Das Burzenland als Wiege des Baumstriezels (II)

Sonntag, 25. September 2016

Wichtig ist das richtige Zuckern des Baumstriezels.

Gebacken wurde mit Grillkohle beheizten Geräten, der Baum (die Holzwalze) wurde von Hand gedreht. Etwa 1982 ersetzte Guido Franz aus Nördlingen die Kohleheizung mit Gasheizung. Da aber Propan einen geringeren Heizwert hat als Kohle, musste die Wanne mit zwei Klappen geschlossen werden, um einen Hitzestau zu produzieren. Dieses wiederum behinderte die Sicht auf das Backgut. Mit diesem Gerät war der erste Schritt zur Modernisierung getan.

Ab 1988 begann Reinhard Tittes aus Waldkraiburg zu basteln und zu experimentieren. Sein Konzept war, ein Gerät zu bauen, mit dem man bei Großveranstaltungen produktiv backen kann. Sein erstes Gerät war gasbeheizt mit zwei Holzwalzen zum Simultanbacken. Das erste Mal wurde das Drehen mittels umlaufenden Riemens mechanisiert. Danach hat Reinhard dieses Gerät noch vervollständigt und auf vier übereinander drehende Einheiten erweitert. Dazu kamen noch die Hilfseinrichtungen wie Abstellhalterungen, Drehvorrichtungen zum Schmieren usw. Er baute auch ein leicht auf- und abbaubares Häuschen, gut geeignet zum Backen auf Straßenfesten, Weihnachtsmärkten oder bei anderen Großveranstaltungen.

Reinhard Tittes war ein Spezialist in Holzarbeiten. Blech-Schweiß- und Dreharbeiten für seine Konstruktionen verrichtete Hans Depner (Stuka), ebenfalls aus Waldkraiburg.
Hans Depner bastelte schon etwa 1960 einen Blechkasten, bestückt mit Elektro-Heizspirale und zwei kleinen Holzwalzen für den häuslichen Gebrauch. In Waldkraiburg hat er gasbeheizte Anlagen mit zwei bis fünf waagerechten Einheiten gebaut und immer wieder verbessert und perfektioniert. Inzwischen hatten die Frauen auch herausgefunden, dass der Zucker durch Rollen des auf die Holzwalze aufgetragenen und eingefetteten Teiges aufgetragen werden kann. Einfetten und Auftragen des Zuckers über der Flamme wäre bei diesen Geräten aus Platzmangel nicht möglich gewesen.

Dank dieser beiden Heldsdörfer ist der Baumstriezel vom Waldkraiburger Christkindlesmarkt nicht mehr wegzudenken. Unter der Regie von Herbert Liess mit spezialisierten Helferinnen und Helfern wird dort jedes Jahr Baumstriezel gebacken. Beide haben Geräte an die Kreisgruppe Heilbronn des Verbandes der Siebenbürger Sachsen geliefert, die dort bei den Veranstaltungen intensiv genutzt werden. Dort wurde schon Baumstriezel von 300 kg Teig gebacken und es war doch nicht ausreichend.

Einen andern Weg beschritt Martin Götz-Lurtz. Sein Konzept war ein kompaktes, handliches Gerät für den Familiengebrauch zu bauen, mit dem in jeder Küche gebacken werden kann, wo kein Platz für obige Geräte und die Hilfseinrichtungen wäre.

In den 1960er Jahren wurde Deutschland von der „Wienerwald-Welle“ überrollt, d.h. gebratene Hähnchen wurden für den Massenverzehr entdeckt. Diesem Modetrend entsprechend reagierte die Industrie sofort. Alle namhaften Hersteller von elektrischen Küchengeräten produzierten Hähnchengrills, in denen meist zwei Hähnchen simultan -gebraten werden konnten. Fast jeder Haushalt verfügte damals über so eine Vorrichtung. Das Braten der Hähnchen hatte sich mit der Zeit gewandelt zu Großanlagen, die meist als Fahrzeugaufbauten oder Anhänger mobil sind. Die vorhandenen Kleingeräte wurden nicht mehr genutzt und wanderten zunächst in den Abstellraum. Dadurch entfiel auch das lästige Reinigen dieser Geräte nach deren Verwendung. Nachdem nun keine Nachfrage mehr bestand, stellte auch die Industrie ihre Produktion ein.

Diese Grillvorrichtungen waren die Basis für die von Martin Götz-Lurtz entwickelten Baumstriezelmaschinen. Solche Hähnchengrills wurden nur noch als gebrauchte Geräte auf Floh- und Trödelmärkten angeboten. Diese ausschließlich zum Grillen von Hähnchen hergestellten Geräte wurden inzwischen weiter entwickelt und der Handel bietet sie heute als Kombi-Geräte an, mit denen auch Pizza und anderes Gebäck gebacken werden kann, oft auch kombiniert mit Mikrowelle.

Diese Geräte müssen aber technisch umgebaut werden. Nachdem die ersten Geräte erprobt und funktionsfähig waren, hat Martin Götz-Lurtz diese immer weiter entwickelt und perfektioniert.

Einige der wichtigsten technischen Umbauten:

-Der Grill muss für die Aufnahme der Holzwalze anstelle des Spießes, auf dem die Hähnchen befestigt wurden, umgerüstet werden.
-Die eingebauten Heizstäbe müssen parallel zum Backgut verlaufen, was durch sorgfältiges Biegen und Befestigen erreicht werden kann.
-Die Hähnchengrills haben alle eine Glastür, durch die das Backen der Hähnchen beobachtet werden kann. Diese Glastüren einiger Hersteller haben oben einen freien Spalt. Dieser muss verschlossen werden, um das Entweichen der Hitze zu unterbinden.

(Fortsetzung folgt)

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