Das Stadtsymbol in der Diskussion

Stadtrat Reschitza debattierte wieder mal über Industrieseilbahn

Mittwoch, 03. April 2013

Umbauen oder Abreißen – mit der Industrieseilbahn im Zentrum von Reschitza muss etwas geschehen, auch wenn sie (noch) als solide gilt. Foto: wk

Seit der heute als Rentner vorwiegend in Wolfsberg lebende seinerzeitige Stadtarchitekt von Reschitza, [erban Antonescu (er war nach 1990 zeitweilig auch Bürgermeister der Stadt), zu Beginn der 80er Jahre erklärt hatte, die Industrieseilbahn, die das Bersau-/Bârzava-Tal im Raum des damals neugeschaffenen Stadtzentrums überquert, sei das stärkste stadtprägende Symbol von Reschitza, seither gibt es in der Öffentlichkeit Dispute um Sinn und Unsinn des Metallbaus aus den 1960er Jahren. Vor allem ab 1990, seit die Industrieseilbahn still dahin rostet, weil die Erzeugung von Grauguss in den Hochöfen von Reschitza eingestellt wurde. Niemand wagt es aber, an ihre Verschrottung zu denken, seit Bürgermeister Mihai Stepanescu erklärt hatte, ein Abriss werde mit seiner Genehmigung nie geschehen können.

Im Rahmen der Tagung des Stadtrats vom vergangenen Dienstag – Hauptthema: Haushalt 2013 (der ziemlich diskussionslos abgenickt wurde) – stand die Frage der Industrieseilbahn nicht auf der Tagesordnung, wurde aber im Dringlichkeitsverfahren auf die Tagesordnung gesetzt und heiß diskutiert.

Den Anstoß dazu gab Ratsherr Viorel Ţurcaş mit der Frage: „Wollen wir die nun oder wollen wir sie nicht?“ Wie immer bei ganz konkreten Fragen die Stadt betreffend musste Vizebürgermeister Ion Crina – er ist der „Feuerwehrmann von Dienst“ in Reschitza, wenn es um schwierige Verhandlungen geht – erst mal die Anwesenden über den aktuellen Stand der Dinge informieren, nachdem vor gut zwei Jahren die Stadt nicht das Geld aufbringen konnte, um die Seilbahn vom Stahlwerk TMK zu kaufen und ein Unternehmer – der heutige Eigner - sie ihr weggeschnappt hat.

„Die Diskussionen mit dem Besitzer sind festgefahren“, wusste Crina zu berichten, „vor allem, weil er ziemlich hohe Geldansprüche hat. Aber wir, der Stadtrat, müssen uns erst mal zu einer Entscheidung durchringen, ob wir überhaupt dieses Objekt wollen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass TMK seinerzeit ein gerichtliches Urteil erzwungen hat, das ihm die Verschrottung der Seilbahn erlaubt.

Und ich habe jetzt so ein Gefühl, dass der gegenwärtige Besitzer der Seilbahn das auch gerichtlich erzielen könnte. Folglich bitte ich die Kollegen Ratsherren, einen Beschluss zu fassen, damit wir wissen, wie wir in Ihrem Namen weiter vorzugehen haben.“

Letztendliche Schlussfolgerung der Diskussionen war dann, dass „wir grundsätzlich für eine Übernahme der Industrieseilbahn sind“, dass aber nach wie vor das Geld dazu fehle.

Wie immer, wenn konkrete Lösungen fehlen, wurde beschlossen, eine Verhandlungskommission ins Leben zu rufen. Außerdem nahm man die Idee des Bürgermeisters Stepanescu auf, eine Bürgeranhörung zum Thema zu organisieren, um möglichst konkret zu erfahren, was die Bewohner der Stadt mit dieser Industrieseilbahn vorhaben. Keine Terminangabe für die Bürgerbefragung/-anhörung.

Bürgermeister Mihai Stepanescu wollte das letzte Wort erteilt bekommen: „Vor zweieinhalb Jahren war ich derjenige, der das Projekt bezüglich der Seilbahn initiiert habe. Die Kollegen Ratsherren von damals haben das nicht für gut befunden, aus welchen Gründen auch immer. Wir haben damals eine geotechnische Studie gemacht. Die besagt, dass die Industrieseilbahn dauerhaft, fest und solide ist und Umwidmungspläne zulässt. Ich würde gern einen Projektwettbewerb zu ihrer Nutzung ausschreiben, aus dem auch hervorgehen sollte, was eine Umwidmung kosten könnte. Ich habe auch mit den damit Betrauten über die Frage der Deklarierung der Industrieseilbahn zum Objekt von lokalem oder regionalem öffentlichen Nutzen/Interesse gesprochen, denn das öffentliche Interesse muss Vorrang haben. Diese Deklarierung kann auch in der Instanz gefordert werden, was den Vorteil hat, dass das Gericht seine Evaluierung durch eine autorisierte Firma einfordern muss. Ins Auge zu fassen ist die Aquirierung europäischer Mittel ab 2014 – aber das muss schon jetzt gründlich vorbereitet werden. Sollte aber von alldem nichts funktionieren, dann muss sie weg – aber das schafft mindestens ebenso viel Diskomfort wie ein Umbau!“

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