Das Wirken von Constantin Noica

Vortrag von Mădălina Diaconu über den Religionsphilosophen in Wien

Sonntag, 23. September 2012

In der „Religionsphilosophischen Reihe“ des Otto-Mauer-Zentrums der Erzdiözese Wien fand am Montag, anlässlich des 25. Todestages des rumänischen Philosophen Constantin Noica, der Vortrag „Widerstand durch Kultur? Constantin Noica und das europäische Erbe“ statt. Die Referentin, Univ.- Doz. DDr. Mădălina Diaconu vom Institut für Philosophie der Universität Wien, sprach über das Wirken des bedeutenden rumänischen Religionsphilosophen, ohne dessen Schriften und Lehren sich das heutige Rumänien nicht verstehen ließe und von dem erst kürzlich zwei Bücher auch in deutscher Sprache verlegt wurden.

So wurden „Die Briefe zur Logik des Hermes”, erstmals übersetzt 2011 von Stefan Moosdorf und Christian Ferencz-Flatz, sowie „De dignitate Europae” in der Übersetzung von Georg Scherg (erstmalige Veröffentlichung des Originals in deutscher Sprache 1988 im Bukarester Kriterion Verlag), 2012 von Mădălina Diaconu wiederaufgenommen, herausgegeben und mit einer Einführung versehen. Beide Bände sind in der Reihe „libri nigri” (hg. von Hans-Rainer Sepp) des deutschen Verlags Traugott Bautz (Nordhausen) erschienen.

Der Vortrag, der durch den Feuilletonartikel „Widerstand durch Kultur?“ von Mădălina Diaconu in der Wiener Wochenzeitschrift „Die Furche” vorbereitet wurde, beabsichtigte, Constantin Noica dem österreichischen Publikum vorzustellen und ging hauptsächlich auf vier Aspekte ein: Noicas Programm des sogenannten „Widerstands durch Kultur“ in den 1970er- und 1980er-Jahren, die Biografie Noicas und die Entwicklung seines Denkens, die Noica-Rezeption nach 1989 und schließlich die christliche Dimension seines Denkens. Hervorgehoben wurden u. a. der dialektische Charakter seines Denkens, dessen Komplexität durch einseitige pro- oder kontra-Positionierungen verloren geht, sowie auch sein stetes Plädoyer für eine Kultur des sich gegenseitig befruchtenden Dialogs. Die christliche Dimension seines Denkens wurde anhand von christlichen Leitmotiven beleuchtet, die sein Denken durchziehen, und dialektisch wurden einerseits Noica und Cioran aufeinander bezogen und andererseits Noica und „der andere Noica“, sein Sohn Rafail, der seit 1993 als orthodoxer Mönch in Rumänien lebt.

Constantin Noica, geboren am 25. Juli 1909 in Vităneşti, Kreis Teleorman und gestorben am 4. Dezember 1987 in Hermannstadt/Sibiu, zählt zu den bedeutendsten rumänischen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Promotion in Philosophie in Bukarest, arbeitete er von 1941 bis 1944 als Philosophie-Referent am Rumänisch-Deutschen Institut in Berlin - Anlass für ihn, in Freiburg im Breisgau die Vorlesungen Martin Heideggers zu besuchen. Nach der Machtübernahme durch das kommunistische Regime stand er von 1949 bis 1958 in Câmpulung-Muscel unter Hausarrest und war von 1958 bis 1964 politischer Gefangener. Anschließend, in den Jahren 1965 bis 1975, arbeitete er als Forscher am Institut für Logik der Rumänischen Akademie. Die letzten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er im Luftkurort Hohe Rinne/Păltiniş, wo er eine reichhaltige Tätigkeit entfaltete.

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