CEZ: „Ökosystem durch Stauseeentleerung nicht zerstört“

Reparaturarbeiten am Staudamm des Gozna-Sees bei Franzdorf dauern noch an

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Die Reparaturarbeiten an der Staumauer, dem Überlaufwehr und dem Grund-Entleerungs-System des Oberen Stausees von Franzdorf/Văliug (dem Gozna-See) sind (fast wie erwartet) nicht, wie angekündigt, am 1. Dezember abgeschlossen worden. CEZ Romania, der Rumänienableger des weiterhin expandierenden tschechischen Energiekonzerns CEZ, gab bekannt, dass sich diese Arbeiten unter Umständen noch bis zur frühjährlichen Schneeschmelze hinziehen könnten – die man allerdings nicht verpassen will, weil sie für die Wiederbefüllung des ursprünglich 14 Millionen Kubikmeter fassenden Stausees unumgänglich ist.

In den vergangenen Wochen gab es einigen Rummel um das Anfang November getätigte Ablassen des Stauseewassers und die dadurch hervorgerufene Zerstörung des Lebensraums der Fische und der sonstigen Lebewesen des Stausees. Mehrere Umweltschutzorganisationen hatten sich an die beiden in Reschitza ansässigen Ableger der staatlichen Behörde für Umweltschutz – das Umweltschutzamt und die Umweltschutzgarde – gewandt und diese harsch aufgefordert, dringend Maßnahmen zu ergreifen gegen die öffentlich unangekündigte und brutale Zerstörung des Biotops Hunderttausender Fische, Krebse und Lurchtiere. Die Organisationen hatten fotografisch dokumentiert, wie halb Franzdorf mit Säcken und Körben Fische aus dem Grundschlamm klaubte und, so eine der Organisationen, „sich für den ganzen kommenden Winter mit unterschiedlich konservierten Fischvorräten eindeckte“ – die anson-ten ohnehin wegen der Grundentleerung umgekommen wären.

Biotop auch ohne Wasser intakt?

CEZ reagierte ziemlich läppisch, indem unter anderem darauf hingewiesen wurde, dass die im Gozna-Stausee lebenden Fische eh von keiner besonderen Qualität gewesen wären.
Jetzt, fast zwei Monate später, gibt es ein neuerliches Kommuniqué von CEZ, in dem behauptet wird, die „Arbeiten“ seien „durch-geführt worden, ohne jeden negativen Einfluss auf die Fischfauna“, und „die Maßnahmen zum Schutz der Aquafauna, welche die Kompanie angewendet hat, haben zu den erwarteten Ergebnissen geführt, sodass keinerlei negativer Einfluss auf das Ökosystem festgestellt werden konnte“. Außerdem hätten die CEZ-Angestellten „permanent“ die „implizierten lokalen öffentlichen Behörden über die durchgeführten Arbeiten informiert“.

Gegenwärtig werden die Säuberungsarbeiten der Rohrleitungen für die Grundleerung des Stausees fortgeführt, ihr Erhaltungszustand kontrolliert und die Lenkvorrichtungen der Entleerungsmechanismen generalüberholt. Das sei die letzte Etappe zur Erfüllung der Vorgaben des Ministeriums für Umweltschutz bezüglich der Staudammsicherheit und der Sicherheit der Bevölkerung, die talabwärts von den Stauseen lebt, welche TMK Hydroenergy Power – so der Name des CEZ-Ablegers im Banater Bergland – zur Respektierung aller vorgeschriebenen technischen und qualitativen Maßnahmen in dem Bereich noch durchführen muss.

Vor- und Nachteile der Verkettung

Danach beginne das Wiederauffüllen des Stausees „auf natürlichem Weg“, indem vor allem die Ringkanäle um den Semenik – das System Nera-Coşava – genutzt werden sollen. Bekanntlich ist der Semenik (der „Wasserturm des Banats“) der einzige Bergstock Rumäniens, wo die Wasserressourcen vollständig und kontrolliert genutzt werden können, da sie nahezu sämtlich in einer Kaskade bestehend aus vier Stauseen (Drei Wässer – Gozna – Franzdorf – Sekul) im Tal der Bersau/Bârzava aufgefangen und wirtschaftlich genutzt werden. Nur die Temesch wird an ihrem Oberlauf durch den „Drei Wässer“-Stausee angezapft und fließt anson-sten ungehindert durch ihr Tal am Nordhang des Semenik-Bergstocks in Richtung Temesch-Cerna-Durch-bruch und Banater Ebene.

Das System zeigt gegenwärtig auch seine Nachteile, denn dadurch, dass alle Stauseen, herbeigeführt durch Wasserbauarbeiten, in einer durch das Gefälle festgelegten Reihenfolge miteinander verbunden sind, bringt der Ausfall einer der Komponenten des Systems Schwierigkeiten talabwärts mit sich. So ist, um die Wasserhaltung der Stadt und der Industrie von Reschitza zu gewährleisten, was gegenwärtig durch den Ausfall des Gozna-Stausees allein durch den Unteren Franzdorfer Stausee und den Sekuler Stausee gesichert wird, das Tal der Bersau in Reschitza nahezu wasserleer. Hier hat ein großes Abwandern und Absterben der nach 1989 kaum regenerierten Fischfauna begonnen. Durch das Industriesterben hatte die brutale Verschmutzung der Bersau durch Industrieabwässer aufgehört und nahezu sofort tauchten wieder Fische auf.

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