Danubius – Neue Stadt in Siebenbürgen gegründet

Über 100 Kinder nahmen an der deutschsprachigen Kinderspielstadt „Danubius“ in Bekokten teil

Dienstag, 30. Juli 2013

Aufmerksam wird das Geschehen auf der Bühne mitverfolgt.

Die Stadt grenzte direkt an die Mauern der Kirchenburg.
Fotos:

Soviele Banküberfälle, Hochzeiten, Demonstrationen hat es in Bekokten/Bărcuţ si cherlich noch nie gegeben. Wenn überhaupt irgendwo. Eine Woche lang, vom 14.-21. Juli, steppte in dem kleinen Dorf zwischen Fogarasch und Schäßburg der Bär. Der Grund: die internationale Kinderspielstadt „Danubius“ in deutscher Sprache. Über 100 Kinder und 43 Mitarbeiter aus Rumänien und Serbien kamen dort zusammen, um ihre eigene Stadt zu gestalten. Organisiert wird diese vom Team des Jugendzentrums Seligstadt und der Evangelischen Kirche A.B. Fogarasch rund um die Kirchenburg in Bekokten. Mit großzügiger Unterstützung des Instituts für Auslandsbeziehungen, der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg, dem Bayrischen Zukunftsministerium, der Saxonia-Stiftung und vielen in Fogarasch angesiedelten Firmen konnte die Kinderspielstadt bereits zum zweiten Mal durchgeführt werden.

Eine Kinderspielstadt gibt Kindern einen Rahmen, sich selbst auszuprobieren und in die Welt der Erwachsenen einzutauchen. Es ist eine richtige Stadt: mit eigener Währung, Rathaus, Wahlen, Bankräubern, Arzt, sogar Kino und Freizeitpark. Miljana Kostic aus Serbien leitete die Polizeistation und hatte viel zu tun. „Es war mein Kindheitstraum, Polizistin zu werden. In ‚Danubius’ kann ich den Kindern auch etwas beibringen: zum Beispiel, was der Unterschied zwischen Korruption und Freikaufen ist, als wir einen der Bankräuber gegen Kaution freigelassen haben.“ Ob sie beim Bäcker Waffeln backen, als Feuerwehr Brände löschen, in der Schneiderei Taschen nähen, im Gemeindezentrum japanische Schriftzeichen lernen oder in der Arztpraxis einen Erste-Hilfe Kurs besuchen – im Spiel lernen die Kinder auch den sozialen Umgang miteinander. Konflikte bleiben dabei natürlich nicht aus – aber da helfen Mediatorin Antonia Marele-Frei und ihre jungen Mitarbeiter im Konfliktberatungsbüro weiter: Die Kinder lernen hier, auf friedliche Art gemeinsam ihre Konflikte beizulegen.

Neben der Arbeit in den Berufen, die sich die Kinder selbst aussuchen, wird es auch sonst nicht langweilig in der Stadt. An einem Nachmittag tönen Sprechchöre durch die alten Mauern: Über hundert Kinder und Erwachsene demonstrieren für die Abschaffung der Müllgebühr. Es ist eine Atmosphäre wie auf einer richtigen Demo, die sogar Erfolg hat: Das Rathaus gibt am Ende des Tages den Forderungen nach. Auch Staatsbesuch wird von der Bürgermeisterin von Danubius, der 10-jährigen Andra aus Fogarasch/Făgăraş, empfangen: Die deutsche Konsulin in Hermannstadt, Judith Urban, besichtigt die Kinderspielstadt und ist begeistert vom Konzept und der Umsetzung. Am Ende der Woche fällt es vielen Teilnehmern und Mitarbeitern schwer, wieder in die Realität zurückzukehren. Antonia Schwarzmeier vom Showteam, die die tägliche Bürgerversammlung organisierte, meint: „Es ist wie eine eigene Welt, man versinkt völlig im Spiel. Als ich am Sonntagabend Lei in meiner Tasche gefunden habe, habe ich mich einen Augenblick lang gefragt, was das eigentlich für eine Währung ist.“

Kommentare zu diesem Artikel

Wilhelm Jakob Hermann, 30.07 2013, 15:26
Mit Kindern eine neue Stadt in Siebenbürgen zu gründen und spielerisch Regeln des Miteinanders auszuhandeln und zu lernen - ist meiner Meinung nach zurecht eine Initiative die es verdient in höchsten Tönen gelobt zu werden. Einen riesiges Kompliment an die Organisatoren und die zahlreichen fleißigen Hände, die das ganze mitgestaltet haben, nicht zuletzt gebührt Dank denen , die das Ganze durch ihre Unterstützung möglich gemacht haben.
Ein Stadt spielerisch zu gründen darf man allerdings nicht zu oft wiederholen, spätestens nach dem dritten mal wird's "ernst" und das ist gut so :-).
Herzliche Grüße aus München
Wilhelm Jakob Hermann

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