Das Sachsentreffen hielt was es versprach

Die „Burzenländer Hauptstadt“ erwies sich als hervorragender Gastgeber

Donnerstag, 22. September 2011

Eine der Höhepunkte des Sachsentreffens war der Aufmarsch der Tanzgruppen am Alten Marktplatz.
Foto: Hans Butmaloiu

Auf der Bühne im Festzelt kamen sowohl die Tanzgruppen als auch ihre schönen Trachten voll zur Geltung.
Foto: Waldemar Stadler

Die ersten zwei Kunden am frühen Samstagmorgen lassen sich stolz fotografieren: Anlässlich des Sachsentreffens konnte am Samstag auch die Verkaufsausstellung „Aus der Werkstatt der Handarbeitskreise“ besucht werden. Im Honterus-Lyzeum stellten Handarbeits- und Nähkreise aus Hermannstadt, Kronstadt (Deutsches Forum und Kirchengemeinde Bartholomä), Mediasch, Sächsisch Regen, sowie aus Deutschland ihre Arbeiten aus.
Foto: Christine Chiriac

Ein wunderschöner Septembertag war der Samstag für all jene, die sich entschlossen hatten aus dem Burzenland, aus den Städten und Gemeinden Siebenbürgens oder sogar aus Deutschland nach Kronstadt zu fahren, wo erstmals in der 21-jährigen Tradition der Sachsentreffen dieses in der Zinnenstadt  ausgetragen wurde.

Erster gemeinsamer Treffpunkt an diesem Herbsttag mit sommerlichem Wetter war der Honterushof der Schwarzen Kirche. Die Klänge der Burzenländer Blaskapelle, die blau-roten senkrechten Flaggen an der Kirche und dem gegenüberliegenden Honteruslyzeum kündigten den Feiertag den zahlreichen Teilnehmern an, die von nah und fern zur Schwarzen Kirche gekommen waren.

In der Kirche, wie  an diesem Tag auch auf den Straßen, am Marktplatz, im Festzelt fiel die große Zahl der in Festtracht Gekleideten auf. Es waren nicht nur die Mitglieder der Blaskapellen oder der Tanzgruppen, die in Tracht erschienen,  sondern auch die Mitglieder der Delegation der Regionalgruppe Burzenland der Heimatortsgemeinschaften aus Deutschland, viele Frauen und Männer, sowohl ältere als auch jüngere Jahrgänge, aus verschiedenen siebenbürgischen Ortschaften oder aus Deutschland kommend.

Die siebenbürgisch-sächsische Tracht kam als Identitätssymbol voll zur Geltung – diesmal besonders aktuell, da ja das Motto des Treffens direkten Bezug zum Begriff Herkunft hatte.

Nachdem der Kronstädter Dechant und Stadtpfarrer Christian Plajer die zahlreichen Festgottesdienstbesucher begrüßte (für die auch zusätzliche Stuhlreihen bereitstanden), bezog sich Bischof Reinhart Guib in der Festpredigt aus theologischer Hinsicht auf die Frage nach Herkunft, Sinn und Zukunft insbesondere in Hinblick auf die so wechselvolle über 8 Jahrhunderte alte Geschichte der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft.

Für die musikalische Begleitung des Gottesdienstes wurden zusätzlich zu den Kirchenliedern eine Orgelkomposition von Rudolf Lassel (an der Orgel: Eckart Schlandt) gewählt, sowie zwei der bekanntesten Lieder desselben Kronstädter Komponisten, beide in der Darbietung des Kronstädter Bachchores.

Am Kirchhof bildete sich anschließend der Festzug bestehend aus den Blaskapellen, den Tanzgruppen sowie den Teilnehmern die gern der Aufforderung folgten, sich nicht unbedingt nach ihrem Heimatort gruppiert aufzustellen. Die von der Burzenländer Blaskapelle angeführte Kolonne in der gut die neuen Wappenschilder der Burzenländer  Ortschaften zu erkennen waren, begab sich zum nahen Alten Marktplatz.

Unter Blasmusik-Klang fand da der Aufmarsch der Volkstanzgruppen statt, was sofort die allgemeine Aufmerksamkeit an dieser historischen Stätte der Kronstädter Inneren Stadt erregte. Für gut eine halbe Stunde zogen die Tanzensembles aus Hermannstadt/Sibiu („Brukenthal“), Bistritz/Bistriţa, („Regenbogen“) Schäßburg/Sighişoara (Tanzgruppe des Jugendforums), Neumarkt/Tg. Mureş („Sonnenschein“) aus Sächsisch-Reen /Reghin und Zeiden/Codlea sowie aus der Gastgeberstadt („Korona“) alle Blicke auf sich. Es wurde viel gefilmt und geknippst, leider manchmal auch von einem rücksichtslosen Vordrängen begleitet. 

Genau um zwölf Uhr folgte der Höhepunkt dieser Festzug-Station: Nach dem Glockenschlag vom Rathausturm, den Kanonensalven von der Warthe und dem gewohnten Musiksignal der Turmbläser wurde gemeinsam „Siebenbürgen, Land des Segens“ gesungen – jenes Lied das oft als inoffizielle Hymne der Siebenbürger Sachsen bezeichnet wird und das nun wohl seit vielen Jahren nicht mehr an dieser Stelle in dieser Art und Weise erklang.

Leider war ein guter Teil des Marktplatzes mit einer großen Freiluftbühne und einer Zuschauertribüne besetzt, die am Vorabend für eine Pop-Rock-Show genutzt wurden und die nicht mehr, trotz anders lautenden Versicherungen, fristgerecht abgebaut und entfernt werden konnten. Das schöne Wetter, viel Publikum und spontaner Beifall der Passanten mögen wohl diesen Schönheitsfehler schnell vergessen gemacht haben.

Mit der Burzenländer Blaskapelle an der Spitze gefolgt von zwei Fahnenträgern (blau-rote Flagge und die Fahne mit dem Burzenländer Wappen) und dem Burzenländer Wappenschild  begab sich der Festzug über den Rossmarkt, die Beethovenzeile durchs Waisenhausgässer Tor und den oberen Teil der Waisenhausgasse zum Sportplatz des Sportlyzeums. Dabei spielten abwechselnd „Die Burzenländer Blaskapelle“ (Leiter: Vasile Glăvan), die „Gemischte Burzenländer Blaskapelle“ aus Deutschland unter der Führung von Klaus Knorr, das von Hans Groza geleitete Bläserensemble Karpaten-Show aus Bukarest und die Bistritzer Blaskapelle „Harmonie“ (Dirigent: Cornel Moldovan).

Am Sportplatz standen eine Hälfte des  großen Doppelfestzeltes, Bänke und Tische sowie die gesamte Logistik fürs leibliche Wohl des zahlreichen Publikums, der Ehrengäste und der Mitwirkenden. Dank der guten Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wirtschaftsklub Kronstadt (DWK), einigen DWK-Mitgliedsfirmen sowie mit dem vom Kreisrat betriebenen Tourismusförderungsamt konnte nun diese Infrastruktur, die genau vor einer Woche fürs „Kleine Oktoberfest“ genutzt wurde, fürs Sachsentreffen zur Verfügung gestellt werden.

Von der Festbühne im Zelt  begrüßte der Vorsitzende des Siebenbürgenforums Dr. Paul Jürgen Porr herzlichst die Teilnehmenden und bat die Ehrengäste ans Mikrophon. Von deutscher Seite richteten Grußbotschaften aus: der Parlamentarische Staatsekretär im Bundesministerium der Finanzen, Hartmut Koschyk (auch im Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel), der Landtagspräsident Hessens, Norbert Kartmann ,und Botschafter Andreas von Mettenheim.

Die Kronstädter Lokalbehörden waren durch ihre Leiter vertreten: Es sprachen Kreispräfekt Ion Gonţea, Kreisratvorsitzender Aristotel Căncescu und Bürgermeister George Scripcaru. Seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland übermittelten Grußworte der stellvertretende Bundesvorsitzende Rainer Lehni, der Vorsitzende des Verbandes der Heimatortsgemeinschaften (HOG), Michael Konnerth, und der Vorsitzende der Regionalgruppe Karl Heinz Brenndörfer.

Von österreichischer Seite kamen Grußworte, die der Gesandte an der österreichischen Botschaft in Bukarest, Dr. Jürgen Heissel, und der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Manfred Schuller, ausrichteten. Der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland wurde von Wilhelm Spielhaupter in der Liste der Gratulanten vertreten, während Dr. Klaus Fabritius, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Regionalforums Altreich, die Grüße der anderen rumäniendeutschen Regionalforen ausrichtete.

In der Großstadt Kronstadt konnten die Sachsen an ihrem Treffen mit Stolz an ihre Geschichte erinnern und beweisen, dass ihnen Tradition und Kulturerbe viel bedeutet. Hoffentlich prägt das tatsächlich ihre, trotz verschiedener Staatsbürgerschaften, gemeinsame  Zukunft, so wie es im  Motto des Treffens hieß.

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