Das Burzenland – ein sagenhaftes Land

Geschichte und Legenden im Dienste des Fremdenverkehrs

Sonntag, 14. April 2013

Das Projekt „Burzenländer Sagen“ wurde auf der Kronstädter Tourismusmesse des Vorjahres vorgestellt.

Handwerk und Folklore waren bei den Gemeindetagen vertreten, wo Werbung für das AMB-Projekt gemacht wurde.

In den traditionellen Kochrezepten bleibt Maismehl eine der wichtigen Zutaten.

Sagengestalten heißen Touristen im Burzenland (das „Kleine Transsilvanien“) willkommen.
Fotos: Ralf Sudrigian

Es hat ein eigenes Wappen: eine silberne Lilie und zwei goldene sechsstrahlige Sterne auf blauem Hintergrund. Das stört aber niemanden, denn dieses „Land“ kämpft nicht um seine territoriale Autonomie. Im Gegenteil: Es will von möglichst vielen Touristen aus aller Welt „besetzt“ werden.

Das Burzenland ist bei der Kronstädter Metropol-Agentur (AMB) etwas größer geworden, als es die Historiker oder die Siebenbürger Sachsen kennen. Hinzu gekommen – aus Erwägungen, die wohl mit  den Finanzierungskriterien über EU-Fonds zusammenhängen, aber auch aus touristischen Überlegungen - sind zwei Städte (Săcele und Predeal) sowie die Gemeinde Tărlungeni. Zum Burzenland „das Land der Sagen“ so wie es AMB in seinem Tourismus-Projekt vermarktet, gehören: Kronstadt/Braşov, Petersberg/Sânpetru, Honigberg/Hărman, Zeiden/Codlea, Rosenau/Râşnov, Neustadt/Cristian, Wolkendorf/Vulcan, Weidenbach/Ghimbav, Hălchiu/Heldsdorf, Krebsbach/Crizbav, Brenndorf/Bod und die drei bereits erwähnten „Neu-Burzenländer“ Ortschaften. Nicht direkt dabei, aber in einigen Rundwegen aufgenommen sind Marienburg/Feldioara und Nussbach/Măieruş. Es fehlt auch die Törzburg/Bran – wahrscheinlich weil man dort seine Touristen nicht mit anderen Sehenswürdigkeiten zu „teilen“  braucht oder möchte. Zu stark dominiert die als „Dracula-Schloss“ promovierte Burg.

Die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen (zwei von ihnen, Tartlau und Honigberg, sind die Top-Destinationen unter ihnen) stehen auch im Mittelpunkt eines anderen, bisher leider im Projektstadium gebliebenen Vorhabens, das der Verein zur Förderung und Entwicklung des Tourismus im Kreis Kronstadt (APDT) durch seinen Direktor Christian Macedonschi vorstellte: Rundfahrten mit Kleinbussen zu den bekanntesten Orten des Burzenlandes, wobei die Fahrgäste dort ein- und aussteigen, wo sie es wünschen („Hip and Hop“).

Vorschläge für thematische Wege

Vorgeschlagen werden bei AMB mehrere Rundwege zu verschiedenen Themen, die in Verbindung zur Geschichte und zur Landschaft des Burzenlandes stehen, wobei erneut die Sagenwelt ausschlaggebend war. Diese Routen sind folgende:

Die Schätze des Burzenlandes: Törzburg – Rosenau – Heldsdorf – Crizbav. Es geht um Schätze, die schon zu Dakerzeiten und später im Mittelalter vergraben worden sein sollen. Aus Marketinggründen heißt es in den AMB-Werbepublikationen, dass Archäologen und Goldgräber auch hie und da fündig wurden. Das Burzenland als Eldorado ist aber doch eine zu dick aufgetragene Werbung.

Die Hauptstädte des Burzenlandes: Marienburg – Zeiden – Kronstadt. Diesmal ist man der Geschichte etwas näher geblieben, denn bevor Kronstadt dank der Handelswege sich durchsetzen konnte, waren Marienburg als erste Siedlung der Deutschen Ritter, aber auch Zeiden für kurze Zeit Kronstadts Konkurrenten um die Vormachtstellung im Burzenland.

Die Wurzeln des Burzenlandes: Kronstadt – Neustadt – Rosenau – Wolkendorf – Zeiden – Weidenbach – Heldsdorf – Brenndorf – Petersberg – Honigberg – Tartlau – Rothbach – Marienburg – Nussbach – Kronstadt. Das Kronstädter Wappen, die Krone auf dem Baumstumpf mit den 13 Wurzeln, erklärt diesen Rundweg: die Stadt (die Krone) ist eng verbunden mit den Burzenländer Gemeinden (die Wurzeln).

Die König-Sigismund-Route: Kronstadt – Schulerau/Poiana Braşov – Rosenau – Neustadt – Wolkendorf. König Sigismund von Luxemburg weilte tatsächlich zwischen Dezember 1426 und Juli 1427 in Kronstadt und Umgebung und stellte dabei auch Privilegien für Kronstadt und manche andere Burzenländer Gemeinden aus.

Der Tatarenweg: Vama Buzăului – Tartlau – Kronstadt – Weidenbach – Zeiden – Fogarasch/Făgăraş. Dieser Weg berücksichtigt die historisch belegte Route über den Buzău-Pass der Tataren bei ihren Einfällen ins Burzenland.

Dracula im Burzenland: Zeiden – Brenndorf – Kronstadt. Auf Dracula konnte nicht verzichtet werden (überraschenderweise aber auf die Törzburg). Die Kronstädter Sachsen hatten Vlad Ţepeş, alias Dracula, ja wegen seiner Grausamkeit gefürchtet und gehasst; nun lockt er seine Fans aus der ganzen Welt zu uns.

Die Burzenländer gemalte Sagenwelt: Kronstadt – Rosenau – Petersberg – Honigberg – Tartlau. Ein Fehlgriff der AMB-Experten, denn die vorgeschlagenen und sehenswerten Altarbilder in den sächsischen Kirchen stehen mit dem Mittelalter und der Glaubensgeschichte in Verbindung, nicht aber mit Sagen und Legenden der dort lebenden Bevölkerung.

Legenden um den Tyrannen Báthory: Zeiden – Weidenbach – Neustadt – Wolkendorf – Rosenau Kronstadt – Heldsdorf - Brenndorf – Petersberg – Honigberg – Tartlau. Auf den Spuren der Verwüstungen, die Báthorys Heer 1611-1612 angerichtet hatte. Ein Abstecher nach Marienburg zum Studentendenkmal, das an die Schlacht vom 16. Oktober 1612 und an den Tod des Kronstädter Stadtrichters Michael Weiss und der 39 „Studenten“ des Honterusgymnasiums erinnert, müsste auch dazu gehören.

Der Zollweg: Rucăr – Fundata – Moeciu – Törzburg – Rosenau – Neustadt – Weidenbach – Kronstadt. Es handelt sich um eine Teilstrecke des wichtigsten siebenbürgischen Handelsweges im Mittelalter in den Süden Rumäniens. Bei Törzburg lag damals die Grenze und die dazugehörende Zollstation.

Als Kurgast im Burzenland: Predeal – Pârâul Rece – Rosenau. Diesmal (wie auch bei den letzten zwei Wegen) hat das Mittelalter nichts zu sagen. Predeal und Rosenau galten im vorigen Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg als Luftkurorte.

Der Edelweißweg: Predeal – Pârâul Rece – Rosenau – Kronstadt – Săcele – Tărlungeni. Selbstverständlich liegen Edelweiß nicht am Straßenrand, also den Wagen parken und los ins Gebirge (Bucegi, Hohenstein, Schuler und Ciucaş). Und falls man wirklich auf Edelweiß stößt, sollte man die geschützte Pflanze nur vor Ort bewundern oder fotografieren und nicht abreißen.

Die lebenden Legenden des Burzenlandes: Zinne – Hangestein – Lempesch – Honigberger und Tartlauer Moorgebiet – Purcăreni (Fossilfundstelle) – Tărlungeni. Eine Route für jene, die sich für seltene Biotope und Pflanzen interessieren.

Tanz, Theater, Handwerk und Kochkunst

AMB hat in zwei Jahren (2010 - 2012) versucht, in die 15 Burzenländer Ortschaften nicht nur Touristen zu bringen, sondern auch der Ortsbevölkerung Möglichkeiten vorzustellen, die der Tourismus eröffnet. Es wurden „Tage der Gemeinde“ veranstaltet, wo Volkstänze aufgeführt wurden, wo Künstler und Handwerker vorzeigten, was sie können oder welche Traditionen sie noch von ihren Eltern und Großeltern kennen. Aufgeführt wurden Theaterszenen zu Sagen aus dem jeweiligen Gebiet. Doku-Filme über Natur und Folklore wurden gezeigt, es wurde nach lokalen Rezepten gekocht und Souvenirs ausgestellt und verkauft. Für das Projekt (Konzept, Werbung, Druck von Werbematerial, Veranstaltungen) standen seitens des Ministeriums für Regionalentwicklung und Tourismus fast 1 Million Lei zur Verfügung.

Rund 7000 Personen haben sich an den Tagen der Gemeinden beteiligt. Es gab unterschiedliche Reaktionen: von neugierigen Kindern und Erwachsenen, für die solche Veranstaltungen eine Neuheit darstellten, bis zu Personen, die die Nase rümpften, da vor „ihrer“ Kirchenburg Würstchen gebraten und die „Mămăligă“ auf offenem Feuer zubereitet wurde. Touristen von auswärts allerdings waren eher die Ausnahme.

Das Burzenland ist eben nicht das sagenhafte Land (im Sinne von geheimnisvoll, unglaublich), sondern ein Landstreifen mit einer reichen Geschichte, wunderbaren Bergen, multikulturellen Gegebenheiten und Traditionen.

Kommentare zu diesem Artikel

hans hedrich, 16.04 2013, 14:06
Eigenartig dieser in die Irre fuehrende antiungarische Subtext des Artikelbeginns!

An der Szeklerfahne stoeren sich in der Regel entwedewr krass desinformierte oder ideologisierte Personen oder eben diejenigen, die ein persoenliches Interesse daran haben, dass die Szekler moeglichst wenig Rechte besitzen - sprich, dass sie moeglichst NICHT von eigenen Personen aus der eigenen Gemeinschaft in eigener Sprache verwaltet werden. Diese interessierten Personen sind gewoehnlich die Polizisten und Beamten und Geheimdienstler und Gendarmen aus der Moldau und anderen Landesteilen, die im Szeklerland panmaessig angesiedelt wurden, um die Szekler quasi-kolonial zu verwalten und dieses Gebiet fuer weitere rumaenische Besiedlung offenzuhalten bzw. moeglichst viele Ungarischsprachige in Siebenbuergen zu assimilieren. Das ist der Kern des kuenstlichen Fahnenstreits im Szeklerland.

Ausserdem "kaempfen" die Szekler gar nicht fuer eine wie auch immer - jedoch durchaus legitime - Autonomie (siehe Suedtirol, Baskenland). Wenn sie kaempfen wuerden, waere es ebenfalls wie im Baskenland oder wie in Suedtirol in den 870er Jahren, als Bomben explodierten.

Ausserdem gibt es kein Gesetz in RO, dass das Hissen von regionalfahnen verbietet - erst recht nicht im Kontext der anstehenden Regionalisierung des Landes.

Hans Hedrich
Schaessburg

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