ColorPilot, smart–Tisch und Binderei

Hermannstädter Honterus Druckerei hat auf Vierfarben-Manroland-Offsetmaschine umgerüstet

Freitag, 10. August 2012

Helmut Mathes, der Geschäftsführer der Honterus Druckerei

Drucker Ovidiu Rotescu im Gespräch mit Verlagsleiter Benjamin Jozsa
Foto: Andrey Kolobov

Fünf Anträge hatte die Honterus Druckerei gestellt, um aus Programmen der Europäischen Union Mittel für die Modernisierung der Anlagen zu erhalten. Alle fünf Gesuche wurden abgelehnt. Die über 20 Jahre alte Zweifarben-Druckmaschine Manroland (Typ R 202) musste ersetzt werden, denn sie entsprach den Anforderungen des Marktes nicht mehr. Hätte man das mit Ersatzteilen getan, es hätte fünfmal mehr gekostet, als eine neue Maschine zu kaufen. Also wurde beschlossen, die Mittel selbst aufzubringen und eine den heutigen Marktanforderungen entsprechende Druckmaschine anzuschaffen. Der Druckerei-Geschäftsführer Helmut Mathes fuhr im Mai zur Druckmaschinenmesse in Düsseldorf, fand dort eine fast neue Vierfarben-Manroland-Offsetmaschine vom Typ R 204 0 B – „sie ist erst richtig eingefahren worden“, so Mathes – und man beschloss den Kauf. 212.500 Euro brachte die Druckerei aus den selbst erwirtschafteten Mitteln hierfür auf. Der renommierte Druckmaschinenbauer wollte es sich nicht nehmen lassen, die Anlage selbst abzubauen und in der Druckerei in Neppendorf/Turnişor aufzubauen, von deren gutem Namen er gehört hatte, verlangte dafür aber recht viel Geld. Der Preis für die Ummontage konnte heruntergehandelt werden und dank Förderung durch die Saxonia-Stiftung, die auf unbürokratische Art und Weise einen Kredit in Höhe von 50.000 Euro zur Verfügung stellte, wurden die Transport- und Montagekosten, die Schulung der drei Drucker vor Ort sowie die Kosten für die Aufnahme der Produktion beglichen. Am 22. Juni war die Druckmaschine in Köln abgebaut, am 26. Juli fand der Probedruck statt, und zwar anhand der „Hermannstädter Zeitung“, die nun ebenfalls in Farbdruck erscheint. 

Helmut Mathes ist stolz auf die neue Maschine, denn im Umkreis von 150 Kilometern gibt es ihresgleichen nicht. Die Farbeinstellung kann über eine Zusatzsoftware online übertragen und zu 85 Prozent voreingestellt werden, was eine kolossale Hilfe ist, denn der Drucker muss nur noch die Feineinstellungen vornehmen. Mit Hilfe des ColorPilot smart–Tisches kann man sodann die einzelnen Druckbögen durch ein Densitometer überprüfen, um festzustellen, wie groß die Abweichungen von der Standardeinstellung sind, bzw. eine Nachstellung vollziehen. Während großer Auflagen, bei denen sich Einstellungen leicht verschieben, können diese nun immer wieder korrigiert werden, um vom ersten zum letzten Bogen dieselbe Druckqualität und Farbeinstellung zu erhalten. Die Maschine verfügt des weiteren über automatischen Platteneinzug und Tuchwaschsystem, sodass die Rüstzeiten von ca. 40 auf bis zu 10 Minuten verkürzt werden. Das bedeutet Geldeinsparung für den Kunden, denn die Einstellungszeiten waren im Preis mitgerechnet und oftmals länger als der effektive Druck. Von Vorteil ist an der R 204 0 B desgleichen, dass sie von 0,04 bis 0,8 Millimeter dickem Papier – die alte schaffte nur 0,6 Millimeter – durchlaufen werden kann, sich die Maschine also auch für das Bedrucken von festem Karton und also Verpackungen eignet.

Dank der neuen Druckmaschine kann die Honterus Druckerei vermehrt auch kleinere Aufträge entgegen nehmen, d. h. ein flexibleres Einstellen auf kleinere und größere Auflagen ist nun besser möglich, sagte Verlagsleiter Benjamin Jozsa. Für eine 500-Exemplare-Bestellung musste man 45 Minuten kalkulieren – 40 Minuten das Einstellen und 5 Minuten die Durchlaufzeit – bei der neuen Maschine sind es ca. 13 Minuten: 10 Minuten Einstellung und 3 Minuten Durchlauf. Berechnet hat Geschäftsführer Helmut Mathes, dass die Druckerei den Stundentarif nicht verändern muss – und das bei besserer Qualität.

Besser nachkommen kann die Honterus Druckerei ihrem Auftrag, Bücher für das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien oder über die deutsche Minderheit zu drucken, seit dem Frühjahr: Ebenfalls aus eigenen Mitteln wurden Buchbinderei-Maschinen angeschafft. Es handelt sich um einen Komplex aus sechs Maschinen, die den Buchblock kleben, den Buchrücken annähen, runden und falzen, sodass man für Hardcover-Bestellungen auf niemanden mehr angewiesen ist. Diese Buchumschläge wurden bislang bei der Druckerei von Monitorul Oficial in Bukarest angefertigt, doch gab es jedesmal Schwierigkeiten mit dem Einhalten der Termine. Honterus ist nun eine der wenigen Druckereien in Rumänien, die Hardcover herstellen kann. Der Druck von Büchern gehört zu den interessantesten Aufträgen, denn deren Gestaltung ist eine schöne Aufgabe.

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