Das Wichtigste ist der Klang

Zweijähriges Orgelbau- und Orgelrestaurierungsprojekt abgeschlossen

Freitag, 31. März 2017

Jürg Leutert an der neuen Orgel stellt deren Klangqualitäten vor.

Barbara Dutli bietet Botschafter Urs Herren Details über die Orgelbauschule von Honigberg.

In der Schreinerei wird ebenfalls beste Arbeit für den Bau oder Restaurierung der Orgeln geleistet.

Mit Interesse besichtigen die Gäste die Werkstätten.

Nach rund 24 Monaten wurde in festlichem Rahmen, in Anwesenheit zahlreicher Förderer und Freunde, des Botschafters der Schweizerischen Eidgenossenschaft in Bukarest Urs Herren und seiner Gattin,  der  Weiterbildungskurs  für bereits ausgebildete Orgelbauer und Schreiner abgeschlossen. Der Kurs wurde  durch das schweizerisch-rumänische Kooperationsprogramm ermöglicht und mitfinanziert. Seit Bestehen der Orgelbauschule  in Honigberg, getragen von der Stiftung für Berufsausbildung in Rumänien (FPPR), die auf Initiative der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien (SSOR) gegründet wurde und unter deren Schirmherrschaft da Bleibendes geleistet hat, sind in den 13 Jahren junge Rumänen in zwei Berufen, Orgelbauer und Schreiner, in dualem System – 80 Prozent Praxis und 20 Prozent Theorie – ausgebildet worden. Rund 40 junge Leute haben da einen neuen Beruf erlernt, wurden in die Geheimnisse der „Königin der Instrumente“ eingeführt. Im Rahmen des nun abgeschlossenen Projektes  „Professionelles Training für Orgelbauer und Schreiner“, ein Masterclass-Programm, das am 1. April 2015 eingeleitet und am 19. Mai gleichen Jahres in festlichem Rahmen vorgestellt wurde, wurden zwei Projektthemen durchgeführt. Das erste war die technische Ausbildung für fünf fortgeschrittene ehemalige Lehrlinge.

Das zweite war das integrierte Programm zu unternehmerischen Fähigkeiten für drei ausgewählte ehemalige Lehrlinge,  die die Leitung der neu gegründeten eigenständigen Firma SC COT SRL übernehmen und unter der Aufsicht der schweizerischen Orgelbauerin Barbara Dutli diese mit Kompetenz fortführen sollen. Für die Auswahl der Fortbildung wurden schließlich Arpad Magyar, Daniel Popovici, Robert Nagy, Endre Denes und Petrică Mihoc von der Kommission, bestehend aus Ernst Leonhardt, Präsident der Stiftung SSOR, Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer und Barba Dutli bestimmt. Für den Kurs gab es viel Vorbereitungsarbeit, da spezielle Handbücher ausgearbeitet wurden, um den Beteiligten solide Unterlagen zu bieten.  Daraus erhielten diese die theoretischen Anleitungen  für die Restaurierung von historischen Orgeln und Schreinererzeugnissen, erforderliche Dokumentationen in den Bereichen. In den praktischen Kursen wurde der Schwerpunkt auf die pneumatischen Systeme, auf Wind-, Traktur- und Registermechanik gelegt. Zwei Intensivkurse wurden von Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer und Schreinermeister Ulrich Grendelmeier gehalten. Letzterer überbrachte bei dieser Festlichkeit auch den Gruß des Vorsitzenden der Schweizerischen  Stiftung für Orgeln in Rumänien, Ernst Leonhardt, der aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte. Nach dem ersten Jahr erstellte jeder Teilnehmer eine Dokumentation zu einem gestellten Thema aus der Praxis und eine schriftliche Arbeit mit 20 Fragen aus allen theoretischen Fächern.

Weitere Weiterbildungskurse in der Schweiz standen im Februar 2016 auf dem Programm: Orgelrestaurierung in der Praxis, Funktion der Mechanik, Stimmen eines Klaviers, Syntharp, neue Klänge für ein Orgelregister.
Für das zweite Projektthema  entschied gleiche Kommission  für Arpad Magyar, Daniel Popovici und Robert Nagy, die mit der Geschäftsführung, Ausarbeitung des Budgets, Bieten von Angeboten und Kostenkontrolle beauftragt werden. Regelmäßige Brainstorming-Sitzungen fanden statt. Als praktischer Teil wurde von diesen das Budget und der Geschäftsplan für die neue GmbH SC. COT SRL ausgearbeitet. Gleich anfangs wurden für das Projekt zwei Computer und ein sehr wichtiges Stimmgerät für die Orgelprojekte angekauft. Zwei  Verträge  für Orgelrestaurierungen konnten abgeschlossen werden. Einer mit der Kirchengemeinde Neustadt, über deren Wiedereinweihung der Orgel  auch unsere Wochenschrift ausführlich berichtete. Mit der Evangelischen Landeskirche wurde ein Vertrag für die Restaurierung der Orgel in Stolzenburg abgeschlossen.

Anlässlich der kürzlich stattgefundenen Festlichkeit wurde dann die von den jungen Fachleuten neu konstruierte Orgel vorgestellt.  Das Projekt wurde von Ferdinand Stemmer fachlich unterstützt.  Die Orgel  umfasst 354 Pfeifen. Sie wurde selbstständig von den am Projekt beteiligten Teilnehmern realisiert, wobei sowohl die Schreinerarbeit als auch die gesamte Orgelbautechnik erstellt wurden und kann mit gleichen im Westen erstellten  Instrumenten konkurieren kann. Das Projekt, das sich wie betont der professionellen Unterstützung  von Ferdinand Stemmer erfreute, der mit den Beteiligten die Skizzen für die Planung vorbereitete, die Details besprach, ist eine besondere Leistung. „Ein Instrument von Grund auf zu konstruieren ist eine Herausforderung. In einer Orgel wie diese hier, bei der die Normen und technischen Anforderungen einer großen Kirchenorgel entsprechen, braucht es gut durchdachte Lösungen, um auch mit den gegebenen Platzverhältnissen  zurecht zu kommen“ betonte Barba Dutli. Dieses ist zwar eine Hausorgel, erfüllt aber alle Ansprüche einer Kirchenorgel. Anschließend bot der schweizerische Organist Jürg Leutert, gegenwärtig Musikwart der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien eine musikalische Reise mit europäischen Komponisten und schloss mit „Ein feste Burg ist unser Gott“ ab.

 Das Wichtigste an einer Orgel ist deren Klang, und dafür benötigt es Talent,  unterstrich Arpad Magyar, ein Sproß dieser Orgelbauschule, der schon an der Restaurierung und dem Bau mehrerer Orgeln mitgewirkt hat. Beeindruckt wurden die Anwesenden von dem Klang der neu gebauten Orgel, in deren Inneres nach der musikalischen Vorführung auch ein Blick  geworfen werden konnte.  „Das Instrument ist eine wunderbare Leistung“ betonte Botschafter Urs Herren und richtete seinen Glückwunsch an Barbara Dutli, an ihre Mitarbeiter, an die Schweizerische Stiftung  für das da Geleistete.
Für die zahlreichen in- und ausländischen Gäste war auch eine Ausstellung  in der Schreinerei eingerichtet worden, in der verschiedene da erstellte Holzarbeiten vorgestellt wurden, die als wichtige Komponenten einer Orgel dienen.  Anschließend wurde im Pfarrhaus, das von dem Presbyterium der Kirchengemeinde – Kuratorin Erika Popescu – für einen Teil der Festlichkeit zur Verfügung gestellt wurde, der Dokumentarfilm über die Restaurierung der Deutschkreuzer Orgel vorgestellt.

Finanziert von der Michael-Schmidt-Stiftung in der Regie von Andrei Păduraru, wurde man durch diesen in die künstlerische, aber auch schwierige Arbeit eingeführt, die hinter einem solchen Projekt steckt, das auch nächsten Generationen dienen soll. Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer unterstreicht als Sprecher in dem Film, auch die Rolle, die der Kronstädter Orgelbauer Karl  Einschenk bei der Restaurierung nicht nur dieser, sondern auch anderer gleicher Instrumente gespielt hat.  Bei der im Mai 2015 stattgefundenen Festlichkeit in Honigberg, als dieses letzte Projekt gestartet und nun vorgestellt wurde, betonte Reinhardt Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien: „Auch hat die Stiftung entscheidend mitgewirkt, das musikalische Kulturerbe Siebenbürgens für die Zukunft sicht-, erfahr- und hörbar zu machen. Aber es gibt noch viel Arbeit und aus vielen Gemeinden ist ein SOS, betreffend die Überforderung beim Erhalt des Kulturerbes, besonders auch der Orgeln, zu vernehmen. Diesem wollen wir als Kirche mit der SSOR und allen Partnern der hiesigen Orgellandschaft zusammen in der nächsten Dekade vermehrt nachgehen, auf dem Weg zum: ‘Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!’ “  (Ps.150,6)

Ernst Leonhardt, Präsident der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien, betonte bei gleichem Anlass, „Der Handwerksbetrieb in Honigberg hat eine Qualität und ein Image erreicht, welche gute Voraussetzungen für erfolgreiche Tätigkeit in den kommenden Jahren sind. Auch wenn die schweizerische Stiftung SSOR in Zukunft den direkten Einfluss auf das betriebswirtschaftliche Geschehen in der Betriebsgesellschaft COT abbauen wird, so will sie doch auch weiterhin Ausbildung junger Menschen in Rumänien aktiv unterstützen. Die Idee, welche  am Anfang unseres Engagements  gestanden hat, besteht auch heute noch und verdient es, erhalten zu werden.“

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