Damian Vulpe zum 80. in seiner Geburtsstadt gefeiert

Musikwissenschaftler wurde Ehrenmitglied der „Deutschen Vortragsreihe Reschitza“

Mittwoch, 19. September 2018

Univ.-Prof. Dr. Damian Vulpe nahm sichtlich gerührt die Ehrenurkunde vom Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Banater Berglanddeutschen, Erwin Josef Ţigla, in Empfang. Foto: DFBB

Reschitza - Am 19. Mai 1938 erblickte Damian Vulpe, der später bekannt gewordene Dirigent, Musikwissenschaftler, Musikkritiker und Musikpädagoge, das Licht der Welt in einer traditionsreichen Intellektuellenfamilie in Reschitza. Als er 80 wurde, versprach man ihm, dass er im Herbst in seiner Heimatstadt gefeiert werden wird.
So war es der 10. September, der dafür von den Organisatoren ausgewählt wurde, um Univ.-Prof. Dr. Damian Vulpe in den Mittelpunkt seiner Heimatstadt Reschitza zu stellen.

Damian Peter Vulpe wurde in Reschitza, im Hause seines Großvaters Peter Rohr geboren, dessen Vornamen er auch bekam, und von dem er auch das musikalische Talent erbte. Dabei hat auch seine Großmutter, geborene Tietz, Klavierlehrerin, einen Anteil gehabt. Seine Eltern, Maria Cecilia, Lehrerin und auch Musikpädagogin und -förderin, und Nicolae Alexandru, Beamter, waren die Wurzeln der musikalischen Entwicklung ihres Sohnes.

Nach Abschluss der Gymnasialschule Nr. 1, wo Coriolan Cocora, sein Großonkel, wirkte, und nach dem Klavierunterricht, den er von Mutter, Großmutter, Großtante und, vorübergehend, auch von Kaplan Josef Gerstenengst erhielt, besuchte er das Musik-Lyzeum. Er begann mit Klavierunterricht bei Miron Şoarec, aber das Chordirigieren war verlockender und so kam es zum Studium bei Ion Românu, in Reschitza begonnen und 1955 in Temeswar abgeschlossen.

Am Ciprian-Porumbescu-Konservatorium in Bukarest führte er sein Studium der Musik zu Ende: Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Chorleitung mit Diplom-Prüfung 1960, später erhielt er auch den Doktortitel. Es folgten Sonderstudien in Berlin, Chorleitung in Weimar bei Kurt Masur und bei Constantin Bugeanu in Sinaia Orchesterleitung.

An den Pädagogischen Schulen in Temeswar und Arad begann seine Lehrtätigkeit, die in Temeswar in den Hochschulunterricht mündete. Am Anfang war es das dreijährige Pädagogische Institut, das die Musik-Fakultät betreute. Nach kurzer Zeit wurde es in die Universität eingegliedert, wo Damian Vulpe eine Stelle als Assistent und dann als Lektor belegte. Hier hatte er die ersten und die entscheidenden Erfolge. Der von ihm geleitete Studentenchor und das Kammerorchester waren zehn Jahre lang Erstpreisträger in Landes-Bewertungen. Die Auflösung der Fakultät führte Damian Vulpe zu einer Neuorientierung und Annahme einer neuen Beschäftigung, der Opernmusik. Seit 1980 war er Chormeister des Opernchors, aber auch Gesamtleiter unzähliger Vorstellungen.

Die Umstände nach 1989 ergaben neue Perspektiven am Horizont. Es war der Moment, ab dem Temeswar wieder einen Hochschulmusikunterricht genießen konnte. Damian Vulpe war derjenige, der eine neue Musik-Fakultät an der West-Universität mit den Abteilungen Pädagogik, Instrumentalmusik und Gesang schuf. Er wurde der erste Dekan der Fakultät und wirkte als Professor bis zu seinem Ruhestand. Damian Vulpe beschäftigte sich neben den pädagogischen Tätigkeiten (er unterrichtete Chorleitung) auch mit dem Chordirigieren, er war der Leiter des Studentenchors, des Reschitzaer Gewerkschaftschors, des Temeswarer „Igiena“- und „Carmina Dacica“-Chors und des „Schubert“-Chors, Dirigent des Universitäts-Kammerorchesters und von Vorstellungen der Temeswarer Oper und der Philharmonien in Arad und Temeswar.

Im musikwissenschaftlichen Bereich beschäftigte er sich hauptsächlich mit dem Banat, mit Vorstellungen von sinfonischen Konzerten, er schrieb Konzertbesprechungen, Artikel und Essays bis zu Monografien (Iosif Velceanu, Alma Cornea-Ionescu oder Margareta Tietz-Cocora – letztere ist noch nicht erschienen) und gab seine drei Sammelbände – „Solidar cu scena lirică“, „Solidar cu podiumul de concert“ und „Solidar cu cântarea coralã“ – heraus. Der Anfang wurde aber mit Georg Philipp Telemann gemacht, welches das erste Buch über den Komponisten in einer anderen Sprache als Deutsch war.

2014 erschien sein erstes Buch auf Deutsch, vom Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen und vom Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ herausgegeben: Damian Vulpe, „Solidarisch mit dem Musik-Geschehnis“, Redaktion - Erwin Josef Ţigla, Lektor - Waldemar König, erschienen im Verlag „Banatul Montan” Reschitza.

Zu Beginn der Jubiläumsveranstaltung, die unter dem Motto „Wir ehren unsere Persönlichkeiten“ stand, führte Erwin Josef Ţigla in das Leben des Gefeierten ein, gefolgt vom Journalist Titus Crişciu, ein Kenner der Kulturszene des Banater Berglands.

Es folgte eine Buchpräsentation: Der Herausgeber Gheorghe Jurma präsentierte zu diesem Anlass den Band „Reşiţa muzicală“ („TIM“-Verlag Reschitza), in dem auch oft der Name Damian Vulpe vorkommt. Als Dank für all seine Tätigkeit wurde der Gefeierte zum Ehrenmitglied des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ ernannt, eine Ehrung, die er von Gefühlen übermannt entgegennahm. Danach sprach der Gefeierte selbst, sichtlich gerührt. Anhand von Fotos erzählte er einiges aus seinem Leben und brachte u. a. Lustiges aus der Musikwelt Reschitzas zu Gehör. Den Schluss der Feier machte der „Franz Stürmer“-Chor unter der Leitung von Musiklehrerin Elena Cozâltea.

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