Das Gefühl, an der Basis etwas zu beeinflussen

Monika Hay, die Direktorin des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt

Donnerstag, 02. Februar 2017

Monika Hay, die Direktorin der Brukenthalschule
Foto: die Verfasserin

Das Lehrerkollegium des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums. Vorne sitzend (4.-7.v.l.) Bianke Grecu, Monika Hay und Gerold Hermann

Bevor der vorherige Bildungsminister den umstrittenen Wettbewerb zum Belegen der Schulleiterposten ausgeschrieben hatte, infolge dessen es mitten im Schuljahr in vielen Schulen zu Neubesetzungen der Schulleiterposten kam, fand der Schulleiterwechsel am Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium statt: Am 1. September 2016 löste Monika Hay den bisherigen Direktor Gerold Hermann ab. Chemiefachlehrer Gerold Hermann (60) hatte das Amt seit 1998, also 18 Jahre lang inne, war vorher viele Jahre in Leitungsämtern des Pädagogischen Lyzeums gewesen und hielt die Zeit für gekommen, jüngere Kollegen in Verantwortungsposten aufrücken zu lassen. Monika Hay, 42, stammt aus Semlak im Banat, ist Absolventin des Pädagogischen Lyzeums, blieb nach dem Absolvieren 1993 als Grundschullehrerin in Hermannstadt/Sibiu, war dies bis 2004 in der Schule Nr. 6/Nicolae-Iorga-Schule und danach Fachinspektorin für den deutschsprachigen Grundschul- sowie Minderheitenunterricht im Hermannstädter Schulamt. 2006 absolvierte sie ein Geschichtsstudium, das sie „für meine Weiterbildung, ohne die Absicht, je Geschichte zu unterrichten“ (so Hay) begonnen hatte. Als Schulinspektorin blieb sie der Iorga-Schule als Geschichtslehrerin treu, als Schuldirektorin bietet sie in den mindestens vier zum Deputat gehörenden Unterrichtsstunden das Fach „Geschichte und Traditionen der deutschen Minderheit“ in den 6. Klassen des Gymnasiums. Als Schulinspektorin machte sie ihren Master in Bildungsmanagement, im Oktober bestand sie – wie auch die im Amt gebliebene stellvertretende Schulleiterin des Brukenthal-Gymnasiums, Bianke Grecu – den vom Minister veranlassten Direktorenwettbewerb.

Schien der Direktorenwechsel am „Bruk“ überraschend, so war er doch von langer Hand geplant: Direktor Hermann hatte im Herbst 2015 dem Schulinspektorat mitgeteilt, dass er nach dem Schuljahr 2015/2016 das Amt des Direktors abgeben werde. Die stellvertretende Kreisschulinspektorin Christine Manta-Klemens und Monika Hay versuchten selbstverständlich, ihn zum Verbleib zu überreden. Hermann ließ sich jedoch nicht umstimmen und also wurde nach der Nachfolge gesucht. Dabei fiel auch der Name der Schulinspektorin. Irgendwann fragte Martin Bottesch, Mathelehrer am Bruk und um das deutschsprachige Schulwesen sehr bemüht, quasi offiziell bei Monika Hay an, ob sie die Stelle annehmen würde. „Ich habe begonnen, mental Listen mit Argumenten pro und contra aufzustellen. Die Contra-Liste war recht lang. Ich hatte seit vielen Jahren keinen Schulalltag erlebt, ich war nie an einer Schulleitung beteiligt gewesen“, sagt sie. Bottesch ließ aber nicht locker, ging mit ihr den zu erwartenden Aufgabenbereich durch und im Frühjahr 2016 sagte Monika Hay schließlich zu, den Direktorenposten zu übernehmen.

Übernommen hat die junge, zierliche Frau einen Riesenbetrieb: Im laufenden Schuljahr besuchen das Brukenthalgymnasium 860 Schüle-rinnen und Schüler in den Klassen 5 bis 12. An der Schule unterrichten 64 Lehrerinnen und Lehrer (nicht alle mit vollem Deputat), hinzu kommen 17 Verwaltungsangestellte, die den Schulbetrieb am Laufen halten. Noch werden die Mehrzahl der Fächer in deutscher Sprache unterrichtet, in den kommenden Jahren wird es jedoch zur Herausforderung werden, deutschsprachigen Nachwuchs für die in Rente gehenden Lehrer aus naturwissenschaftlichen Fächern zu finden.
Nach der Bilanz am Ende des ersten Semesters gefragt, meint die neue Schulleiterin: „Es ist leichter als erwartet“. Festgestellt hatte sie gleich zu Beginn, dass sie die Brukenthalschule besser kannte als vermutet: Sie war in den vergangenen Jahren vom Schulamt aus auch für diese Bildungseinrichtung zuständig gewesen und hatte von Direktor Hermann sehr oft sehr detaillierte Berichte über das Geschehen in der Schule erhalten und mit den meisten Lehrern auch gut kooperiert. Von schulinternen Fortbildungen kannte sie das Lehrerkollegium, sodass ihr bei der Einführung am ersten Schultag nur ein Mitglied unbekannt war. Zugute komme ihr die Erfahrung aus dem Schulamt, vor allem aber die Unterstützung ihres Vorgängers Hermann und ihrer Stellvertreterin Grecu, doch auch des gesamten Lehrerkollegiums und der Mitarbeiter, meint Hay. Die Arbeit als Schulleiterin betrachtet sie als „angenehmer und erfreulicher“ als jene im Schulinspektorat: „Man kann die Ergebnisse direkt sehen und der Kontakt mit Jugendlichen, die Arbeit mit den Schülern verleiht einem das Gefühl, an der Basis etwas beeinflussen zu können.“

Ob es denn keine Schwierigkeiten gibt? „Doch“, sagt sie, „natürlich gibt es sie. Man muss bestimmte Abläufe vorausdenken, man muss Befindlichkeiten im Lehrerkollegium kennen, beachten und danach trachten, dass die Atmosphäre stimmt.“ Ein Schulleiter braucht Taktgefühl und müsse dafür sorgen, dass zwischen den Lehrern, zwischen den Lehrern und den Schülern aber auch zwischen den Lehrern und den Verwaltungsangestellten und sodann zwischen Schule und Eltern eine gute Zusammenarbeit herrscht. Dass all das in der Bru-kenthalschule klappt, sei dem Pflichtbewusstsein der Lehrer und Mitarbeiter zu verdanken: „Auf alle ist Verlass, alle ziehen am selben Strang, jeder weiß, was zu tun ist“, sagt die Schulleiterin. Einen ersten Beweis erhielt sie beim Siebenbürgischen Lehrertag, den die Schule im Herbst organisiert hatte. Sie habe eben von ihrem Vorgänger „einen gut laufenden Betrieb übernommen“.

Dass die Brukenthalschule bei Schülern und Eltern so beliebt ist, liegt auch an dem breitgefächerten Angebot an außerschulischen Tätigkeiten, die „zur Tradition und auch Philosophie dieser Unterrichtseinrichtung gehören“, so die Direktorin. „Die Lehrer wissen, dass das eine unserer Stärken ist und dass dadurch soziale Kompetenzen entwickelt und Sprachkompetenzen gefördert werden.“ Neben den in so-zusagen jeder Schule veranstalteten Faschingen sowie Miss- und Misterwahlen, dem Austausch mit Partnerschulen aus dem Ausland oder Projekten zu verschiedenen Themen, wurden sechs größere Ausflüge organisiert, an denen Schüler aus mehreren Klassen teilnahmen. Als Wahlfach kann am „Bruk“ ab der 5. Klasse „Volkstanz“ belegt werden, für Volkstanz haben in der Schule 272 Schüler optiert. Attraktiv ist dabei außer dem gemeinschaftlichen Tanzen auch die Möglichkeit, an Veranstaltungen in der Stadt sowie in anderen Ortschaften teilzunehmen. Aufgeführt wurde mit der österreichischen Musiklehrerin Theresa Leonhard das Musical „Amy Winehouse“, für die Fünft- bis Achtklässler gab es Tanzabende, weiterhin verfolgt werden kann auf der eigenen Webseite „Radio Bruk“. Geboten wurde im Herbst erstmals eine Fortbildung für Klassensprecher, um sie für ihre Aufgabe vorzubereiten, derselbe Fachmann arbeitete danach mit den Klassenlehrern. Die Bru-kenthalschüler organisierten einen Weihnachtsbasar, um mit dem Erlös Kollegen zu unterstützen, deren Eltern kein rosiges Einkommen haben, womit nur einige der zahlreichen Aktivitäten aufgezählt sind, für deren Koordination es eines Terminkalenders bedarf. Dass die eigentliche Schultätigkeit nicht vernachlässigt wird, erfährt man dann zum Beispiel aus Meldungen über Erfolge bei Schülerolympiaden: Nicht alltäglich dürfte die Bronzemedaille sein, mit der Raul Dragoi (11. Klasse) aus Indien vom Fachwettbewerb in Astronomie und Astrophysik heimkehrte.

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