Das große Belauern

Dienstag, 23. Dezember 2014

V.V. Ponta arbeitet an seiner Zukunft.

Er hat auf seinen Doktortitel verzichtet und damit die akademische Welt Rumäniens erschüttert: niemand weiß, mangels Regelungen dafür, wie das faktisch durchzusetzen ist, weil nur Aberkennungen geregelt sind, nicht aber Verzichte auf den Titel. Falls Ponta aber glaubt, sich damit vom nachgewiesenen Plagiatsvorwurf reingewaschen zu haben, verstaucht er sich den Fuß. Dazu hat der Fall auch international viel zu hohe Wellen geschlagen. Und ein Zugeben des intellektuellen Diebstahls ist dieser Verzicht noch lange nicht.

Er hat seine Regierung („Ponta 4“) verschlankt und umgebildet. Qualitativ verbessert ist sie damit nicht, denn sie besteht aus Wendehälsen der Absplitterpartei des Ex-Premiers und Senatsvorsitzenden von Pontas Gnaden Tariceanu, aus Schmierfinken der Partei des Effektengenerals Oprea, aus Politprofis, vermeintlichen Technokraten und Ponta-Anhängern, denen er was schuldig geblieben ist (etwa Universitätsrektor Sorin Câmpeanu, der sich im Plagiatsskandal so lange gewunden hat, bis er Ponta - fadenscheinig, aber immerhin - reingewaschen glaubte). Auf ihrem Posten blieben „triste Figuren“: die acht Neuen (einschließlich der Banater Sorin Grindeanu, aus einer Emporkömmlingsfamilie, über die noch zu berichten sein wird) „ändern nichts „an einer Not-Regierung, die Pontas politisches Überleben sichern soll“ („22“).

Er hat unter Rivalen aufgeräumt, die ihm innerparteilich den PSD-Vorsitz kurzfristig (bis zum Parteikonvent im März 2015) streitig machen könnten und hat nur noch den Intriganten Dragnea neben sich geduldet. Ponta und Dragnea belauern sich nun argwöhnisch und preschen mit diversen Reformvorschlägen vor, die mindestens ein Ziel verfolgen: die Macht der „Parteibarone“ einzuschränken. Hätte Ponta die Präsidentschaftswahl gegen Johannis für sich entschieden, stünde er heute in der Pflicht gegenüber diesen „Baronen“, denen er zum Jahresanfang in Kronstadt Eingriffe in die Justiz versprechen musste, die ihnen weitgehende Straffreiheit und womöglich sogar eine Art Grapschimmunität aufs Staatsvermögen ermöglicht hätten („Gerechtigkeit bis zum Schluss“, „Entb²sifizierung der Justiz“). Jetzt sind sie Barone und Baronets ihm zu nichts mehr nutze und er will ihre Macht durch eine verstärkte Zentralisierung und durch zweitliche Beschränkung ihrer Mandate aufs Kontrollierbare und Übersichtliche beschränken. Dass Ponta damit möglicherweise auch eine Säuberung seiner Ortsgrößen mittels Strafrecht erreicht, ist ein ungewollter Nebeneffekt. Mit alledem macht er sich keine zusätzlichen Freunde in der Bedient-Euch-Partei, versucht aber, sein eigenes Bild abzugrenzen und reinzuwaschen. Und riskiert den Untergang der PSD, indem er ihre Grundmauern untergräbt, um das „unbefleckte Zentrum“ zu schaffen, von dem schon Pontas Mentor Adrian Nastase schwafelte.

V.V. Ponta kämpft um sein politisches Überleben. Seine Chancen sind gering. Seine Partei wird ihn fressen. Die Opposition ist gut beraten, auf diesen Augenblick vorbereitet zu sein...

Kommentare zu diesem Artikel

Manfred, 27.12 2014, 12:53
Guter Beitrag,Herr Kremm!
NORBERT,Du als Wikipedia-Spezialist solltest einfach mal den Namen des Autors eingeben...
HELMUT,Ponta sollte nicht aufräumen,sondern beim Aufräumen als Erster den Platz frei machen,der Mann ist diskussionsfrei untragbar.Wenn die Sozialdemokratie eine Chance haben will,muß sie endlich mit der Vergangenheitsbewältigung anfangen,sich von allen vorbelasteten Kadern trennen und sich mal mit den Begriffen"Ehrlichkeit","Charakter","soziales Bewusstsein" auseinandersetzen!
Das es in sämtlichen anderen Parteien auch Korruption,Vetternwirtschaft,Machtmißbrauch gibt,ist ebenso diskussionsfrei bekannt.Wer als erster eine saubere Perspektive bietet,wird diesen Machtkampf für sich entscheiden!
Helmut, 26.12 2014, 21:39
Werter Koll.Kremm,Sie dürften bei Ihrer Kritik vergessen haben,dass sich innerhalb der Opposition genau solche Wendehälse und Typen befinden wie Sie es beschrieben haben.Nur mit dem Unterschied ,dass jetzt Ponta und andere in der Partei aufzuräumen beginnen.Auch der kommende Parteitag wird in diesem Sinne verlaufen. Sicher wird dies nicht einfach sein ,aber sie werden es schaffen.Das es in der PNL/PDL und anderen Parteien leider solche "SelbstbedienungsbaroneInnen" gibt,verschweigen Sie bewußt.Jahrelange haben die Liberalen/Konservativen mit Uterstützung andere Parteien das Land regiert und die PolitikerInnen, dieser Parteien ,haben sich auf Kosten des rumänischen Volkes bereichert und dem Land großen Schaden zugefügt. Darüber herrscht aber bei Ihnenen großes Schweigen.Zu den sogenannten Wendehälsen dürfen Sie auch den neuen Präsidenten zählen.Bis jetzt hat sich keine der Oppositionsparteien von den ProfiteurenInnen innerhalb ihrer Parteien getrennt,im Gegenteil diese gewinnen wieder an Einfluß.Ob sich Ioannis von den Verpflichtungen gegenüber den "Wahlunterstützenden Parteifürsten"und" Jammergestalten" der Oppositionsparteien lösen kann,wird die Zukunft zeigen.Seine ersten Wortenmeldungen lassen dies aber nicht erkennen.Natürlich ist es klar,dass Sie jetzt der neue Weg den Ponta und die PSD beschritten haben aus parteipolitischen und wahrscheinlich auch aus weltanschaulichen Gründen sehr stört.Daher auch ein solcher einseitiger Wutbeitrag.Wenn Sie zum Teil berechtigt die PSD kritisieren,dann würde es auch von ehrlicher Gesinnung zeugen,wenn Sie die gleichen Kriterien an den PolitikerInnen der PNL/PDL u.a.Parteien anwenden würden.Dazu sind Sie aber wahrscheinlich auf Grund Ihrer politischen Überzeugung bzw.Abhängigkeit gar nicht in der Lage.Die Konrad Adenauer-Stiftung wird Ihnen Beifall klatschen.
norbert, 25.12 2014, 02:30
Herr kremm ..sie können nur in Rumänien wohnen. Wenn man das als westdeutscher in seiner Sprache liest. .dann liest man einen Rumänen der deutsch schreibt. Das gleiche könnte der Herr Helmut schreiben. Der Johannis der hat deutsch geschrieben. .daraus können sie genau herauslesen. .Veränderung der rumänischen Mentalität. Und die ist bei der Opposition das gleiche. Dir kommen aus dem selben Land. Herr kremm. Und jetzt verrate ich ihnen ein Geheimnis. Das sind auch Rumänen . und noch ein Geheimnis. .die haben auch schon regiert. Oh..da sind sie platt. .die koruption ist laut Wikipedia ..tief in der rumänischen Kultur. Ich zitiere. .und nicht bei der der Regierung sondern auch bei. .der Regierung. .ihre Beiträge .sind schwach. .ihre Analyse ist schwach. Und deswegen kriegen sie auch nur Lob von schwachen politischen Statements aus diesen forum. M
Hanns, 23.12 2014, 18:21
Ein sehr guter Artikel, der die Sachlage präzise beschreibt.
Ottmar, 23.12 2014, 14:56
Herr Kremm,
der Artikel war sehr gut.
Gratulation
Dirk, 23.12 2014, 12:37
Kompliment Herr Kremm!
Meines Erachtens gut analysiert und ohne Umschweife auf den Punkt gebracht.

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