Dem Himmel so nah

Mit dem Fahrrad auf den schönsten Hochstraßen der Karpaten

Sonntag, 13. September 2015

Der sogenannte strategische Weg: Offroad-Strecke durch die wilde Berglandschaft von der Transalpina-Hochstraße über die Skipiste bis zum Vidra-See

Die Transalpina-Hochstraße wurde erst in diesem Sommer offiziell für den Verkehr eröffnet. Befahren wird die Straße jedoch schon seit vielen Jahren.

Die Panoramastraße Transfăgărăşan: im Zick-Zack durch das Fogarascher Gebirge.
Fotos: Andreea Oance

Eine Vielfalt aus Viadukten und Brücken, faszinierende Uferstraßen, Haarnadelkurven und Serpentinen sorgen dafür, dass die spektakulärsten Straßen Rumäniens vor allem für zweirädrige Touristen sportlich anspruchsvolle Herausforderungen bieten. Atemberaubende Landschaften ziehen auf der Transfogarascher- oder der Transalpina-Hochstraße vorbei. Asphaltstreifen schlängeln sich durch Berge, Haltebuchten und Gipfel begeistern mit spektakulären Panoramablicken. Vor allem in den heißen Sommertagen ist die Fahrt eine Freude. Dann frequentieren auch zahlreiche Motorräder von Anfang Juli bis Ende Oktober diese faszinierenden Straßen. „Das kann jeder!“, winken die Hardliner unter den Fahrradfahrern ab. Wer seine eigenen Grenzen kennenlernen möchte, sollte die Berge mit dem Rad bezwingen.

Als spektakulärste Panoramastraße Rumäniens ist die Transfogarascher Hochstraße (Transfăgărăşan) weltbekannt. Die Gebirgsstraße verbindet die Walachei mit Siebenbürgen – eigentlich das Argeş-Tal mit dem Alt-Tal, wobei sie das Fogarascher Gebirge überquert. Die Straße ist Teil der 151 Kilometer langen Nationalstraße DN 7C: Im Süden beginnt die Nationalstraße DN 7C in der Gemeinde Bascov im Kreis Arge{ sieben Kilometer nordwestlich der Stadt Piteşti, wo sie von ihrer Stammstrecke der DN 7 abzweigt. Sie endet vier Kilometer nach  Cârţişoara im Kreis Hermannstadt/Sibiu an der Einmündung in die Europastraße E 68. Auf dem Weg dahin fährt man am Wasserkraftwerk der Talsperre Vidraru vorbei.

Ab hier beginnt die Straße steil und kurvenreich im Tal „Valea lui Stan“, zum Teil über Viadukte und durch vier Tunnels, anzusteigen. An der  Staumauer des Vidraru-Stausees vorbei führt der Weg zunächst sanft weiter, um später kurvenreich und steil in nördlicher Richtung durch das Capra-Tal anzusteigen. Durch den hohen Paltinu (2398 Meter) gelangt man im Bulea-Tunnel, der höchstgelegene und auch längste Tunnel Rumäniens, an die Grenze des Kreises Arge{ zum südlichen Teil des Kreises Hermannstadt.

Nach der Ausfahrt des Tunnels erreicht die Straße beim Bulea-Gletschersee (Bâlea-Lac) den höchsten Punkt der Strecke. Ringsum atemberaubende Gebirgslandschaften. Die Straße windet sich in endlosen Serpentinen im Bulea-Naturschutzgebiet (Valea Bâlii) nach Siebenbürgen hinunter. Auf einer Höhe von etwa 1600 Metern liegt der Felsendurchbruch „Poarta Întâlnirii“ (das Tor der Begegnung) - der Ort, an dem 1974 Nord- und Südbaumannschaften aufeinandertrafen. Etwas weiter abwärts, in etwa 1200 Metern Höhe, befindet sich ein zweiter Felsendurchbruch, „Poarta Geniştilor“ (Tor der Pioniere) genannt. Am Bulea-Wasserfall (Cascada Bâlea) vorbei führt die Transfogarascher Hochstraße in den Ort Cârţişoara im Kreis Hermannstadt. Nach weiteren vier Kilometern endet die Hochstraße an der Einmündung in die Nationalstraße DN 1 – Teil der Europastraße 68.

Die Transfogarascher Hochstraße ist nur vier Monate im Jahr auf ganzer Strecke befahrbar (Juli–Oktober). Jedes Jahr wird die Hochstraße vom 1. November bis zum 30. Juni für den Verkehr gesperrt. Der Bulea-See kann während dieser Wintersperre nur von Norden her, vom Bulea-Wasserfall aus, per Seilbahn erreicht werden. Auf der Südseite ist der Transfăgărăşan nur bis Kilometer 104 bei Piscu Negru für den Verkehr geöffnet.

Tourismus und Sport auf zwei Rädern

Vor allem weil die gesamte Strecke nur wenige Monate im Jahr für den Verkehr geöffnet ist, wirkt die Transfogarascher Hochstraße dann wie ein Magnet auf Touristen. Von hier aus kann man Wanderungen zu einigen Gipfeln des Fogarascher Gebirges unternehmen. Der Bulea-See und der Vidraru-Staudamm und –See zählen zu den Hauptanziehungspunkten der Region. Schifffahrten auf dem See, Angelsport und Bungee-Sprünge von der 166 Meter hohen Staumauer sind ebenfalls beliebt.

Äußerst fasziniert von der Hochstraße sind Motorradfahrer, die Adrenalin pur erleben wollen. Selbst wenn nicht vollständig mit dem Fahrrad befahrbar, übt die pittoreske Hochstraße aber auch auf Radler einen starken Reiz aus. Wer zum Beispiel im Dorf Cârţişoara mit dem Ziel Bulea-See starten möchte, muss wissen, dass der Aufstieg schon gleich beginnt. Auf insgesamt 28 Kilometern geht die Straße mittlerer Asphaltqualität steil nach oben – insgesamt 1500 Meter Höhenunterschied legt man hinter sich. Gut ausgerüstet soll das Fahrrad sein, Nahrung und Wasser dürfen nicht fehlen.

Unterwegs kann die Wasserflasche mit frischem Quellwasser nachgefüllt werden. Einen kleinen Imbiss und Energiebooster kann man auf dem Weg zum Gletschersee bei Bâlea-Cascadă (Bulea Wasserfall) nach etwa 18 Kilometern bekommen. Zahlreiche Stände mit traditionellen Leckereien wie hausgemachter Speck, Schinken und anderen Fleischprodukten sowie Käse und allerlei Süßigkeiten wirken verführerisch auf Feinschmecker und müde Radfahrer. Nach einer kurzen Pause sollte man wieder loslegen, denn lange Pausen tun den Muskeln und der Laune nicht gut. Kurz nach dem neuen Start beginnt sich das schöne Panorama zu entfalten. Die Strecke schlängelt sich anspruchsvoll durch die Berge. Kurze Fotografierpausen und die frische Luft muntern Radfahrer für die nächsten zehn Kilometer bis zum Bulea-Gletschersee auf.

Wer sich diese Fahrradtour zutraut, sollte ausreichend Geduld mitbringen und sich bereits morgens auf den Weg machen. Die 28 Kilometer lange Strecke kann samt Pausen in etwa drei bis fünf Stunden zurückgelegt werden.

Hoch, höher, am höchsten - Transalpina

Der Urdele-Pass auf der Panoramastraße Transalpina (DN67C) liegt noch 100 Meter höher als die Transfogarascher Hochstraße. Als höchste Straße Rumäniens wurde die Transalpina erst in diesem Sommer offiziell für den Verkehr freigegeben. Befahren wurde sie auch vorher schon seit Jahren – eher auf eigene Faust. Die Gebirgsstraße führt durch das Parâng-Massiv von Oltenien nach Siebenbürgen. Die rumänische Nationalstraße DN67C wurde im Jahr 1939 vom damaligen König Karl II. von Rumänien offiziell eröffnet. Der König hatte sich persönlich für die Sanierung der Straße durch das Parâng-Gebirge eingesetzt, weshalb diese auch „Straße des Königs“ genannt wird.

Die Panoramastraße bietet atemberaubende Ausblicke entlang des Parâng-Gebirges, schafft eine Verbindung zwischen dem nördlichen Teil der Region Oltenien und Siebenbürgens und führt durch folgende Orte: Novaci – Rânca – Obârşia Lotrului - Lacul Oaşa - Lacul Tău - Dobra - Jina - Poiana Sibiului bis nach Sălişte. Bemerkenswert ist der Ort Lespezi im Urdele-Gebirge, wo die Straße ihren höchsten Punkt von 2132 Metern erreicht: Er macht aus der Transalpina die höchst gelegene Straße Rumäniens. Auch wenn sie schon 1939 von König Karl II. eingeweiht wurde, wurde die 148 Kilometer lange Strecke erst zwischen 2009 und 2011 asphaltiert.

Auch die Transalpina ist - ähnlich wie der Transfăgărăşan - wetterbedingt zwischen dem 1. Oktober und dem 30. Juni geschlossen. Wer sie noch durchfahren will, soll sich also beeilen, denn sonst muss er sich noch bis Anfang des kommenden Sommers gedulden. Unterkünfte und Gaststätten gibt es auf der Strecke in Novaci, Rânca und Obârşia Lotrului. Campen kann man auch, aber man muss in Betracht ziehen, dass die Temperaturen hier sogar im Sommer nachtsüber ziemlich stark sinken können.

Anspruchsvolle Radtouren auf der Transalpina

Fahrradtouren kann man zum Beispiel von Obârşia Lotrului bis zum Urdele-Pass hinauf (etwa 21 Kilometer) oder von Rânca über den Urdele-Pass (neun Kilometer) und hinunter bis nach Obârşia Lotrului auf dem Asphaltweg unternehmen. Offroad-Strecken, zum Beispiel der sogenannte strategische Weg, führt bis zur Transalpina-Skipiste mit Aussicht auf den Vidra-See.

Viel steiler als die Transfogarascher-Straße ist die Transalpina an vielen Stellen, also auch etwas anspruchsvoller für Fahrradfahrer. Geduld sollte man auch hier mitbringen. Pausen kann man auf der Strecke in einer Sennhütte am Rande der Straße einlegen, wo traditionelle Gerichte wie Polenta mit Schafskäse, Hammel- und Schweinefleischeintopf angeboten werden oder Pinienkernsirup verkostet werden kann.

Sowohl der Transfăgărăşan als auch die Transalpina verlangen ein hohes Maß an Training. Auch die Fahrräder sollten gut ausgestattet sein. Zum richtigen Bike-Zubehör gehören auch Helme, wichtig vor allem für die Bergabfahrt bei hoher Geschwindigkeit, sowie Luftpumpe und Ersatzschlauch. Radcomputer und Navis kommen den Radfahrern auf dem Weg ebenfalls zugute.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 17.09 2015, 22:27
wunderschön dort oben im Hochgebirge. Nur aufpassen auf die Hirtenhunde bei den Schafherden, die haben es auf Radfahrer und Wanderer abgesehen! Immer einen sehr großen Bogen drum rum machen.

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