Das 500. Gedenkjahr der Reformation

Samstag, 07. Januar 2017

Am 31. Oktober 2016 wurde das 500. Gedenkjahr der Reformation eröffnet, das weltweit begangen wird. Es wird am 31. Oktober 2017 seinen Höhepunkt erreichen. Das Datum wurde gewählt, weil Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zur Frage der rechten Buße und des Ablasses in lateinischer Sprache veröffentlicht hatte. Philipp Melanchthon hat viel später erzählt, dass Luther Thesen an der Türe der Schlosskirche von Wittenberg angebracht habe. Diese Nachricht lässt sich nicht verifizieren. Sicher ist aber, dass er an diesem Tag die Thesen an den Erzbischof Albrecht von Mainz und Bischof von Magdeburg, sowie an einige seiner Freunde gesandt hat. Sie waren als Thema zum Nachdenken für den Erzbischof und als Grundlage einer ernsthaften wissenschaftlichen Diskussion gedacht, erhielten aber eine ganz neue Bedeutung, weil sie sehr rasch abgedruckt wurden und ein breites Publikum erreichten.

Der Anlass zu diesen Thesen war eine Verfügung (Ablassordnung) des Papstes Leo X., im Hinblick auf die Sammlung von Geldmitteln für den Bau der gewaltigen Peterskirche in Rom. Dieser Bau war als eine gute Sache im Dienste Gottes verstanden worden. Der Beitrag zu diesem Riesenprojekt wurde als Bußhandlung zur Sündenvergebung ausgelegt. Schon Jahrhunderte früher war eine Geldzahlung zu einem Kirchenbau als Bußhandlung verstanden worden. Und es gab auch mehrere Prediger, die diese Praxis der Kirche als unsachgemäß bezeichneten. Das Neue an dem Erlass des Papstes war, dass er den Geldbeitrag nicht nur für die Sünden der Lebenden, sondern auch für die der Verstorbenen als Grund der Vergebung durch den Priester erklärte. Menschen, die gedruckte Ablasszettel kauften, konnten zum Priester gehen und sich Sünden vergeben lassen, auch die Sünden für Verstorbene. Und die Priester mussten die Vergebung aussprechen, unabhängig davon, ob die Menschen Reue verspürten oder nicht. Dass diese Ablasspraxis im Volk Anklang fand, hat ihren Grund in dem wachsenden Sündenbewusstsein durch die Vertiefung des sittlichen Bewusstseins und in der Angst vor dem Fegefeuer, eine Angst, die sehr verbreitet war. Es kam die eingeprägte Sorge für das Schicksal der Verstorbenen hinzu, die heute noch erkennbar wird daran, dass beim Trinken von Wein oder auch Wasser ein Teil auf die Erde gegossen und von den Worten begleitet wird: „für die Toten“.

Martin Luther hatte bei der Überreichung seines Doktortitels und seiner Einsetzung zum Professor in Biblischer Theologie geschworen, die Bibel allein zur Grundlage seiner Lehre zu machen. Dieses Gelöbnis hatte zu jener Zeit noch eine erhöhte Bedeutung, weil der Humanismus „zurück zu den Quellen“ (ad fontes) als Losung ausgegeben hatte. Von den Ursprüngen her sollte die Tradition neu beurteilt werden. So begründete Luther in seinen 95 Thesen sein Verständnis der Buße von der Bibel her. Das Neue daran war, dass er aufgrund seiner Bibelkenntnis die Sündenvergebung an den Glauben band.

Er hatte im Römerbrief gelesen, dass „der Mensch ohne Verdienst aus Gottes Gnade gerecht wird durch die Erlösung, die in Christus geschehen ist“ (Röm 3,24). Und im Galaterbrief hatte er den Text gefunden, dass „wir gerecht werden aus Glauben ohne des Gesetzes Werke“ (Gal 2,16). Daraus ergab sich ihm mit aller Deutlichkeit die Einsicht, dass Sündenvergebung nicht aufgrund einer Zahlung von Geld erfolgen kann. Gerechtigkeit findet man durch den Glauben an Christi Erlösungswerk. Aus dieser Erkenntnis ergab sich ihm im Laufe der Zeit das vierfache Prinzip: die Schrift ist Grundlage allein, die Erlösung geschieht durch Christus allein, durch Gnade allein und wird dem Glauben allein zugesprochen (sola scriptura, solus Christus, sola gratia, sola fide).

Mit dem Hinweis auf die Schrift als letzten Urgrund allen kirchlichen Glaubens und Handelns hatte Luther die Autorität des Amtes des Papstes infrage gestellt. In vielen Disputationen wurde versucht, Luther zum Einlenken zu bewegen. Ihm wurde der Ausschluss aus der Kirche in einer Bulle des Papstes angedroht. Er gab nicht nach. Er berief sich immer letztlich auf die Schrift. Noch in seinem großen Auftreten vor dem Kaiser auf dem Reichtag zu Worms 1521, wo ihm die Reichsacht und damit die Todesstrafe drohte, hatte er gemeint, dass er nur widerrufen würde, wenn er durch die Schrift widerlegt würde. Er blieb fest.

Es kam nicht zum Vollzug der Todesstrafe, weil sein Kurfürst, Friedrich der Weise, das Dekret der Reichsacht in seinem Fürstentum nicht verlautbarte und ihn sicherheitshalber auf die Wartburg bei Eisenach bringen ließ, nicht ohne Luthers Einverständnis zuvor eingeholt zu haben. Dort auf der Wartburg übersetzte Luther in wenigen Wochen das Neue Testament in die deutsche Sprache, die es vor ihm in dieser Weise noch gar nicht gab. Er war ein Sprachgenie; er hatte den Leuten, wie er sagte, „aufs Maul gesehen“.

Mit Luthers „Nein“, das er mit den Worten ausgesprochen haben soll: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen“, kam es zur Spaltung der Kirche. Es wurde zwar auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 eine Einigung erzielt, das von Philipp Melanchthon verfasste „Augsburger Bekenntnis“ wurde angenommen.
 

Aber die Trennung war nicht mehr aufzuhalten. Sie erfolgte offiziell auf dem Konzil von Trient (1545-1563). Luther hatte die Kirche re-formieren, neu gestalten wollen. Es ließ sich zu jener Zeit nicht machen. Tatsächlich hat er sie gespalten. Die Glaubenskriege, die, beginnend mit den Bauernkriegen 1525, folgten, zeigen die Tragik dieser Entscheidung an. Es ließen sich keine Kompromisse auf dem Wege der Verhandlungen führen. Aber die Waffen klärten die Lage auch nur äußerlich.

Durch die Ereignisse der beiden Weltkriege und deren Folgen hat sich die Welt verändert. Die Probleme der Reformationszeit bestehen in dieser Form nicht mehr. Aber es gibt viel Unsicherheit und Angst unter uns, in anderer Weise als damals, und doch vergleichbar. Die vielen Angebote in den Geschäftsläden sind nur der äußerliche Niederschlag der tausendfachen Angebote an neuen Ausrichtungen und Möglichkeiten. Wir wissen nicht mehr, was richtig und was falsch ist. und darum ist auch unklar, was gut und böse ist. Die heute überall anzutreffende Korruption macht uns zu schaffen. „Korruption“ ist ein anderes Wort für „Sünde“. Sie ist da, wo Menschen das „Richtige“ im Geld, im Wohlstand suchen. Aber den Sinn des Lebens finden wir so nicht. Wir werden bloß immer unruhiger. Und da wir auch nicht mehr nach den Ursprüngen, sondern allenfalls nach dem Sinnvollen fragen, ist die Botschaft der Reformation neu zu formulieren. Sie kann in Anlehnung an Jesusworte so ausgesprochen werden: Selig bist du, wenn du unsicher geworden bist in dieser Welt. Gott hat dich als sein Kind angenommen. Wenn du dir das sagen lässt, hast du den Sinn deines Lebens gefunden.

 

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1517 - 2017 Jubiläum - 500 Jahre Reformation
 

-27.-29. Januar - Hermannstadt - Östlichste Station des Europäischen Stationenwegs –28. Januar. Hauptveranstaltungstag.

-1. Februar - Kronstadt - Pressekonferenz der Bischöfe aller protestantischen Kirchen in Rumänien zum Reformationsjubiläum.

-14. Mai - Krakau (Polen) - Dritte Apfelbäumchenstation - Symposion zum reformatorischen Thema „Sprache heute“.

-25.-28. Mai – Berlin-Wittenberg (Deutschland) - Vierte Apfelbäumchenstation beim Deutschen Evangelischen Kirchentag zum reformatorischen Thema „Kirche und Kontext“.

-3.-5. Juni - Dinkelsbühl (Deutschland) - EKR Mitausrichter des Heimattages der Siebenbürger Sachsen mit Schwerpunkt Reformation.

-4.-6. August – Hermannstadt – Weltweites Sachsentreffen ”In der Welt zuhause, in Siebenbürgen daheim” – mit Reformationsgottesdienst.

-11. August - Mediasch - 750 Jahre Mediasch mit Fünfter Apfelbäumchenstation zum reformatorischen Thema „Gemeinschaft: Von der Nachbarschaft zum Netzwerk“.

-25. September - Karpfen/ Krupina (Slowakei) – Sechste Apfelbäumchenstation mit Symposion „Ideologie im 21. Jahrhundert“.

-29. September - Klausenburg - Siebente Apfelbäumchenstation mit Studentenseminar zum reformatorischen Thema „Freiheit“.

-29. September - 1.Oktober - Kronstadt – Unser Kirchentag zum reformatorischen Thema „Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien“ - 30. September Hauptveranstaltungstag mit Achter Apfelbäumchenstation.

-3. Oktober - Wien (Österreich) – Neunte Apfelbäumchensta-tion mit Symposion zum reformatorischen Thema „Bildung“.

-4. Oktober - Augsburg (Deutschland) – Zehnte Apfelbäumchenstation mit Symposion zum reformatorischen Thema „Wahrheit und Wahrheiten“.

-29., 31. Oktober, 5. November – Reformationsgottesdienste mit Festlichkeiten in den Gemeinden der EKR.

Zu all diesen Festveranstaltungen lädt die EKR herzlich ein.

Aktuelle Infos sind jeweils unter www.evang.ro zu finden.

Das Programm in Kronstadt ist laut dem Gemeindebrief „Lebensräume” der Honterusgemeinde folgendes:

-Abend der Begegnung (29.09.2017), Evangelisch Lutherische Kirche Kronstadt: 19 Uhr Eröffnung; 20 Uhr Abend der Begegnung; 21.30 Uhr Abendandacht.

-Schwarze Kirche, Honterusschule und Hof (30. September 2017). Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien: 9 Uhr Bibelarbeiten, 10.30 Uhr Gottesdienst „Die vier Zeiten”, 14 Uhr Workshops, 16.30 Uhr Podiumsgespräch „Evangelisch mit Herzen, Mund und Händen”, 19.30 Uhr „Messe von Kronstadt”.

-„Gehet hin in alle Welt!” (1. Oktober 2017), Burzenland: 9.45 Uhr Glockenläuten in allen Kirchen, 10 Uhr, Gottesdienst mit Gästen in 15 evangelischen und 4 lutherischen Kirchen, 11 Uhr lokale Feiern.

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