Das erste Kronstädter Jahr

Josy Dalboth-Tiersch – Deutsch-Fachschaftsberaterin am Honteruslyzeum

Donnerstag, 20. Juni 2013

Gastlehrerin Dalboth-Tiersch ist zur Zeit Kronstädterin. Foto: Ralf Sudrigian

Der Wechsel vom Konrad-Adenauer-Gymnasium in Meckenheim bei Bonn am Rhein, wo sie Deutsch und Französisch unterrichtete, zum Kronstädter Honteruslyzeum bedeutete für die deutsche Gastlehrerin Josy Dalboth-Tiersch sicherlich eine Umstellung: „Ich habe mich gefreut, wieder eine Chance zu bekommen,  im ausländischen Schuldienst tätig sein zu dürfen.“ So ist es nicht ihre erste Vermittlung in den Auslandsschuldienst: von 1998 bis 2002 unterrichtete sie an der Deutschen Schule Teneriffa. In Osteuropa war Dalboth-Tiersch bisher jedoch noch nicht gewesen, sodass in ihrem Entschluss,  nach Rumänien umzuziehen, Neugierde und  auch ein wenig Mut mitspielten, um als Fachschaftsberaterin für die nächsten drei Jahre neue Aufgaben  in Kronstadt zu übernehmen.

Neben ihren Aufgaben als Fachschaftsberaterin unterrichtet Josy Dalboth-Tiersch 17 Stunden Deutsch am Honterus-Lyzeum und eine Stunde am Meşota-Lyzeum. Schnell wurde ihr dort klar, dass die üblichen Klischees über Schüler in Osteuropa – brav, angepasst, aufmerksam – nicht auf alle Schüler zu übertragen sind. Der Wandel der Gesellschaft konnte den Schulbereich nicht umgehen. Dies zeige sich – ähnlich wie in Deutschland – an der hohen Bedeutung, die das Handy für die Schüler aller Altersgruppen habe und täglich eine Herausforderung für den Unterrichtsalltag des Lehrers bedeute. Das ist ein Zeichen der neuen Konsumlastigkeit , welche  rumänische Schüler von  den westeuropäischen zwar nicht mehr unterscheidet, auf der anderen Seite aber lenkt das Handy im Unterricht ab, sodass die Deutschlehrerin es am liebsten gänzlich aus dem Schulleben verbannen würde.

Vielleicht wäre die Gastlehrerin etwas nachsichtiger, wenn die Schüler  am Handy nur Deutsch sprechen würden. Das tun sie jedoch außerhalb des Unterrichts eher selten, in den Pausen ist Rumänisch die Umgangssprache ihrer Schüler.  Das ist verständlich, da für die Mehrheit der Honterus-Schüler Rumänisch die Muttersprache ist, während die Anzahl der Schüler, die in einer deutschsprachigen Familie aufwachsen, eher abnimmt. Das Erlernen der deutschen Sprache ist aber aus der Sicht vieler Eltern, die ihre Kinder am Honteruslyzeum anmelden,  erstrebenswert, da dort Deutsch als Muttersprache gelehrt wird und darüber hinaus in den Klassen 11 und 12 auf das deutsche Sprachdiplom vorbereitet werde. Der erfolgreiche Erwerb des deutschen Sprachdiploms DSD II gilt als Nachweis der erforderlichen Deutschkenntnisse für ein Studium an einer deutschen Hochschule.

Dalboth-Tiersch unterrichtet in den Klassen V, IX und X Deutsch als Muttersprache. Verglichen mit den Lehrplänen ihres Landes erstaune sie – zum Beispiel bezüglich der Klasse X – das  anspruchsvolle Literaturprogramm für die Schüler, die sich von der Epoche des Sturm und Drangs bis zu der des Vormärz durcharbeiten müssen. Etwas weniger Schüler pro Klasse wären sicherlich vorteilhaft, auch um weniger motivierte oder schwächere Schüler besser auffangen zu können. Von einer Trennung in Klassen mit nur leistungsstarken und schwächeren Schülern hält Dalboth-Tiersch wenig: gerade schwächere Schüler können von begabteren Schülern lernen, in ihren Bemühungen um bessere Leistungen unterstützt werden.

Was sich die Fachschaftsberaterin für ihre weitere zukünftige Arbeit wünscht, wäre vielleicht einen Lesewettbewerb für die unteren Klassen, denn so könnten Lesefreude, die Bereitschaft zum Zuhören und besseres Textverständnis gefördert werden. Zugleich wolle sie weiterhin Schüler der Abschlussklassen dazu ermutigen, sich um deutsche Stipendienprogramme oder ein  „Schnuppstudium” zu bewerben, welches dazu dient, eine Universität vor Beginn des Studiums kennen zu lernen.

Freundliche, höfliche Schüler, hilfsbereite Kollegen, ein offenes Ohr seitens der Schulleitung erleichterten der neuen Gastlehrerin die Anpassung an Schule und Umfeld. Kronstadt habe ihr auf Anhieb gefallen – sowohl durch seine Lage als auch durch das schöne historische Stadtzentrum, sagt Dalboth-Tiersch, die die Stadt im letzten Jahr noch vor Schuljahresanfang besucht hatte. Der erste Eindruck scheint zum bleibenden geworden zu sein.

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