Das Banat im Faschingsfieber

Groß und Klein waren beim Narrentreiben dabei

Mittwoch, 01. März 2017

Hexen, Zwerge und die Christel von der Post: Im AMG-Haus ging es am Samstag lustig zu.

Die Busiascher Tanzgruppe: Die Jungs waren in der Tracht der Banater Schwäbinnen angezogen, die Mädchen hatten diesmal auf die langen Haare verzichtet, sie hochgesteckt und Hosen angezogen. Denn so ist es beim Fasching.

Feiern auf Deutsch stand in Großsanktnikolaus auf dem Programm. Die Kinder und Unterrichtenden hatten allesamt ihren Spaß.

Das größte Faschingstreiben des Banats war in diesem Jahr in Warjasch angesetzt.
Fotos: Zoltán Pàzmány, Adrian Ardelean

Fasching stand am vergangenen Wochenende in mehreren Banater Ortschaften auf dem Programm. Gefeiert wurde unter anderem in Temeswar, Busiasch, Warjasch und Großsanktnikolaus. Mit dem heutigen Aschermittwoch hat die Faschingszeit vor Ostern begonnen. Wie die „lustige fünfte Jahreszeit” in Westrumänien gestaltet wurde, erfahren Sie aus folgendem Bericht von Raluca Nelepcu, Stefana Ciortea-Neamţiu und Adrian Ardelean.


Viel Spaß und gute Laune war am Wochenende im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus angesagt. Hier feierten die Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar ihr traditionelles Faschingsfest. Die etwa 30 Mitglieder des Chors „Temeswarer Liederkranz” und der Tanzgruppe „Bunter Herbstreigen” hatten sich schon seit ein paar Wochen auf das Fest im Karl-Singer-Saal vorbereitet. Unter der Anleitung von Luise Finta, der Leiterin beider Kulturgruppen, bereiteten sie ein buntes Programm für die Zuschauer vor.

„Mit lautem Narrenruf ´Hellau´ begrüße ich Sie zum Letztfaschingsfest. Als Fasching bezeichnet man die Zeit zwischen Dreikönig und Aschermittwoch. Musik, Tanz, Fröhlichkeit, Schabernack und Verkleiden bestimmen den Fasching. Vor allem an Letztfasching ging es in den Banater Ortschaften lustig zu. Da wurde an allen drei Tagen ausgiebig getanzt und ausgelassen gefeiert“, sagte die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar, Helen Alba. Zu Wort kam Volksuni-Leiterin Alexandrina Paul, die als Christel von der Post mit lustigen Versen die Einführung in das Kulturprogramm gestaltete.

Danach ging das eigentliche Feiern los: Die Masken marschierten durch den Saal, zum Genuss des Publikums. Mit dabei waren Zwerge, Jäger, Hexen, Prinzessinnen,Cowboys und andere Gestalten. Kein Gesicht blieb ernst, als die Hexe mit ihrem Besen durch den Saal tanzte und für Unfug sorgte. „Die Hexe ist immer gut aufgelegt und für einen Schabernack bereit. Sie verzaubert die Faschingsgäste, damit sie gut werden, damit sie lächeln und die gute Laune nach Hause tragen”, sagte Marianne Wolf, die in das Hexenkostüm geschlüpft war. 

Das lustige Programm im Temeswarer AMG-Haus hatte Luise Finta zusammengestellt. Zusammen mit ihrer Tochter, die ebenfalls in den beiden Kulturgruppen mitmacht, suchte sie nach Karnevalsliedern im Internet. Die Senioren sangen und tanzten zur lustigen Musik, die Luise Finta für diesen Anlass ausgewählt hatte. „Das Problem ist ein einziges: Es muss dir gefallen und dann kann es den anderen eventuell auch gefallen”, sagte sie lächelnd. 

Zu den älteren Damen und Herren, die das Faschingsprogramm gestalteten, gesellte sich in diesem Jahr auch die 19-jährige Johanna Büchele, die als Zwerg verkleidet war. „Ich fand es sehr schön, mit den älteren Damen und Herren mitzufeiern. Es ist definitiv eine andere Art von Spaß, aber ich fand es sehr lustig heute”, sagte Johanna, die ihr „freiwilliges soziales Jahr” in Rumänien verbringt.

Ihre gute Laune war nahezu ansteckend: Die Senioren des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar bewiesen erneut, dass man im Herzen für immer jung bleiben kann. Hauptsache, man vergisst nicht, das Leben in vollen Zügen zu genießen. 

Rekordzahl beim Fasching in Busiasch

Radu (4) trägt stolz sein Indianerhäuptlingskostüm und hält seine große Schwester an der Hand. Er kommt aus Temeswar, die Familie seines Vaters stammt aber aus Busiasch und so kommt es, dass Radu bereits im Vorjahr beim Fasching in der Temescher Kleinstadt dabei war.

„Nach 1990 haben wir uns entschlossen, die Tradition weiterzuführen, heuer ist es bereits zum 27. Mal, dass wir den Fasching organisieren. Heute ist ein Wunder geschehen, es sind 340 Menschen zusammengekommen! Es wird wunderschön heute, wenn die Leute ein bisschen Lust mitbringen“, hat der Ortsforumsvorsitzende Josef Kanton vor Beginn des Aufmarschs der Masken der BZ gegenüber gesagt. Die faschingsfreudigen Menschen haben Kostüme angelegt, sich schick gemacht und im „Hotel Parc“ eingefunden. An der Wand im Restaurant hängt noch die Silvesterbotschaft „Ein glückliches neues Jahr!“, das neue Jahr hat eigentlich seit noch nicht so langer Zeit angefangen, der Fasching ist das erste größte Ereignis nach Neujahr. Viele Kinder und Jugendliche sind dabei, aber auch einige Erwachsene tragen Masken und Kostüme. Es sind Prinzessinnen und Indianer, es sind kleine Ritter und auch eine Fee ist dabei. Hier wird noch bis spät in die Nacht getanzt. Ein DJ legt den ersten Walzer auf und gute Laune haben alle mitgebracht.

„Es sind Kinder dabei, die auch bei der Kirchweih mitmachen, aber auch andere. Sie werden schön aufmarschieren. Ein Tanz wird aufgeführt. Wir möchten, dass sich die vielen Gäste gut unterhalten. In dieser Größe war der Fasching noch nicht in Busiasch. Wir sind wirtschaftlich ein wenig schwach geblieben, aber die Stadtverwaltung und der Bürgermeister haben sich eingebunden und wir wollen diesen Ball zu einer Marke der Stadt machen, so wie das auch die Kirchweih ist – ein Fest der Kirche, aber auch der Stadt. Die Veranstalter sind das Bürgermeisteramt, das Deutsche Forum unterstützt vom Unternehmen Kurbad Busiasch, das uns den Saal und das Essen zur Verfügung gestellt hat. Das Kulturhaus hat mit der Musik geholfen. Alle, die mitmachen, haben sich gut darauf vorbereitet, vor allem die Mütter der Kinder hatten viel mit den Kostümen zu tun gehabt“, weiß Josef Kanton.

In Busiasch steht der Fasching auf der Kulturagenda der Stadt. Bürgermeister Sorin Munteanu ist Unterstützer und Organisator und an dem Abend dabei: „Eine Stadt, die noch dazu ein Kurort ist, kann ohne Veranstaltungen nicht existieren. In diesem Sinne haben wir auch die Kulturagenda entwickelt. Die Eventsaison haben wir mit diesem Fasching eröffnet. Die Bewohner sollen daran ihre Freude haben, aber die Veranstaltung soll zu den etablierten Veranstaltungen der Stadt gehören, so dass sie auch den Touristen angeboten wird, die in Busiasch nicht nur die Mineralwasserquellen, sondern auch solche Feste ausprobieren werden. Den Ausmaß von heute hat diese Veranstaltung noch nicht gehabt“.

Die Rekordzahl war wohl wichtig, aber der Spaß, den die Teilnehmer hatten, war ganz bestimmt noch bedeutender im Temescher Kurort Busiasch.

Fasching statt klassischem Unterricht in Großsanktnikolaus

Zu den meist erwarteten Ereignissen in Großsanktnikolaus gehört das traditionelle Faschingsfest, das jedes Jahr veranstaltet wird. Dieses wird hier auf einer ganz besonderen Art und Weise gefeiert, denn es bezieht die Schülerinnen und Schüler der deutschen Abteilung an der Nestor-Oprean-Allgemeinschule mit ein. Der gesamte Unterricht findet an jenem Tag fächerübergreifend statt und ist auf Fasching ausgerichtet, anschließend gibt es Tänze und Spiele für die Klassen 5-8 im benachbarten Kindergartengebäude.

Am Freitag stand also auch in der Temescher Kleinstadt Fasching auf dem Programm, zur Freude aller Beteiligten.  „Wir haben die Faschingsveranstaltungen an die neuen Gegebenheiten angepasst. Wenn früher die jungen Erwachsenen Fasching gefeiert haben, so feiern wir das Fest heute vorwiegend mit Kindern, Schülern und Jugendlichen organisiert“, sagte die Forumsvorsitzende in Großsanktnikolaus, Deutschlehrerin Dietlinde Huhn. Erzieherische Aspekte spielen eine wichtige Rolle bei dem Faschingsfest in Großsanktnikolaus, denn schließlich wurde das Thema im deutschsprachigen Unterricht behandelt. Eine finanzielle Unterstützung vom Deutschen Forum gab es in diesem Jahr auch.  „Die Kinder haben selbst ihre Masken gebastelt – diese waren in der Schule ausgestellt“, sagte Dietlinde Huhn.

Dass die Schülerinnen und Schüler das Fest wirklich genießen, das wurde am Nachmittag klar: Die Gymnasialklassen versammelten sich im Gebäude gegenüber der Schule, wo sie – verschiedene Masken tragend – Spaß hatten. Die beiden Geschwister Benny und Flavius kamen als Robin Hood bzw. Terrorist verkleidet, Alexandra war der Joker, David schlüpfte in ein Magier-Kostüm und die Zwillinge Armin und Dieter kamen als englischer Richter bzw. Zauberer zum Narrentreiben in Großsanktnikolaus. „Für die Schüler ist es eine gute Gelegenheit, sich besser kennenzulernen“, sagte Dietlinde Huhn. „Es ist sehr lustig und es macht uns viel Spaß. Die Kleinen sind sehr neugierig und wollen immer alles von uns wissen. Wir sind natürlich offen ihnen gegenüber“, sagte Armin aus der achten Klasse, der ab kommendem Jahr die Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar besuchen wird.

Das Spiel- und Tanzprogramm moderierten Deutschlehrer Andreas Kappel und Grundschullehrerin Ramona Roosz-Suba. „Fasching ist ein Fest, das wir seit Jahren in Großsanktnikolaus feiern. Schon im Januar, nach Schulbeginn, fragen die Schüler, wann wieder Fasching auf dem Programm steht“, sagte Ramona Roosz-Suba, die Leiterin der deutschen Abteilung an der Schule in Großsanktnikolaus.

Dass es den Schülern Spaß machte, war nicht zu übersehen. Ganz deutlich wurde aber auch der Mehrwert des Faschingsfestes, denn die Kinder und Jugendlichen unterhielten sich während des gesamten Programms ausschließlich auf Deutsch.

Fasching wie früher in Warjasch

Fasching so wie früher. Das wollten die deutschen Jugendtanzgruppen aus dem Banat vor drei Jahren noch einmal erleben und veranstalteten das traditionelle Fest in der Temescher Gemeinde Warjasch. Die zahlreichen Teilnehmer und der Erfolg der ersten Auflage führten zur Wiederholung der Veranstaltung auch in den nachfolgenden Jahren. In diesem Jahr waren ungefähr 300 Gäste aus Deutschland und aus Rumänien  dabei.

Um Mittag ging es diesmal auf den Straßen von Warjasch los. Allem voran fuhr ein von einem Pferd gezogenes Mechanismus, darauf standen zwei Strohpuppen in natürlicher Menschengröße. Das waren  Hänsel und Gretel, die sich im Fortbewegen im Tanz drehten. Es folgte eine weitere Pferdekutsche mit Live-Musik und den lebendigen Hänsel und Gretel, ein Burschenpaar, das die beiden Märchengestalten wiedergab. Es geht dabei um die alte banatschwäbische Faschingstradition des Hänsel-und Gretel-Spiels. Diesen beiden Pferdewagen folgten mehrere Traktoren mit Anhänger, worin alle Narren tobten und die Schaulustigen mit Bonbons und Konfetti bewarfen.

Um den Jugendlichen von heute gerecht zu werden, nahmen die Veranstalter auch die neuen technologischen Errungenschaften in Kauf: der Leiter der Umzugs, der Banater Choreograf Hansi Müller, stand in einem alten Wagen mit Audioanlage und sprach ins Mikrofon, neben ihm legte ein DJ lustige Faschingsmusik auf. Der Umzug fuhr durch die Gemeinde und machte bei den Häusern der Familien Halt, die die Narren mit Speisen und Getränken empfingen.

Nach mehreren Aufenthalten im Dorf kam der Maskenumzug schließlich wieder vor dem Kulturhaus an. Auf die Narren warteten ebenda bereits ein paar Menschen - einige davon hatten eine lange Reise in Kauf genommen, um dabei zu sein.

Die wenigen noch hier gebliebenen Deutschen halten fest zusammen. Sie gründeten vor einigen Monaten wieder ein deutsches Ortsforum in Warjasch. Vorsitzende ist Monica Lazea, die Mitveranstalterin des Faschingsfestes. „Die Stimmung ist sehr gut. Ich freue mich, dass die Leute mitmachen – nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen“, sagte Monica Lazea.

Der Faschingsball startete mit einem Krapfenaufmarsch. Die Krapfen spendete die Oma Hedwig Dohinca. In drei Krapfen waren Münzen versteckt. Die Gewinner wurden auf die Bühne gebeten und erfuhren, dass sie traditionsgemäß eine Getränkerunde an alle Teilnehmer spenden müssten. Sie konnten sich aber freikaufen, indem sie eine Strafe erhielten: sie mussten den Popo-Tango tanzen. Als nächstes trugen die Lustigen Lenauschüler aus Temeswar ihren Piratentanz vor.

Die traditionelle Musik kam auch zur Geltung: Die deutschen Tanzgruppen aus dem Banat stellten zwei Gemeinschaftstänze vor, die sie für die Heimattage der Banater Deutschen in diesem Sommer vorbereiten.

Es folgten die Auftritte der Warjascher Spatzen: Währen die Mädchen Choreografien auf Latino-Musik tanzten, boten die Jungs zwei Momente dar: die Glocken von Rom, wobei sie mit Suppenlöffeln auf an Hüften befestigten Schüsseln schlugen, und den Tanz der Omas aus dem Altenheim.

Die Überraschung des Abends kam von den Eltern der Warjascher Spatzen. Ihre volle Unterstützung für die Tätigkeiten ihrer Kinder stellten sie unter Beweis, indem sie eine eigene Choreografie zum El-Taxi-Lied als Schneewittchen und die ... rund 20 Zwerge vorbereiteten. Der Ball wurde mit Tanz für alle bis Sonntag in der Früh  fortgesetzt.

 

 

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