Das Interview..., das nicht hätte stattfinden sollen

John Surman beim Garâna-Jazz-Festival: „Gute Bühne, großartiges Publikum“

Mittwoch, 18. März 2015

G²râna Jazz 2013: John Surman und die norwegischen Musiker Erlend Slettevoll (Klavier), Terje Gewelt (Bass) und Tom Olstad (Schlagzeug) stellen das „Valhalla“-Projekt vor. Foto: Dragoslav Nedici

Die Vorbereitungen für die 19. Auflage des Jazzfestivals in Wolfsberg/Gărâna sind bereits in vollem Gange, versichert der Festivalleiter und Vorsitzende der Stiftung „Fundația Culturală Jazz Banat“, Marius Giura. Gărâna Jazz 2015 wird zwischen dem 9.-12. Juli über die Bühne gehen. Welche Musiker und Bands auftreten werden, kann Giura noch nicht angeben und begründet dies mit einer von den Festivalveranstaltern angewandten Strategie. Dieses Jahr werden jeden Abend nur noch drei Konzerte und am Samstag vier stattfinden. Am Freitag, Samstag und Sonntag sind um 11 Uhr je ein Konzert in der römisch-katholischen Kirche in Franzdorf/Văliug und um 15 Uhr je ein Konzert in der Gaststätte „La Răscruce“ („Die Kreuzung“), der ursprünglichen Herberge des Festivals, geplant.

 

Während ich über das Musikfest im Herzen des Banater Berglands schreibe, erinnere ich mich an die 17. Auflage des Jazzfestivals und das unkonventionelle Interview mit dem britischen Saxophonisten John Surman.

 

Etwa 23 Uhr beim Jazzfestival auf der Wolfswiese. Als Nächstes steht John Surmans Konzert an. Ein äußert verärgerter Musiker verweigert jedoch vor seinem Auftritt jegliche Interviews den Journalisten. Wütend ist Surman wegen seines verspäteten Gigs, der als Letzter am zweiten Konzertabend auf dem Programm des Gărâna Jazz 2013 stand. Surmans Band tritt nicht etwa 10-15 Minuten, sondern eine volle Stunde später auf. Kein Novum beim Wolfsberger Jazzfest. Hier kann unmöglich deutsche Pünktlichkeit herrschen, obwohl bis vor einigen Jahren die Ortschaft den dort angesiedelten Deutschböhmen gehörte.

Jedes Jahr, an jedem der vier Konzertabende des Gărâna-Jazz-Festes, sind vier, manchmal sogar fünf Auftritte vorgesehen, jeder Auftritt zu einer bestimmten Uhrzeit. Jedoch: irgendwie klappt es niemals. Mit Soundcheck, unendlichem Applaus und den Zugaben endet das Programm immer viel später als vorgesehen. Tribut an den Erfolg? Teilweise ja.

Nun gibt es einen wütenden Jazzstar, der nichts von den Medien wissen will. Surman soll sich Sorgen wegen des Publikumenthusiasmus und -anzahl machen, die, beide, spät in der Nacht und nach den vorangegangenen drei Auftritten vielleicht erheblich sinken könnten. Dass der Saxophonist nicht mehr ansprechbar sei, spricht sich rasch herum. Ich überprüfe es nicht mehr und sitze lieber gemütlich im Restaurant hinter der Bühne (dem einzigen Lokal überhaupt in der Nähe der Jazzbühne vor Ort). Hier kann man alle Konzerte auf dem Bildschirm in warmen Räumlichkeiten verfolgen. Draußen herrscht für mein Gefühl furchtbare Kälte – auch nichts Neues um diese Uhr- und Jahreszeit auf der Wolfswiese. Übrigens ist es Sommer, aber auf etwa 1000 m Seehöhe...

 

Premierenauftritt: John Surman

Es ist Surmans erster Auftritt beim Gărâna Jazz überhaupt, aber nicht sein erster Rumänien-Auftritt, da der Musiker vor ein paar Jahren auch in Bukarest gespielt hatte. Viel erinnert sich der Saxophonist nicht mehr darüber, da er damals eine lange Tour abgespult hatte.

Ich warte weiter und frage den inzwischen im Lokal aufgetauchten Musikologen Florian Lungu, der jedes Jahr auch das Wolfsberger Jazzfestival moderiert, nach der Besonderheit dieses Künstlers. Dazu Lungu: es seien Surmans Solo-Alben.

Tatsächlich sollte sich das Warten gelohnt haben. Nach dem Konzert ist John Surman wie verwandelt. Publikumserfolg, tosender Beifall – alles passt. Lächelnd und (selbst?)zufrieden erscheint der Jazzer Backstage. Wer hat aber noch nach Mitternacht Lust auf ein kurzes Interview?

Ich frage den Musiker trotzdem. Nur drei Minuten, bitte! Überraschenderweise sagt er zu. Er geht in die Kulissen, kehrt zurück, verteilt Autogramme und wendet sich mir zu, sieht auf seine Uhr und sagt: „Sie haben ab jetzt drei Minuten.“ So erhalte ich an diesem Abend ein Exklusivinterview, denn alle anderen Medienvertreter waren längst verschwunden. Oder hatten keine Lust mehr dazu.

 

Von Oratorien zum Jazz

Der britische Komponist und Multi-Instrumentalist John Surman ist 1944 in Tavistock, Devon (England) geboren. In seiner Kindheit hatte er eine Sopranstimme und sang Oratorien im Schul- und Kirchenchor. Im Teenageralter verliert er seine Gesangstimme und wechselt auf ein Musikinstrument um. „Ich brauchte Musik und wählte die Klarinette, da sie billiger war. Es war mir egal, was es war, so lange ich spielen konnte“, sagt Surman. Dann, ungefähr ein Jahr später, „als ich es mir leisten konnte, kaufte ich mir ein Baritonsaxophon“. In dem selben Alter entdeckte er den Blues und den Jazz. Später, am London College of Music, studierte er dann in der Klarinettenklasse, denn damals enthielt ihre Curricula noch keine Saxophonklassen.

Bereits in den 1960er Jahre erweist er sich als ein Meister des Bariton- und des Sopransaxophons, sowie der Bassklarinette. In den 1970er Jahren gründet er eine der ersten Bands, die nur aus Saxophonisten bestand, die „S.O.S“ mit Mike Osborne (Altsaxophonist) und Alan Skidmore (Tenorsaxophonist). 1972 beginnt er mit dem Synthesizer zu experimentieren und veröffentlicht „Westering Home“, eines seiner ersten Soloprojekte.

„In den 1970er Jahren begann ich mich für das, was wir heute Multitraking nennen, zu interessieren, als die ersten Kassettenrekorder erschienen und man drei oder vier Traks aufnehmen konnte, begann es mich zu interessieren, was passieren würde, falls ich drei Bassklarinetten spielen würde“, erklärt Surman. Beim Gărâna-Jazzfestival 2013 spielte er auf der Bassklarinette und auf dem Sopransaxophon.

Außerdem komponiert Surman Film- und Theatermusik, aber auch Tanzmusik. Seine Inspirationsquellen sind verschieden: „Es hängt ab, an was man gerade arbeitet, beim Tanz ist es vielleicht die Choreographie, beim Film ist es der Film selbst, ansonsten sind es die Menschen, mit denen man arbeitet. Es ist unterschiedlich“, schließt der Komponist.

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