DAS BZ-GESPRÄCH

„Wir, die Deutschen, sind eine Familie“ - Interview mit dem DFDB-Vorsitzenden Dr. Johann Fernbach

Mittwoch, 08. März 2017

Dr. Johann Fernbach ist seit Dezember 2014 der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat.

Die ersten zwei Jahre waren für ihn sowohl herausfordernd, als auch sehr zufriedenstellend, lässt Dr. Johann Fernbach der BZ gegenüber wissen. Im Bild: Bei den Heimattagen 2015 in Temeswar.
Fotos: Zoltán Pázmány

Klassische Musik ist inzwischen etwas Selbstverständliches im Temeswarer Forumshaus. Die Mitglieder des Demokratischen Forums der Deutschen haben sich daran gewöhnt, dass hier gute Musik gespielt und man durch den Schlüssel „Musik“ Seelen öffnen kann. Dr. Johann Fernbach ist seit Dezember 2014 der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat (DFDB). Wie die ersten Amtsjahre vergangen sind, welche Errungenschaften der Musiker in seiner neuen Funktion hatte und welche Pläne für das Deutsche Forum im Banat anstehen, das erfahren Sie aus folgendem Gespräch, das BZ-Redakteurin Andreea Oance mit Dr. Johann Fernbach führte.

 

Es sind zwei Jahre vergangen, seitdem Sie an der Spitze des DFDB stehen. Wie ist diese Zeit für Sie, als Vorsitzender, abgelaufen?

Ich muss in erster Linie sagen, dass ich sehr gute Mitarbeiter gehabt habe, obwohl es mir sehr leid tut, dass wir so früh Herrn Karl Singer verloren haben. Frau Moisuc, Frau Şiclovan und Frau Podlipny haben mich in vielen Richtungen beraten und sind mir nah gestanden. Ich kann nur sagen, dass die ersten zwei Jahre schöne, anspruchsvolle und erfolgreiche Jahre für mich waren. Es gab sehr viele interessante Veranstaltungen, denen ich beigewohnt habe und ich erinnere mich gerne an alle zurück. Die Gedenkveranstaltung „70 Jahre seit Beginn der Deportation der Rumäniendeutschen in die ehemalige Sowjetunion“ mit der Enthüllung des Denkmals vor dem AMG-Haus war meine allererste Veranstaltung als Vorsitzender des DFDB. Es folgte die 25-Jahr-Feier seit der Gründung des Landesforums in Hermannstadt und im Banat auch. Zahlreiche Jubiläumsfeierlichkeiten zur Ansiedlung der Deutschen im Banat, darunter 250 Jahre Billed, Hatzfeld und Sackelhausen, 230 Jahre Nitzkydorf und Bakowa standen in den letzten zwei Jahren auch auf dem Programm.

Wenn ich bei den Dankesworten bleiben darf, dann muss ich mich damit auch an Frau Paul und an die Familie Finta wenden, für alles, was sie im Rahmen der Volksuni organisieren, bedanken. Musik, Geschichte, Erdkunde – die Themen  der Vorträge, die sie immer wieder wählen, sind höchst interessant und locken viele Leute ins AMG-Haus.

Wir haben die höchste Auszeichnung des Banater Forums, „Die Ehrennadel in Gold“, an viele Persönlichkeiten vergeben: darunter an Helene Rieser, Magdalena Kontras, Alois Weil, Karl Singer, Franz Metz, Stefan Hell. Die Anwesenheit des Nobelpreisträgers Stefan Hell im Banat und im AMG-Haus war eine Ehre für uns. Nach meiner Rechnung waren es, zusammengefasst, ungefähr 400 Veranstaltungen in den letzten zwei Jahren im gesamten Banat.

 

Sie haben Karl Singer erwähnt. War es für Sie herausfordernd, nach Herrn Singer, der so viele Jahre im Amt war, die Leitung des Banater Forums zu übernehmen?

Ich war schon seit Anfang der 90er Jahre Forumsmitglied, jedoch kam der Vorschlag, die Leitung zu übernehmen, als eine Herausforderung für mich. Herr Singer war so nett und versprach mir, mich jederzeit zu unterstützen und zu beraten. Leider mussten wir uns von ihm kurze Zeit darauf verabschieden. Das war natürlich ein Nachteil für mich. Mit ihm an meiner Seite wäre der Übergang viel kürzer und leichter gewesen und ich hätte viel lernen können. Ich muss mich aber nochmals bei Frau Ute Moisuc und Frau Dagmar Şiclovan bedanken, dass sie diese Beratung übernommen haben.

 

Am Anfang Ihrer Amtszeit haben Sie als eines der Ziele genannt: Die Jugend ins Forum zu bringen. Inwiefern haben Sie das auch geschafft?

Das stimmt: Ich habe mir das schon damals vorgenommen. Es sind nicht so viele dazu gekommen, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Unsere Bälle und Vorträge scheinen kein großes Interesse bei der jüngeren Generationen hervorzurufen. Es ist aber nicht alles verloren. Ich habe mir vorgenommen, in Zusammenarbeit mit der Nikolaus-Lenau-Schule einen Knabenchor zu gründen. Leider ist der Musikprofessor aus der Lenau krank geworden und die Umsetzung des Plans muss noch warten.

Als Neuigkeit haben wir beim Forum ein Blasorchester gegründet. Es sind zehn Personen, die für uns demnächst die Bälle und die Kirchweihen begleiten werden. Derzeit wird im AMG-Haus geprobt. Frau Edith Singer hat ihnen schon einige Noten bereitgestellt. Ich bin überzeugt, dass sie bei den Heimattagen der Deutschen eine wichtige Rolle spielen werden. Einen Namen sucht die Blaskapelle derzeit auch noch.   

 

Sie haben die klassische Musik ins AMG-Haus gebracht. Im Vorjahr haben Sie auch den ersten Brandeisz-Wettbewerb ins Leben gerufen. Wie wurde diese Initiative von den Forumsmitgliedern aufgenommen?

Ich kann nur sagen, dass die Leute dieses Projekt sehr gut aufgenommen haben. Folklore ist nicht genug. Die Deutschen sind so reich an klassischer Musik! Ich habe immer wieder gesagt: Musik ist ein Schlüssel, um die Seele zu öffnen. Musik ist eine allgemeine Weltsprache. Die einzige Sprache der Welt, in der man nicht lügen kann – man muss nichts lernen, man muss nur fühlen und lieben.

Der Brandeisz-Violinwettbewerb war eine absolute Neuigkeit für unser Forum. Es beteiligten sich 20 Jugendliche aus fünf Ländern: Rumänien, China, Deutschland, Italien und Russland. Der Wettbewerb fand einen sehr guten Anklang bei den Anwesenden. Ehrenvorsitzender der Jury war Gabriel Banat, ehemaliger Schüler von Josef Brandeisz und ehemaliger Konzertmeister der New Yorker Philharmoniker. Er ist leider vor einigen Monaten verstorben. Der Wettbewerb hatte eine internationale Jury. Die nächste Auflage wird im Frühjahr 2018 stattfinden. 

 

Das Jahr 2016 war ein volles Jahr für das DFDB: Viele Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Banat-Symposium, fanden statt und zahlreiche Ehrengäste aus dem In- und Ausland waren im Temeswarer Forumshaus zugegen, darunter der Nobelpreisträger Stefan Hell. Wie soll 2017 in dieser Hinsicht aussehen?

Wir feiern in diesem Jahr 25 Jahre deutsch-rumänischen Freundschaftsvertrag. Desgleichen sollen auch „50 Jahre diplomatische Beziehungen Rumänien-Deutschland“ begangen werden. Zu diesem Anlass wird am 21. April eine Veranstaltung organisiert. Zu dieser Gelegenheit verleihen wir Herrn Rolf Maruhn, dem Konsul der Bundesrepublik Deutschland, die Ehrennadel in Gold seitens des Banater Forums, weil er so lange in Temeswar tätig war und ein langjähriger Freund der deutschen Minderheit war. Im Juni werden die Heimattage der Banater Deutschen in Temeswar organisiert und haben dafür ein volles Programm vorbereitet.

 

Sagen Sie uns bitte mehr zum Programm der Heimattage der Banater Deutschen in Temeswar. Wie bereitet sich das Deutsche Forum darauf vor?

Die Heimattage der Banater Deutschen werden zwischen dem 9. und 11. Juni ausgetragen. Es wird in Temeswar unter dem Motto „Mein Heimatland. Banater Land“ gefeiert. Das Motto kommt vom Peter Jungs Gedicht. Josef Linster und Wilhelm Ferch haben die Melodie dafür geschrieben. Vor mehreren Monaten haben wir uns entschlossen, dass dieses Lied die Hymne der Banater Deutschen wird. Zum allerersten Mal soll also diese Hymne bei den Heimattagen intoniert werden.

Wie erwähnt, werden wir zu den Heimattagen ein volles Programm haben: 250 Jahre Lenauheim werden zu diesem Anlass begangen; Franz Metz stellt die Ausstellung „Orgel und Orgelbauer im Banat“ vor; der ADZ/BZ-Redakteur Siegfried Thiel lanciert sein erstes Buch, „Streiflichter“. Wie gewöhnlich wird die Festveranstaltung in der Oper gehalten. Zu dieser Gelegenheit bekommt Hartmut Koschyk, der Bundesbeauftragte für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, die Ehrennadel in Gold. Herr Koschyk ist am Ende seines Mandats und er war auch ein echter Freund unserer deutschen Minderheit. Auch einen Ball, eine feierliche Messe im Hohen Dom und der Aufmarsch durch die Temeswarer Innenstadt sind fest im Programm verankert.

Das Deutsche Forum im Banat hat zu den Heimattagen auch die frisch gewählte Bürgermeisterin in Berlin, die gebürtige Temeswarerin Ramona Pop, eingeladen. Die rumänisch-deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) ist seit Dezember 2016 Bürgermeisterin von Berlin sowie Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Wir warten auf ihre Antwort.

 

Wie sind die Beziehungen des Banater Forums zu den ausgewanderten Banater Schwaben?

Wir erwarten wie immer unsere Freunde aus Deutschland – Mitglieder der Heimatortsgemeinschaften aus sehr vielen Städten aus Deutschland, Tanzgruppen und Blaskapellen haben auch ihre Teilnahme angekündigt. Das alles freut mich sehr. Wir sind eine Familie, egal, ob wir in Deutschland oder in Rumänien leben.


Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*