Das Glied einer Kette

Sonntag, 16. Dezember 2018

Die Geschichte von dem Prediger Johannes dem Täufer, dem Wegbereiter Jesu, gehört zu den bekanntesten des neuen Testaments. Johannes wird als eine merkwürdige Gestalt beschrieben, gekleidet in einen Kamelhaarmantel lebt er in der Wüste und ernährt sich von Heuschrecken und wildem Honig. Herausragend ist seine Botschaft. Seine Predigt ruft zur Buße und zur Umkehr zu Gott und er tauft die Menschen und gibt ihnen damit die Chance zu einem neuen Anfang. Er kündigte das kommende Reich Gottes an und gilt als der Wegbereiter Jesu Christi. Er war es, der Jesus am Jordan getauft hatte. Aber wegen seiner Kritik am König wurde er ins Gefängnis geworfen und enthauptet.

Die Geschichte von Johannes dem Täufer scheint eine Geschichte des Scheiterns zu sein! Er steckt im Gefängnis. Früher ist er erfolgreich gewesen, aber jetzt geht nichts mehr. Was hat er im Leben erreicht? Bald wird er ganz vergessen sein. Es ist ein bitteres Gefühl, sich überflüssig zu fühlen und in Vergessenheit zu geraten. Hat alles seinen Sinn? In dunklen Stunden, wenn einen die Niedergeschlagenheit überkommt, dann fragt man nach dem Sinn des Lebens. Aber das Leid ist nicht nur an Gefängnis- oder an die Krankenhausmauern gebunden. Besonders schlimm ist es, dass schnell der ganze Mensch an Körper und Seele aus dem Gleichgewicht kommen kann. Hat alles noch einen Sinn? In der Schule lernen wir von den großen Persönlichkeiten der Geschichte und von ihren Taten. Ihr Leben scheint sinnvoller als das Leben anderer Leute zu sein, deren Namen vergessen sind. Aber so ein Denken führt in die Verzweiflung, denn ich bin nicht Martin Luther, und auch nicht Wolfgang von Goethe und auch kein Albert Einstein. Wer sagt, dass das Leben eines Menschen in den Augen Gottes mehr Sinn macht als das Leben eines Vogels oder einer Blume? Warum sollte das Leben eines Käfers nicht den gleichen Sinngehalt haben wie das Leben eines großen Königs? Ein Theologe hat einmal festgehalten: „Ein Leben findet nur dann seine wirkliche Erfüllung, wenn es zu seinem Schöpfer zurückkehrt.“ Damit sieht er den Sinn des Lebens in Gottes Hand. Das Vertrauen auf Gottes Güte kann den Teufelskreis von verzweifelten Fragen durchbrechen.

Johannes der Täufer hat im Gefängnis einen Ausweg aus dem Teufelskreis von verzweifelten Fragen gefunden. Er wendet sich an Jesus und fragt: „Bist du es, der da kommen soll?“ In dieser Frage ist eigentlich alles enthalten, was den Gefangenen bewegt: die Frage nach dem Sinn seines Tuns, die Frage nach dem Sinn seines Leidens und die Frage nach der Zukunft. Eigenartigerweise erhält Johannes als Antwort keinen Trost, sondern die Empfehlung, die Welt mit anderen Augen zu sehen: Blinde sehen wieder; Lahme gehen umher, Kranke werden rein, Taube hören, die Toten stehen auf und die Armen werden durch das Evangelium aufgerichtet. Es ist wichtig, in dunklen Stunden zu wissen, dass andere auch und oft noch mehr leiden. Blindheit, Behinderungen, schwere Krankheiten, Armut: Das Leiden hat viele Gesichter.

Mit Jesus Christus kommt der Anfang vom Ende allen Leidens. Gottes Weg geht weiter! Mit Jesus Christus wird vollendet, was Johannes begonnen hatte. Indem sich Johannes als Glied einer göttlichen Kette begreift, bekommt sein Leben und sein Wirken einen Sinn. Wir sind auch Glieder einer Kette. Ein Vergleich aus dem Alltag kann dies in einfacher Weise veranschaulichen.

Wir sind in vielen Gemeinden Besitzer eines kleinen Waldes geworden. Aber den Wald haben nicht wir gepflanzt. Trotzdem ist es Aufgabe unserer Generation, diesen Wald zu pflegen. Nach uns kommen andere Generationen, die diesen Wald auf ihre Weise pflegen und nutzen werden. So sind wir als Generation Glied einer Kette. Die meisten Aufgaben unseres Lebens haben wir nur übernommen und geben sie an die Nachkommenden weiter. Deshalb war es trotzdem sinnvoll, dass wir unseren Anteil an unseren Aufgaben erfüllt haben. Die größte Aufgabe ist die Mitarbeit am Reich Gottes, das mit Jesus Christus gekommen ist. Dessen werden wir uns heute am dritten Advent in besonderer Weise bewusst.

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