Das schönste Spiel von allen – das Schauspiel

Porträt des Schauspielers Vlad Logigan

Sonntag, 21. Februar 2016

Schauspieler aus Leidenschaft: Vlad Logigan

Vlad Logigan ist ein junger Mann, der das Theater liebt. Ein Mann, der Theater und Schauspiel liebt. Als Kind hat er den vom Kinderpalast aus Jassy organisierten Theaterkurs besucht. Kurz vor seiner Aufnahmeprüfung ins Gymnasium wurden Theaterklassen an Gymnasien in Bukarest, Jassy und Klausenburg eingeführt. Logigan meldete sich am Kunstgymnasium in Jassy an und setzte gleichzeitig den dortigen Theaterkurs fort. So kam er auf den Gedanken, die Aufnahmeprüfung auf eine Theaterhochschule abzulegen.

Für einen Jungen aus Jassy war das ein mutiger Entschluss, zumal jedermann wusste, dass eine solche Prüfung sehr schwer zu bestehen ist. Aus Angst, es vielleicht nicht schaffen zu können, beschloss Logigan, sich zuerst für die Schauspielprüfung an der Klausenburger Hochschule anzumelden. Diese fand vor der Zulassungsprüfung in Bukarest statt. Gleich nach dem Abitur packte ihn erneut die Angst. Der Wunsch, Schauspielkunst zu studieren, klammerte sich so fest an ihn, dass er jedem Misserfolg entgegenwirken wollte und sich vorsichtshalber nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C ausdachte. Folglich meldete er sich für die dritte Aufnahmeprüfung an, und zwar an der Hochschule für Schauspielkunst in Jassy. Drei Aufnahmeprüfungen, drei Hochschulen, drei Städte, aber dasselbe Ergebnis: Logigan bestand alle drei Prüfungen als Erster auf der Liste mit der besten Durchschnittsnote und konnte sich somit, wie gewünscht, für Bukarest entscheiden.

Nach dem Studium besuchte Logigan einen Masterlehrgang. Er unterrichtete zunächst als Hilfsassistent. Im Rahmen der Doktorandenschule an der UNATC forschte er für seine Dissertation zum Thema „Shakespeares Triade Clown, Narr, Verrückter. Die grundlegende Quelle zur Formung des modernen Schauspielers.” Während der Studienzeit nahm der junge Schauspieler an sehr vielen Theater- und Schauspielworkshops sowie an Festivals teil. Unter den Personen, denen er seinen beruflichen Werdegang verdankt, erwähnt er David Esrig, Teo Corban, Gelu Colceag (sein Lehrer in Bukarest) und Yuri Kordonsky, mit dem er an „Schuld und Sühne” zusammengearbeitet hat.

Bei den ersten Castings war der junge Schauspieler sehr aufgeregt. Er wollte unbedingt beweisen, dass er begabt ist. Leider vergaß er, wie er selbst berichtet, dass es bei einem Casting nur darum geht, für die bestimmte Rolle geeignet zu sein, und dies entsprechend der Vision des Regisseurs. Heute gesteht er: man kann bei einem Casting für den Narren aus „König Lear“ mitmachen und die Rolle nicht bekommen, aber das bedeutet nicht, dass die Rolle nicht passend ist, sondern dass der Regisseur einen anderen Typus sucht. Bei einem Casting ist immer die Rede von einem gewissen Kontext. Heutzutage geht er nicht mehr so oft zu Castings, er ist selektiv. Er muss fühlen, dass ihm die Rolle passt, oder dass es anregend wäre, mit dem betreffenden Regisseur und der Besetzung zusammenzuarbeiten.

Wie funktioniert das Castingprinzip? Man meldet sich bei Castingagenturen an, und wenn der Regisseur meint, der bestimmte Schauspieler passt für die Rolle, dann wird derjenige zu einem Casting eingeladen. Nach dieser ersten Phase folgt die nächste, man wird wieder gerufen. Und das geschieht manchmal ziemlich oft, bist man die Rolle bekommt ... oder man bekommt sie eben nicht und geht zu einem anderen Casting.

Wenn es um Castings für Filme geht, dann ist das ein bisschen anders. Sehr oft passiert es, dass das Drehbuch auf einen bestimmten Schauspieler zugeschnitten verfasst wird. Das bedeutet, der Regisseur verbindet die Hauptfigur mit dem Schauspieler und schreibt gezielt für diese Person. Natürlich gibt es auch Nebenrollen, bei denen der Regisseur nicht schon vorher an die Besetzung denkt. Logigan erzählt von einem Casting für ein Theaterstück, bei dem er selber nicht der Meinung war, dass er für die Hauptrolle geeignet ist, obwohl der Regisseur sich von seiner Interpretation begeistert zeigte. Diese Begeisterung führte dazu, dass er extra für Logigan eine Rolle in dem Stück schrieb, obwohl dies vorher nicht so gedacht war.

Die erste Erfahrung in einem Spielfilm war in der Rolle des Dirigenten im Film „Hochzeit in Bessarabien” (Nuntă în Basarabia) in der Regie von Nap Toader, 2009. Eine große Herausforderung für den jungen Schauspieler. Schauspiel im Theater ist in vielerlei Hinsicht völlig verschieden vom Schauspiel im Film. Für rumänische Schauspieler ist es meistens schwer, in Filmen aufzutreten, weil es hierzulande keine Schauspielschule für Film gibt. Man lernt praktisch am Drehort, Bild für Bild. Nach dieser Erfahrung folgten verschiedene Nebenrollen in anderen Spielfilmen und Kurzfilmen, im Fernsehen und natürlich in „Selfie”, dem meistgesehenen rumänischen Film 2015, von dem dieses Jahr die Fortsetzung kommt.

Logigan erinnert sich noch, wie er nach 18 Stunden Dreharbeiten für „Selfie”, ohne zu schlafen, in einem Theaterstück spielen musste. Und das geschieht mit den meisten Schauspielern. Kann man aber von Aufopferung in diesem Beruf sprechen? Vlad Logigan antwortet: Wenn man ein Kind auf dem Spielplatz fragt, ob es sich aufopfert, wenn es spielt, dann blickt es einen mit großen Augen an und sagt: Wie soll das Spielen ein Opfer sein? Es macht doch Spaß! Ohne Deutsch zu sprechen, stellt Logigan einen wunderschönen Vergleich an (und gleichzeitig ein Wortspiel!) zwischen dem Spiel des Kindes und seinem eigenen Spiel – dem Schauspiel.

Jede Rolle bringt neue Herausforderungen, weil es anfangs darum geht, aus einer Figur, die nicht existiert, sondern nur aus Worten auf einem Blatt Papier besteht, einen reellen Menschen zu gestalten, den man anschauen und mit dem man Mitgefühl haben kann. Zu den größten Herausforderungen zählt vielleicht die Rolle von Don in „Fluturii sunt liberi” („Schmetterlinge sind frei“). Als er den blinden Don spielte, war er viel jünger. Einen Blinden zu spielen, der das Publikum zum Lachen, aber auch zum Weinen bringen kann, war gar nicht einfach. Als Schauspieler muss man sich schließlich mit der Figur identifizieren, und dies führt zu einem Gedankenaustausch zwischen Schauspieler und Figur, man findet Parallelen zwischen deren Gefühlswelten.
Logigan meint, wenn er sich selber nicht überzeugen kann, dass er diese Figur ist, wie könnte er hunderte von Menschen überzeugen, die im Publikum bei einer Theatervorführung im Saal sitzen. Dahinter steht ein ganzer Prozess: man muss als Schauspieler recherchieren, Literatur aus der jeweiligen Epoche lesen, psychologische Studien untersuchen, zutreffende Musik hören. Für eine andere Rolle musste er magische Tricks lernen, also eine physische Aktivität erlernen. Andere Rollen verlangen wiederum eine langwierige innere Wandlung, wie z.B. die Rolle von Raskolnikow.

Dennoch träumt Logigan nicht von einer bestimmten Rolle. Als er Student war, hat er sich innigst eine Rolle gewünscht. Und er hat sie tatsächlich auch bekommen. Jedoch besteht ein riesengroßer Unterschied zwischen dem, was man sich im Vorhinein ausdenkt, und wie die Rolle letztendlich ausfällt laut Vorstellung des Regisseurs. Deshalb hat Vlad Logigan beschlossen, sich über jede Rolle zu freuen und das Beste daraus zu machen.

Zwischen Film und Theater wählt er das Theater, weil dessen Lebendigkeit spektakulär ist. Der Saal atmet zusammen mit den Schauspielern. Vor jeder Aufführung gibt es Aufregung, weil etwas Spannendes passieren wird. Logigan vergleicht dies mit der Vorbereitung auf einen Tanz mit jemandem. Man weiß nicht, wie es sein wird, aber man wünscht sich, es wird ein schöner Tanz sein, ein interessanter Tanz, an den man sich lange Zeit danach erinnern wird. Beim Film ist es anders: die Dreharbeiten sind Monate vor der Premiere beendet. Da kann man nichts mehr machen, vielleicht nur enttäuscht von der eigenen Interpretation sein, oder sich freuen, dass das Schauspiel die Rolle gut unterstützt hat.

Das Schauspiel ist eine permanente Prüfung. Sei es ein Casting für Rollen, die man sich wünscht, sei es ein Theaterstück, bei dem man kontinuierlich ein neues Publikum von der Geschichte überzeugen muss. Eine prägende Hauptrolle allein schafft es leider nicht, rumänische Schauspieler aus der Anonymität zu heben. Es garantiert keine weiteren Projekte. Man muss viele gute Rollen liefern, viele Erfolge haben, die als Garantie dafür dienen, dass man dir eine neue Rolle anvertrauen kann.

Jeder kann zum richtigen Zeitpunkt einen wichtigen Ratschlag geben bzw. entgegennehmen. Man muss nur dafür offen sein. Logigan hat eine seiner Rollen besser verstehen können, weil ein alter Feuerwehrmann ihm während der Zigarettenpause des Theaterstücks einige Fragen gestellt und Meinungen über das Stück verraten hat. So wurde Logigan klar, was er falsch gemacht hatte, so dass er seine Interpretation verbessern konnte. Manchmal kann es also sein, dass ein Mensch mit einem komplett anderen Beruf nützlicher ist als der Regisseur selbst.

Vlad Logigan tritt auf mehreren Bühnen in mehreren Theaterstücken auf. Zurzeit kann man ihn in „Crimă şi pedeapsă” (Schuld und Sühne) im Bulandra-Theater, „O noapte furtunoasă” (Eine stürmische Nacht) im Theater Elisabeta, „Ţarul Istvan îşi schimbă meseria” (Zar Istvan ändert seinen Beruf), „Tarelkin”, „Ibrahim şi florile din Coran” (Ibrahim und die Blumen des Korans) im Metropolis-Theater und „Testosteron” im Godot-Theater sehen. Nebenbei unterrichtet er Theaterpädagogik im Masterlehrgang an der UNATC „I. L. Caragiale“ in Bukarest.

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