Dan Voiculescu hat neues Strafverfahren wegen Erpressung am Hals

Umstrittener Unternehmer erstmals unter Aufsicht gestellt

Samstag, 05. Juli 2014

Bukarest (ADZ) - Für den umstrittenen Politiker und Unternehmer Dan Voiculescu kommt es in diesen Tagen knüppeldick: Der Medienzar wurde am Donnerstagnachmittag zur Antikorruptionsbehörde DNA vorgeladen, wo ihm die Einleitung eines neuen Strafverfahrens wegen Erpressung zur Kenntnis gebracht wurde. Es ist bereits das dritte Strafverfahren gegen Voiculescu und das zweite, in dem ihm Erpressung zur Last gelegt wird.

Das neue Verfahren basiert auf Anzeigen mehrerer Unternehmer gegen den Ex-Securitate-Spitzel, nachdem er sie laut DNA „teils persönlich, teils über Mittelsmänner“ unter Androhung „diskreditierender TV-Beiträge über sie selbst, ihre Familien oder Geschäfte“ zur Unterzeichnung deftiger Werbeverträge mit seiner Mediengruppe „Intact“ gezwungen hatte.

Voiculescus Geschäftspraktiken bezeichnete die DNA als regelrechte „Schutzgelderpressung“. Anzeige erstatteten offenbar mindestens drei Unternehmer, darunter Nicolae Palfi und Octavian Creţu, Eigentümer des Erfrischungsgetränkekonzerns Romaqua, der u. a. das Mineralwasser Borsec abfüllt. Allein die von einem Unternehmer erpressten Werbeverträge sollen der Mediengruppe „Intact“ laut DNA mehr als 900.000 Euro eingebracht haben.

Erstmals wurde Voiculescu nun auch unter Aufsicht gestellt – u. a. erhielt er Ausreiseverbot. Beim Verlassen des DNA-Gebäudes bezeichnete der Beschuldigte das neue Verfahren als „Schweinerei“ – er kenne die Anzeigeerstatter, die nichts als „Lügenmärchen“ verbreiten würden, überhaupt nicht.

Schon der Vormittag war für den 68-Jährigen nervenaufreibend gewesen: Angesichts des Gerichtstermins vom 7. Juli beim Appellationsgericht Bukarest in der Strafakte „ICA“ über die  Privatisierung des Instituts für Lebensmittelforschung versuchten seine Anwälte, die Gerichtsverhandlung noch in zwölfter Stunde zu vertagen. Nachdem die Ablehnung der zwei Richter der neuen Gerichtsinstanz am Vortag nichts gebracht hatte, stellten Voiculescus Verteidiger am Donnerstag einen Antrag auf Standortverlegung – die Instanz des Appellationsgerichts sei offensichtlich befangen, da sie alle Anträge der Verteidigung abgewiesen habe, so das Argument. Über eine eventuelle Standortverlegung muss nun das Oberste Gericht befinden, bis dahin geht der „ICA“-Prozess weiter.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 06.07 2014, 03:26
Tja, mit was konnten die Unternehmen erpresst werden ? Vermutlich ganz einfach wegen Steuerhinterziehung, was in Rumänien angesichts bekannter "Schwächen" der Steuerverwaltung ganz einfach sein dürfte. Sicher verfügt Voiculescu über Kontaktleute in den zahlreichen Rum. Schnüffelorganisationen - auch "Dienste" genannt - und vielleicht wollte er die eine oder andere handfeste Information verwerten.
Konrad, 05.07 2014, 21:01
Das duerfte - vorsichtig formuliert - nur die Spitze des Eisberges sein. Perfide ist, von Unternehmern Geld zu erpressen und damit die Bercea-Gang zu versorgen, damit diese gegen Basescu agiert. Auf der anderen Seite steht natuerlich die Frage an, was die drei Unternehmer wohl ausgefressen haben, damit sie in einem solchen Ausmass erpresst werden koennen.
Alexander, 05.07 2014, 11:42
Da hat sich wohl einer im Rudel zu viele Feinde geschaffen. Jetzt bekommt er eben scheinbar die volle Packung und wird aus dem Rudel mit heftigen Bissen vertrieben.
Hanns, 05.07 2014, 11:27
Hoffentlich wird dieser Verbrecher bald für immer weg gesperrt! Voiculescu ist nicht nur ein Krimineller sondern auch ein Volksverhetzer der übelsten Art!

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