„Das letzte Kapitel wurde noch nicht geschrieben“

Ein exklusives ADZ-Gespräch mit Dr. Michael Kraus, geschäftsführender Gesellschafter der Donau-Finanz, über die Privatisierung der Güterbahngesellschaft CFR Marfă

Freitag, 28. Juni 2013

Einer der am internationalen Wirtschaftsparkett einflussreichsten Österreicher und ein langjähriger Freund Rumäniens, selbst Großinvestor im Landbau in der Gegend des Kreises Temesch/Timis, ist der geschäftsführende Gesellschafter der Donau-Finanz, Dr. Michael Kraus, geboren 1947. Mit ihm führte Dr. Alex Todericiu ein exklusives Gespräch für die ADZ-Leser über die erstaunliche Art, wie im Jahre 2013 in der EU der Zuschlag bei der Privatisierung der Güterbahngesellschaft CFR Marfă einem Bieter erteilt wurde, dessen verbindliches Angebot den Ausschreibungsbedingungen nicht entsprach. Und dennoch gibt es Hoffnung: Ein europäisches Bahnprojekt von Dr. Michael Kraus aus Wien könnte die Rettung für die marode CFR Marfă sein und Tausende Arbeitsplätze erhalten!

Dr. Michael Kraus gab am 21. Juni folgende Presseerklärung zum Privatisierungsverfahren der Gütersparte der Rumänischen Bahn ab: „Die Donau-Finanz hat gemeinsam mit ihrem Konsortialpartner Transferoviar Grup zu dem dafür vorgesehenen Termin am 19. Juni 2013 doch kein verbindliches Angebot abgegeben, da das mit der Privatisierung beauftragte Transportministerium dem Ersuchen nach Fristverlängerung nicht nachgekommen ist. (...) Es bleibt jetzt abzuwarten, wie die zuständigen Instanzen in dieser Angelegenheit endgültig entscheiden werden.“


Rumänien hat seine Güterbahnsparte am 21. Juni, kurz vor dem IWF-Treffen, zu 51 Prozent privatisiert. Bei CFR Marfă scheint es so, dass nun die Weichen auf Grup Feroviar Român (GFR) stehen. Überrascht Sie diese Entscheidung?

Diese Entscheidung ist deswegen überraschend, weil das von GFR abgegebene Angebot eindeutig nicht den Ausschreibungsbedingungen entsprach. Eine Stundung des Kaufpreises wie sie in diesem Angebot enthalten war, ist in den Bedingungen nicht vorgesehen. Wir gehen davon aus, dass diese Angelegenheit noch zu prüfen sein wird und wir haben uns auch alle rechtlichen Schritte vorbehalten.

Transferoviar Grup und Ihre Donau-Finanz sind schon vor Tagen aus der Privatisierung ausgestiegen, haben kein endgültiges Angebot abgegeben und sind somit leer ausgegangen. Warum ist das so gelaufen?

Wir sind nicht aus der Privatisierung ausgestiegen, sondern wir hatten um eine Verlängerung der Due Diligence-Prüfung angesucht, da bei einer so komplexen Situation, wie sie die CFR Marfă darstellt, es nicht wirklich möglich ist, ein seriöses Angebot abzugeben, bevor man nicht die Möglichkeit hat, eine Reihe von genauen Untersuchungen durchzuführen. Dieses Ansuchen nach Fristverlängerung wurde uns bedauerli-cherweise abschlägig beschieden, weswegen wir im Bewusstsein voller Verantwortung zu dem vorgesehenen Termin kein verbindliches Angebot abgegeben haben.

Ist da was schief gelaufen, Ihrer Meinung nach? Hat die berüchtigte Bukarester Politik da in die Suppe gespuckt?

Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen Bosheitsakt der rumänischen Politik handelt, man muss ja berücksichtigen, dass die Regierung unter erheblichem Druck des IWF und der EU-Behörden steht und deswegen alles Mögliche getan hat, diese Termine auch zu erreichen. Natürlich wäre es sinnvoller, vielleicht doch eine Erstreckung des Verfahrens auf dieser Ebene zu verhandeln. Wichtig für den rumänischen Staat ist ja hoffentlich auch der Umstand, dass die Zukunft der CFR Marfă bedeutend wichtiger sein sollte als nur der Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung. Hier geht es um die potenzielle Teilnahme Rumäniens an einem bedeutenden europäischen Bahnprojekt, das von unserem Konsortium vorbereitet wurde.

Geben Sie uns bitte Details zu diesem europäischen Bahnprojekt.

Im Zuge der Verstärkung der Wirtschaftsbeziehungen Kontinentaleuropas mit der Türkei und dem Mittleren Osten haben sich einige Initiativen gebildet, die den Güterverkehr von und nach diesen Ländern verstärken sollen. Schon jetzt entstehen neue, bahnorientierte Logistikzentren und Umladestationen in Rumänien und Bulgarien, die sich auf den Warenverkehr von Norden nach dem Süden und von West nach Ost in Richtung Türkei spezialisieren. Unser Konsortium hat mit bedeutenden Bahngesellschaften Zentral- und Nordeuropas und mit Frächtern und Spediteuren erste Kooperationsabkommen geschlossen, für die das Teilstück Rumänien eine bedeutende Rolle spielt.

Der Sieger dieser Privatisierung gehört einem bekannten rumänischen Großinvestor und könnte somit bis zu 80 Prozent des Marktes in Rumänien besitzen. Ist dies EU-konform oder ein weiterer Grund für diejenigen, die diese Ausschreibung anfechten würden?

Natürlich überlegen wir uns auch eine Beschwerde bei den einschlägigen Behörden, denn wir gehen schon davon aus, dass diese Marktmacht von der EU nicht so ohne Weiteres hingenommen werden kann.

Da der Staat immer-hin 49 Prozent der CFR Marfă behält, können, aus Ihrer Sicht, die über zehntausend Arbeitsplätze der Eisenbahner wirklich gerettet werden, egal wer die Firma übernimmt?

Es ist ohne Zweifel notwendig, CFR Marfă umzustrukturieren und wichtig ist in diesem Zusammenhang, ein Maximum an Sicherheit für möglichst viele Arbeitsplätze zu erzeugen. Ob das für alle gilt, die jetzt beschäftigt sind, muss noch genauer geprüft werden.

Bei CFR Marfă geht es um eine unrentable Firma mit schlechtem Ruf bei ihrer rumänischen Kundschaft. Sie aber mit Ihrer Donau-Finanz betreiben seit Jahren erfolgreiche Geschäfte in Rumänien. Ist Ihnen die holprige CFR-Marfă-Privatisierung die ganze Mühe eigentlich wert?

Wir haben in unserer Bietergemeinschaft einen sehr kompetenten, erfolgreichen und fairen Partner und wir haben darüber hinaus eine ganze Reihe von Kooperationsabkommen mit anderen europäischen Bahnunternehmen vorbereitet, die sicherstellen würden, dass wir eine erfolgreiche Restrukturierung und Neupositionierung der CFR Marfă zustande gebracht hätten.

Da wir davon ausgehen, dass das letzte Kapitel noch nicht geschrieben wurde, halten wir unseren bisherigen Aufwand für wichtig und wertvoll.

Kennen Sie Herrn Gruia Stoica persönlich? Was halten Sie so von ihm? Hat er wirklich so viel Geld, um die rumänischen Bahnen zu kaufen?

Ja, ich kenne Herrn Stoica persönlich und möchte mich dazu nicht weiter äußern...

Wie geht es jetzt mit der Transferoviar Grup und Ihrer Donau-Finanz weiter in Rumänien. Berufung einreichen oder ade sagen?

Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten prüfen und für den Fall, dass das jetzt vorliegende Ergebnis aufgehoben werden sollte, stehen wir weiter zur Verfügung.

Premierminister Victor Ponta hat im rumänischen Fernsehen gemeint, dass es gut sei, dass ein rumänisches Unternehmen bei dem Verfahren um die CFR Marfă den Zuschlag erhalten hat. Ist da mein Eindruck richtig, dass eigentlich die österreichische Zugehörigkeit Ihres Unternehmens gemeint war?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Premierminister Ponta hier eine Ausgrenzung eines österreichischen Unternehmens beabsichtigte, da er als Freund der Österreicher und der österreichischen Unternehmen bekannt ist und die Partnerschaft mit einem österreichischen Unternehmen für die CFR Marfă ja kein Nachteil, sondern, unserer Meinung nach, ein besonderer Vorteil wäre. Damit wäre nämlich sichergestellt, dass eine Restrukturierung in eine europäische Ordnung rasch zu Wege gebracht werden könnte.

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