Das Banater Bergland im Rentenspiegel

Statistik der Rentenversicherungskasse Karasch-Severin gibt Sozialbild des Banater Berglands heute wieder

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Ab und an veröffentlicht die Rentenversicherungskasse Karasch-Severin Statistiken, die es in sich haben. Jüngst kam von dort eine ziemlich akribisch ausgearbeitete Übersicht über die Bürger, die im Banater Bergland Renten beziehen. Daraus geht erst mal hervor, dass im Banater Bergland fast 80.000 Rentner (genauer: Ende August 2017 waren es 79.731) leben, gegenüber etwa rund 50.000 erwerbsmäßig Tätigen. Die Zahl umfasst sowohl die Bezieher von Renten aus der staatlichen Rentenversicherung, als auch von Sonderrenten und Renten aus früheren landwirtschaftlichen Tätigkeiten.

Derselben Statistik zufolge gab es am 31. August dieses Jahres im Banater Bergland 51.565 Rentner, die durch Erreichung der Altersgrenze für die Rente pensioniert wurden. Ihre durchschnittliche Rente lag bei 1230 Lei, schreibt die Rentenkasse. Einfache vorzeitige Renten bezogen 224 Personen, vorgezogene Renten mit Abzügen („Teilrenten“) haben 1090 Personen bezogen. Sobald diese das Mindestalter für eine reguläre Rente erreichen, werden sie die ihnen zustehende Vollrente erhalten. Durchschnittlich beziehen die 1314 Frührentner des Banater Berglands eine Rente von 867 Lei.

Kranken- oder Invalidenrenten bezogen im Banater Bergland Ende August 2017 9202 Personen, trotz aller nachträglichen Überprüfungsaktionen der Papiere, die der Schmiergelddoktor der Rentenkasse, der dafür sogar eine Gefängnisstrafe absitzende Dr. Sebastian Telbis (ADZ berichtete wiederholt) aufgrund eines Handgelds oder auch von Geschenken ausgefolgt hatte. Inwiefern die hohe Zahl der Kranken- und Invalidenrenten real etwas mit der jahrzehntelangen Hauptaktivität der Bevölkerung in der kommunistischen Schwerindustrie und im Bergbau des Banater Berglands zu tun hat, darüber gibt es Vermutungen, aber keine wissenschaftliche Studie. Die durchschnittliche Kranken- und Invalidenrente liegt bei 723 Lei/Monat, also weit weniger als 200 Euro. 825 Personen sind als Invalidenrentner Ersten Grades eingestuft, 3730 sind Invalidenrentner zweiten Grades, 4647 Personen beziehen Renten für Invaliditätsgrad III.

Eine weitere umfangreiche Rentnergruppe sind die Witwen und Witwer sowie die Bezieher von Nachkommenrenten. Sie umfasst 10.974 Personen. Ihre Durchschnittsrente liegt bei 598 Lei/Monat. Darunter, mit um die (umgerechnet) 100 Euro monatlich, liegt die Rente der ehemaligen LPG-Arbeiterinnen und -Arbeiter, der Bauernschaft des Kommunismus. 1847 Personen beziehen eine solche Rente im Banater Bergland, das kein ausdrücklich landwirtschaftlich geprägtes Gebiet ist.

Neben den Aufgezählten gibt es im Banater Bergland eine große Zahl der Bezieher von Sonderrenten: 6981. Das sind in erster Linie die Nutznießer des Sonderrentengesetzes 49/1999 (das „I.O.V.R-Gesetz“), also Kriegsinvalide und -verletzte, Nachkommen der Gefallenen oder Vermissten, die Nachkommen ehemals Pensionen beziehender Kriegsinvaliden oder -verletzter, Kriegswitwen, Kinder von Gefallenen oder im Krieg Vermisster sowie Kinder und Witwen von IOVR-Rentnern. Im Banater Bergland leben noch 29 Kriegsinvalide und -verletzte sowie vier Nachkommen derselben, die eine Rente beziehen. 389 Personen bekommen eine rentenähnliche Ausgleichszulage, die den „Helden-Märtyrern und deren Nachkommen“ zusteht, die im Dezember 1989 für den Sieg der Revolution in Rumänien gekämpft haben (Gesetz 341/2004).

Im Banater Bergland leben noch 1128 Personen, die im kommunistischen Regime, ab dem 6. März 1945, aus politischen Gründen verfolgt und gedemütigt wurden oder die aus ethnischen oder politischen Gründen deportiert wurden, einschließlich ins Ausland (z. B. Russland- oder Bărăgandeportierte), oder die politische Häftlinge waren, einschließlich deren Witwen/Witwer und ihre Nachkommen. Weitere 390 Ausgleichszulagen werden an 390 Bürger ausgezahlt, die von den politischen Regimes, die ab dem 6. September 1940 bis zum 6. März 1945 in Rumänien herrschten, aus ethnischen Gründen (Deutsche und Juden) verfolgt wurden, sowie an die diese überlebende Ehehälfte. 1818 Personen beziehen Ausgleichszulagen, weil sie aus diversen – politischen oder ethnischen – Gründen als Arbeitssoldaten (in Arbeitsbrigaden, „detaşamente de muncă“) zwischen 1950-1961 im Rahmen der Generaldirektion des Arbeitsdienstes (DGSM) dienen mussten (wir erinnern daran, dass inzwischen auch Deutschland den aus ethnischen Gründen zum soldatischen Arbeitsdienst Gezwungenen eine einmalige Ausgleichszahlung von 2500 Euro zuerkennt. Letzter Termin für die Hinterlegung der Anträge und Dokumentationen ist der 31. Dezember 2017.). Ausgleichszulagen werden in Rumänien monatlich auch dem überlebenden Ehepartner solcher ehemaliger Arbeitssoldaten ausgezahlt. Das ist in Gesetz 309/2002 vorgesehen.

Nicht zuletzt leben im Banater Bergland 3064 Personen, die eine monatliche finanzielle Hilfe ausgezahlt bekommen, wenn sie der überlebende Lebenspartner von jemand sind, der/die als Rentner verstorben ist (Gesetz 578/2004 – „Geldhilfegesetz“).

Die höchsten Renten beziehen im Banater Bergland die 81 Richter und Staatsanwälte, die eine „Dienstrente“ bekommen (für die sie nie etwas einzahlen mussten...). Vier Ex-Parlamentarier leben als Rentner im Banater Bergland, aber auch 74 Künstler, die als Mitglieder der Schaffensverbände der Künstler Rumäniens Renten beziehen. 2058 Personen beziehen neben der Rente von der staatlichen Versicherung auch Renten aufgrund von Sonderregelungen („Sonderrenten“).

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