Dekonstruktion der Rollkoffergeneration

DSTT inszeniert Volker Schmidts „Eigentlich schön“

Mittwoch, 25. November 2015

Sie haben alles, was man braucht, und doch fehlt etwas: Der Dramatiker und Regisseur Volker Schmidt hat für die Bredouille der Generation Y das treffende Wort gefunden. In seinem Stück „Eigentlich schön“ greift der Niederösterreicher die Probleme einer „auslaufenden Generation“ auf. „Die Millennials kommen jetzt in die Jahre und das große Fragezeichen, das sie vor sich hergetragen haben, das möchten sie jetzt einfach mit einem Ausrufezeichen austauschen“, so Schmidt, „das fällt ihnen so schwer.“

Am 12. Dezember wird die Premiere der DSTT-Inszenierung stattfinden. Schmidt in doppelter Rolle als Regisseur und Autor des Stück. „Lucian Vărşăndan und ich haben uns länger darüber unterhalten, was passen würde, wir haben ein Paar Theaterstücke ins Auge gefasst, Stücke von mir, aber auch andere Stücke“, erklärt er. „Ich bin aber dann ziemlich schnell mit dem Vorschlag gekommen, „Eigentlich schön“ zu machen, auch weil ich Lust hatte, es mit den Schauspielern hier zu machen.“

Die Handlung spielt unter anderem in Deutschland. „Eigentlich schön“ handelt von sechs um die 30-Jährigen, die gut ausgebildet sind, die alle Möglichkeiten offen haben und es gerade deshalb so schwer haben, Entscheidungen zu treffen. „Die Arbeitsverhältnisse haben wenig Beständigkeit“, sagt Schmidt. „Es gibt immer seltener Festanstellungen und genauso sieht auch das Leben aus: einmal dort, einmal dort.“

Ioana Iacob spielt in dem Stück Magda, eine junge Frau Anfang 30. „Sie hat einen Lebensabschnitt erreicht, in dem sie zwischen dem Leben entscheiden muss, das sie bisher gelebt hat und wie es weitergehen soll.“ Magda führt eine Fernbeziehung mit Eike. Die zwei lügen sich an, gehen fremd, können aber auf die Beziehung nicht verzichten. So wie den beiden geht es auch den anderen Charakteren des Stückes. Keiner kennt Ruhe, sie alle sehnen sich danach, irgendwo anzukommen und ein richtiges Leben anzufangen.

„Eike ist Lichtkünstler“, so Konstantin Keidel über seine Rolle. „Er befindet sich gerne im Kreis von Musikern und Künstlern, gehört nicht ganz dazu, macht auch eine ganz praktische Ausbildung, um sich irgendwie zu verdingen und ist eine Person, die sehr mit sich selbst beschäftigt ist, sodass er nicht mitkriegt, was um ihn herum passiert. Er ist sehr selbstbezogen.“

Alle Figuren aus Schmidts Stück sind technologieaffin. Aufgrund ihrer Berufe leben alle woanders. Nur durch Internet und soziale Netzwerke schaffen es die Figuren, die Nähe zueinander zu bewahren. Kommunikation mittels digitalen Medien ist eines der Hauptthemen von „Eigentlich schön“.

„Es ist natürlich interessant, eine Übersetzung für die Bühne zu finden und das nicht eins zu eins abzubilden, weil es natürlich langweilig ist, Leute auf der Bühne zu zeigen, wie sie vor dem Bildschirm sitzen und in die Tasten tippen“, so Schmidt. „ Deswegen suchen wir Formen, wo wir zeigen, dass Menschen Hunderte oder Tausende Kilometer voneinander entfernt sind, aber sie befinden sich trotzdem im gleichen Raum. Da gibt es eine Unzahl von Möglichkeiten, wie man damit umgehen kann. Das macht es auch spannend, weil es eine Möglichkeit gibt, dass sie sich ansehen und berühren können, aber der Zuschauer weiß gleichzeitig, dass sie auf zwei unterschiedlichen Kontinenten sind.“

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