabgeordneten, außerdem bereichern die drei Berliner Universitäten sowie die deutschen politischen Stiftungen das Parlamentspraktikum mit Lehrveranstaltungen oder Studienreisen. Die ehemaligen Stipendiaten – rund 1900 insgesamt – sind in Politik oder Verwaltung, in Verbänden und NGOs, in Medien, Wissenschaft oder der freien Wirtschaft tätig. IPS-Teilnehmerländer wie Frankreich, Polen, Ungarn und Lettland haben für deutsche Hochschulabsolventen Partnerprogramme aufgebaut.

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