Dem Reformationsjahr 2017 gewidmet

Kunstkalender der Kronstädter Evangelischen Honterusgemeinde

Samstag, 10. Dezember 2016

Einen besonders ansprechenden Kalender veröffentlichte die Kronstädter  Honterusgemeinde unter dem Titel: „Mit der Evangelischen Kirche A.B. Kronstadt durch das Reformationsjahr 2017“. In dem Begleittext, gezeichnet von der Kirchengemeinde A.B. Kronstadt, wird vermerkt: „Die Kunstwerke, die dieser Kalender versammelt, sind nicht bloß bedeutende  Denkmäler aus dem Bestand unserer Kirchengemeinde, sondern Künder  jener evangelischen Glaubensüberzeugung, die unsere Gemeinde  zu ihrer Entstehungszeit  beseelte. Wir dürfen uns fragen: Sind unsere Herzen heute noch  von diesen Gewissheiten  erfüllt? Was eint uns mit, was trennt uns zu jener Zeit? Anderseits ruft uns die Losung  für das Jahr 2017 auf, über die Zukunft  nachzudenken: ‘Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch’ (Hesekiel 36, 26). Was verändert diese Verheißung in meinem Alltag? Am Kronstädter Kirchentag zum Reformationsjubiläum  wollen wir  Gemeinschaft erleben, uns dabei aber auch diesen bewegenden Zeit- und Zukunftsfragen stellen. Deshalb laden wir Sie hiermit sehr herzlich zu dem großen Festtag am 30. September 2017 nach Kronstadt ein“.

Die insgesamt 13 Bildtafeln umfassen erklärende Texte von Dr. Agnes Ziegler  zu den jeweiligen Kunstwerken, dargestellt auf den  Monatsbildern. Das Titelblatt bietet Blick auf den Chorraum und den Altar. Es folgt der Engel mit Posaune auf der Kanzel der Schwarzen Kirche (1695), der in der Hand ein Buch hält, auf dessen Seiten der Text „Rufe getrost, schone nicht, erhebe deine Stimme wie eine Posaune“ zu lesen ist.  Damit wird auf die Kraft der Predigt hingewiesen. Die Kanzel wurde  wenige Jahre nach dem großen Stadtbrand (1689) in der Mitte des Langhauses errichtet. Die Bildtafel für den Februar umfasst  die Reproduktion einer Hostiendose aus dem Jahr 1690, gestiftet von Michael Deubels Witwe und stammt aus dem Jahr nach dem großen Brand. Es folgen das Tafelbild von Christus am Ölberg (1661), das voraussichtlich ursprünglich  als  Epitaph diente. Die Reproduktion des Gemäldes von Hans Eder „Kreuzigung“ (1911), bietet auf der Rückseite einige Daten über das Schaffen dieses Kronstädter Malers, der eine ganze Reihe von Gemälden geschaffen hat, die dem Thema der Kreuzigung gewidmet sind.

Bekanntlich ist die Schwarze Kirche auch in Besitz einer Sammlung zahlreicher Messgewänder, zum Teil auch aus vorreformatorischer Zeit, die auch nach der Reformation weiter benutzt wurden. Eine diesbezügliche Darstellung  wurde für den Monat Mai ausgesucht. Ebenfalls ein Werk von Hans Eder „Hochzeit zu Kana“ (1933) baut auf die Erzählung aus dem Johannesevangelium. Der gemeinsame Gesang wird im evangelischen Gottesdienst  vom Orgelspiel begleitet. Außer der berühmten Buchholzorgel befinden sich in der Schwarzen Kirche weitere restaurierte Orgeln, die gelegentlich gespielt werden. Abgebildet ist diesbezüglich die aus der evangelischen Kirche von Reps stammende Schwalbennestorgel, die hier im Chorraum eine vorübergehende Bleibe nach deren Restaurierung in der Honigberger Orgelbau- und Lehrwerkstatt gefunden hat.

Eine nächste Bildtafel bietet einen Blick auf das Taufbecken, das übrigens  das älteste überlieferte Ausstattungsstück  der Schwarzen Kirche darstellt. Aus dem Kirchenschatz wird der vorreformatorische Messkelch, der sogenannte Honteruskelch (1526) abgebildet. Bei den Konfirmationsfeiern in der Schwarzen Kirche wird aus diesem der Wein gespendet. Sicher ist jedem Gemeindeglied das Gemälde von Fritz Schullerus „Ratsschwur“ (1898) bekannt. Darauf sind der Stadtrichter Johannes Fuchs  und Johannes Honterus zu sehen. Eine Abbildung des Grabsteines von Marcus Fronius, dem gelehrten Geistlichen  der Kronstädter evangelischen Kirche um die Wende des 18. Jahrhundert,  wird als Bildtafel (November) dargestellt. Und schließlich wird ein Bildnis der Familie Mederus  als Reproduktion  im letzten Monat des Jahres geboten. Der unbekannt gebliebene Maler stellt auf dem Familienbild Stadtpfarrer Petrus Mederus, seine Gattin  und die kleine Tochter Asnath  dar. Die zu allen Bildtafeln gebotenen Erklärungen, bilden Aufschluss zu jeweiligen Kunstgegenständen, zu den dargestellten geistlichen Persönlichkeiten und stellen somit eine weitere bedeutende Dokumentation zu der Schwarzen Kirche.  Die Bilder und Reproduktionen hat Fotograf Arpad Udvardi geliefert. Der Druck  wurde unter sehr guten qualitativen Voraussetzungen in der Druckerei Condor Concept Consulting SRL vorgenommen. Koordiniert wurde das Projekt dieses Kunstkalenders von Dr. Frank Thomas Ziegler, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit des Kronstädter Stadtpfarramtes, der betonte, der Kalender  reproduziert Objekte, die von unserem Glaubensbekenntnis künden.

Der aufliegende Kunstkalender stellt eine schöne Einladung zu dem Kirchentag 2017 dar, und stellt vermittels eines Auszuges aus dem Leitbild der Honterusgemeinde, diese als Gastgeber vor: „Wir sind eine christliche Gemeinde und gehören zur Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.) in Rumänien. Grundlage unseres Glaubens ist die Bibel im Verständnis der lutherischen Reformation, so wie sie  Johannes Honterus in Siebenbürgen  eingeführt hat. Unsere Aufgabe ist die Verkündigung  des Evangeliums in allen Lebensräumen der Gemeinde, die insbesondere von Pfarrern, Haupt- und Ehrenamtlichen wahrgenommen wird. In der Verkündigung wissen wir uns mit allen christlichen Kirchen verbunden. Wir stehen in der Tradition deutscher Kultur siebenbürgisch-sächsischer Prägung. Als Teil des öffentlichen Gemeinwesens beteiligen wir uns aktiv an dessen Gestaltung. Die Liebe zu Gott  und die Liebe zum Nächsten bilden die Grundlage für ein Zusammenleben in Toleranz und Respekt. Die Honterusgemeinde lädt damit  zu Begegnung und christlicher Gemeinschaft ein.“

Kommentare zu diesem Artikel

Erdelyi Sász, 14.12 2016, 00:11
1517 haben die Osmanen Ägypten erobert, die heiligen Städten Mekka und Medina in Arabien und das kurdisch/armenische Ostanatolien. Der südliche Balkan war schon in ihrer Hand, nur Ungarn und die Habsburger standen ihnen noch im Wege. Just in dem Moment, wo die lateinische Christenheit eigentlich zusammenhalten hätte sollen, spaltet sie sich, 1526 erobern die Türken Ungarn, 1529 stehen sie vor Wien, Siebenbürgen wird tributpflichtiger Vasall. Der Papst in Rom plündert die Reserven um ein Söldnerheer zum Entsatz auszusenden und die Spanier investieren das ganze mexikanische Gold dafür. Aber in Deutschland wird über die Auslegung der Bibel diskutiert. Man war ja weit weg und fühlte sich nicht betroffen. Mittel- und Osteuropa fallen daraufhin 200 Jahre in der Geschichte zurück, nur die weit entfernten Staaten an der Atlantikküste (England, die Niederlande, Portugal, Spanien) beginnen ihren Aufstieg. Deutschland treibt hingegen in den schlimmsten und längsten Bürgerkrieg aller Zeiten. Die Siebenbürger bauen schnell Mauern um ihre bis dahin friedlichen Kirchen. Für dutzende Dörfer und Städte reicht das hingegen nicht. Sie werden geplündert, niedergebrannt, manche verschwinden für immer. Super Resultat.

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