Das Denkmal des Migranten in Bukarest

Tafel kündigt Werk der Künstlerin Veda Popovici am Busbahnhof Rahova an

Donnerstag, 24. Juli 2014

Am Internationalen Busbahnhof Atlassib in Rahova steht es seit dem 11. Juli 2014 in Stein gehauen (auf Rumänisch): „Hier wird bald das Denkmal des Migranten errichtet werden, gewidmet allen, die über nationale und internationale Grenzen gegangen sind. Ehre ihnen, denjenigen, die gereist sind, gearbeitet, geliebt und gelitten haben, fern von ihrem Haus und ihren Lieben“.
Wird die Stadt Bukarest endlich der vielen Menschen gedenken, die diese Stadt Richtung Westen verlassen haben? Wird die Regierung Rumäniens endlich der Millionen Migranten gedenken, die sich von Rumänien aus in Bewegung gesetzt haben, um woanders Arbeit zu finden und dort zu leben? Wird es auch in Bukarest ein Denkmal geben wie z. B. in Rotterdam, wo letztes Jahr der Künstler Hans van Bentem sein „Monument voor de gastarbeider“ (Denkmal für den Gastarbeiter) enthüllt hat?
In Bukarest müsste allerdings ein Denkmal des Aufbruchs und nicht der Ankunft stehen. „Rumänische Staatsangehörige aller Ethnien, die nach Westeuropa zu reisen versuchen“, sind die eine Hälfte der von der Künstlerin Veda Popovici angesprochenen Migranten. Sie schuf die Tafel, die auf dem größten hiesigen Busbahnhof angebracht wurde. Die andere Migrantengruppe sind die Menschen von „außerhalb von Europa, die versuchen, nach Westeuropa zu migrieren“.

Die Künstlerin spricht über das Gemeinsame zwischen den unterschiedlichen Migrantengruppen: Migranten sind diejenigen Menschen, die „die existierenden Begriffe für Arbeit, Gesellschaft, soziale Beziehungen sprengen“. Gemeinsame Arbeits-, soziale und politische Bedingungen sollten die Migranten untereinander solidarisch machen. Falls Migranten von Zielstaaten aufgrund ihrer Ethnie unterschiedlich behandelt werden, so glaubt sie, „dass Selektion oder Diskriminierung von Migranten in einer ethnozentrischen, nationalistischen und ausgrenzenden Logik stehen, und nicht in einer inklusiven und Solidaritätslogik. Die Staaten versuchen, Unterschiede zwischen den verschiedenen Kategorien von Migranten zu schaffen.“ In Anbetracht der Tatsache, dass deutschstämmige Aussiedler zuletzt in einer großen Welle in den 90er Jahren aus Osteuropa nach Deutschland migriert sind, sind diese durch Popovicis Arbeit aufgefordert, die Gemeinsamkeiten mit den Arbeitsmigranten von heute, die in die Bundesrepublik einwandern, ins Zentrum ihrer Beziehung zu diesen zu stellen.
Die Künstlerin sagt weiter: „Das Denkmal des Migranten ist ein Symbol der Anerkennung auf staatspolitischer Ebene der spezifischen Erfahrungen von Migranten aus Rumänien. Es wird so lange nicht errichtet werden, wie der rumänische Staat die rumänische Diaspora als eine einfache Wählergruppe und Migranten von außerhalb Europas als Menschen zweiter Klasse ansieht. Die Tatsache, dass meine Tafel dieses Denkmal verspricht, ist eine Kritik an dieser gegenwärtig existierenden Staatspolitik.“

Bis zur Hängung am internationalen Busbahnhof konnte das Werk in der Gruppenausstellung „Weil wir auf unterschiedlichen Bahnen fahren“ (Pentru că navigăm pe culoare diferite) in der Galerie „Salonul de proiecte“ im Gebäude des MNAC Anexa, Teil des Nationalmuseums für Zeitgenössische Kunst in Bukarest, besichtigt werden. Es handelte sich um eine Gruppenausstellung mit Werken und Projekten, ausgewählt vom Künstlerduo Little Warsaw (András Gálik und Bálint Havas) aus Ungarn. Das kuratorisch agierende Künstlerduo hat fünf Künstlern die Tore zur Galerie geöffnet: Vlad Basalici, Cristina Amelia Cândea, Mădălina Lazăr, Szilárd Miklós und Veda Popovici. Die Gruppenausstellung ist leider bereits zu Ende gegangen, aber die nächste interessante Ausstellung der Galerie „Salonul de proiecte“ folgt bestimmt (siehe: www.salonuldeproiecte.ro/) und die Tafel „Denkmal des Migranten“ kann auf unbestimmte Zeit in Bukarest auf der Şoseaua Alexandriei 164 besichtigt werden.

Kommentare zu diesem Artikel

Sraffa, 24.07 2014, 14:35
Eigentlich sollten Kopien des Denkmals zusätzlich direkt vor dem Haupteingang des Parlamentsgebäudes und vor dem Sitz der Regierung aufgestellt werden.

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