Das 21. Jahrhundert im Nebelmeer

Ein Meisterwerk Caspar David Friedrichs in moderner Rezeption

Samstag, 01. August 2015

Philippe Ramette. Socles à reflexion, 2002

Jeder kennt ihn, den Rücken des Wanderers und sein Haar, seinen Stock auf einen Fels gestellt, in sicherem Stand schweift sein Blick über die Sächsische Schweiz, die von Nebelgeschwader verhüllt ist, und mit seinem Blick schweift der des Betrachters. Caspar David Friedrichs Ikone der Malerei „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ führte eine neue Figur in die Landschaftsmalerei ein und ist eines der meistrezipierten Gemälde der Romantik.

Dem um 1818 entstanden Werk widmet sich nun in Bukarest die Ausstellung „Der Wanderer“ im Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (MNAC) im Seitenflügel des Parlamentspalasts, veranstaltet in Kooperation mit dem Museum of the Image (MOTI) in Breda, Niederlande. Neben Videoinstallationen, Skulpturen und Fotografien erörtern die Kuratoren Geert van Eyck, Jan Schaerlackens und Reinout van den Bergh anhand von Artefakten aus der Popkultur wie Filmplakate, Musik- oder Werbevideos die Bedeutung und Umdeutung romantischer Sehnsuchtsfantasie in der Moderne. Die isolierte Rückenfigur ist dabei das maßgebliche Motiv, die die modernen Werke zitieren.

Wie offen die Interpretationen des Werkes sind, wird an der Vielfältigkeit der Referenzen deutlich: Ob Eskapismus und Sehnsucht auf einem Cliff Richard-CD-Cover, ob Lebensallegorie, ob als Abgrundserfahrung, einem Erhöhen des Individuums in einem Nike-Werbespot – all das findet Eingang in die Populärkultur und wird in der Ausstellung entlang des romantischen Programms kontextualisiert. Auch die Frage nach dem Scheitern der Ideale dieser Epoche durch die zunehmende Komplexität der Moderne wirft die Ausstellung auf, ebenso jene nach dem Bewusstsein für die Zitate der modernen Variationen – sind sie gewollt, unbewusst oder lediglich verwandt. Die Identifikation und Empathie mit der gezeigten Figur durch den geteilten Blick spielt dabei die entscheidende Rolle.

„Der Wanderer „ist noch bis zum 1. November (mittwochs bis sonntags, 10 bis 18 Uhr) in der zweiten Etage des Museums zu sehen.

Im MNAC laufen außerdem die Ausstellungen „Never alone“, eine Beschäftigung internationaler Künstler mit Immigration, „Let’s play architecure“, in der Schulkinder Idealstädte in Miniatur gebaut haben, eine Mircea-Suciu-Einzelaustellung und eine große Gruppenausstellung von Absolventen und Professoren der Nationalen Universität der Künste in Bukarest zu ihrem 150-jährigen Bestehen.

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