Das versteckte Gesicht der Depression

Tabuthema rückte 2017 in den Fokus

Samstag, 06. Januar 2018

Verse, Geschichten und Lieder entstehen im Kampf mit der Depression. Das hilft vielen Autoren, ihre Gedanken zu äußern und so mit ihren Dämonen zu kämpfen. Doch was passiert, wenn Depression doch kein Heilmittel in Kunst finden kann und am Ende Menschenleben fordert? Das Jahr 2017 brachte gerade diese Frage erneut in den Vordergrund und setzte den Fokus auf das Tabuthema „Depression“, nachdem zwei berühmte und beliebte Musiker den Kampf gegen diese Geisteskrankheit verloren und Selbstmord begingen.

Zuerst war es der Tod des Soundgarden-Sängers Chris Cornell, der Fans und Musikwelt erschütterte. Der 52-jährige Musiker starb am 17. Mai 2017 im Alter von 52 Jahren, nachdem er Suizid begangen hatte. Der US-amerikanische Sänger und Gitarrist litt in der Vergangenheit unter schweren Depressionen, Alkohol- und Drogensucht. Auf Cornells Beerdigung sang sein Freund Chester Bennington Leonard Cohens „Halleluja“. Wenige Wochen später starb auch er unter ähnlichen Umständen. Der 41-jährige Leadsänger der Rockband Linkin Park erhängte sich am 20. Juli – an dem Tag, an dem Cornell seinen 53. Geburtstag gefeiert hätte. Der Vater von sechs Kindern litt ebenfalls an Depression und Alkohol- und Drogensucht und spielte schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken.

Beide Rockstars hinterließen trauernde Familienmitglieder und Angehörige sowie Tausende von Fans rund um die Welt. Der Tod der beiden Sänger zeigte der Welt, dass Depression versteckte und unterschiedliche Gesichter haben kann.

Gerade das wollte auch die Witwe von Chester Bennington mit einem Video von ihrem verstorbenen Mann aufzeigen. „Ich zeige euch das, damit ihr wisst, dass Depression kein bestimmtes Gesicht oder eine bestimmte Stimmung hat“, schrieb Talinda Bennington auf Twitter. In dem Video scherzt Chester mit seinen Kindern und probiert Bonbons mit ausgefallenen Geschmacksrichtungen. Er testet ein Bonbon, das nach faulen Eiern schmecken soll – und tut daraufhin so, als müsste er sich übergeben. Seine Kinder und er lachen über den Scherz. Talinda schreibt zu dem Video: „So sah seine Depression für uns aus – nur 36 Stunden vor seinem Tod. Er hat uns sehr geliebt und wir haben ihn geliebt.“

Die Bandmitglieder von Linkin Park haben zu Ehren des verstorbenen Leadsängers unter anderem eine Internetseite veröffentlicht. Dort finden Betroffene und Angehörige Kontaktdaten und Links zu Selbstmord-Präventionsstellen.

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