Das Rennen hat begonnen

Temeswar kandidiert offiziell für den Titel „Kulturhauptstadt Europas“

Freitag, 04. Januar 2013

Ein Ausnahmekonzert wie schon lange nicht mehr: Der amerikanische Jazz- und Fusion-Gitarrist Mike Stern trat zusammen mit dem indischen Perkussionisten Trilok Gurtu auf. Foto: Zoltán Pázmány

Sie hat ihren Hut in den Ring geworfen: Vertreter aus Kultur, Wirtschaft und Politik unterzeichneten am 20. Dezember eine Charta zur Unterstützung der Kandidatur Temeswars für den Titel „Kulturhauptstadt Europas“. „Wir ehren am 20. Dezember die Märtyrer der Revolution, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben ließen“, meinte Bürgermeister Nicolae Robu bei der Unterzeichnung. „Darum wollen wir heute unsere Bewerbung öffentlich ankündigen.“ Mit Temeswar als Revolutionsstadt möchte man ins Rennen gehen. Das soll auch das neue Motto „Revolutionary TM“ unterstreichen. „In unserer Stadt wurde der Funke angezündet, der am 21. Dezember auf Bukarest übersprang“, meinte Robu.

Doch nicht nur als Sinnbild für die Revolution von 1989 soll Temeswar stehen. Auch ihre Multikulturalität und Multiethnizität wurden als Aushängeschilder aufgeführt. Hier hätten schon immer Rumänen, Ungarn, Deutsche und Serben harmonisch zusammengelebt. Man habe sich in der Region in Toleranz geübt, als das Thema noch nicht die gleiche Tragweite besaß, die sie heute hat. Darum wäre die Stadt nicht nur ein Beispiel für Rumänien und Europa, sondern auch für die ganze Welt.

Weiterhin sprach Robu von Temeswar als ein bedeutendes Wirtschaftszentrum für die Region und als eine Stadt der Innovationen. Immer wieder erwähnte er als Beispiele geschichtliche Errungenschaften. Sie seien die Gründe, weshalb Temeswar den Titel verdienen würde.

Doch eine reiche Geschichte wird nicht ausreichen, um der Stadt den Titel zu sichern. Darüber sind sich die Vertreter des Vereins „Temeswar Kulturhauptstadt Europas“ einig. Die gegenwärtigen Probleme der Stadt müssen in den nächsten zwei Jahren bewältigt werden. Auch Robu sprach von dem problematischen Zustand der Altstadt, die dringend saniert werden müsste und der ineffizienten Infrastruktur. Auch die Roma-Frage wird die Stadt und den Verein auf die Probe stellen. 

Fest steht, dass die Zeit drängt und der Kulturverein, der um die Kandidierung der Stadt zuständig ist, steckt in einer konstanten Krise. Zu viele Köpfe versuchen unterschiedliche Lösungen zu finden und bisher kamen die Mitglieder selten auf einen gemeinsamen Nenner.

Bei der Unterzeichnung der Charta nahmen auch die Bürgermeister aus den Städten Deva, Hatzfeld/Jimbolia und Gataja/Gătaia sowie die stellvertretenden Bürgermeister aus Caransebesch und Reca{. Seitens der Vertretung der Europäischen Kommission in Bukarest beteiligte sich Laura Acsah Radu.

Temeswar soll 2021 die Region repräsentieren. Man möchte das geschichtliche Banat in den Vordergrund rücken. Darum reisten auch Vertreter der serbischen Städte Neusatz/Novi Sad und Großbetschkerek/ Zrenjanin. Sie unterzeichneten ebenfalls die Charta, womit die engere Zusammenarbeit zwischen den Städten in den nächsten Jahren gefestigt werden sollte.

Auch die zwölf Konsuln in Temeswar unterzeichneten das Dokument sowie die Stadträte und die stellvertretenden Bürgermeister.

Im Anschluss an die feierliche Unterzeichnung im Sitzungssaal des Stadtrates fand im Nationaltheater eine Gala statt.

Zwei weltweit erfolgreiche Jazzmusiker jammten auf der Bühne gemeinsam: Der US-amerikanische Jazz- und  Fusion-Gitarrist Mike Stern und der indische Perkussionist und Sänger Trilok Gurtu heizten eine Stunde lang dem Temeswarer Publikum ein. Begleitet wurden sie von Csaba Toth Bagis Band. Er brachte die beiden Weltstars durch sein Projekt „Balkan Union“ zusammen.

Auf dem Opernplatz fand zeitgleich das Jubiläumskonzert der Musikgruppe Phoenix statt. Vor 50 Jahren wurde die temeswarer Band gegründet und machte sich mit Liedern wie „Andrii Popa“ und „Mugur der Fluier“ einen Namen.

Vor dem „Balkan Union“-Konzert hielt Nicolae Robu eine Festrede. Er sprach erneut die gleichen Punkte an, wie bei der Unterzeichnung der Charta.

Temeswar als Revolutionsstadt und als eine Stadt der Veränderung – so möchte sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen. „Wir wollen unsere Hausaufgaben machen“, meinte Robu in seiner Ansprache. „ Aber wir wagen zu hoffen und wir machen es mit der Zuversicht, dass wir etwas haben, wofür wir hoffen können.“ Temeswar müsse ab 2013 ihre kulturelle Agenda zielstrebig vorantreiben und reicher gestalten.

„Ich hoffe, dass unsere harte Arbeit und Anstrengungen Früchte tragen werden und dass wir aus diesem Wettbewerb siegreich hervorgehen“, meinte Robu zum Schluss. „ Denn Temeswar verdient es, Kulturhauptstadt Europas zu werden.“ 

 

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