Demos in über 50 Städten: Größte Straßenproteste der letzten 25 Jahre

Staatschef fordert erneut Rücknahme der Eilverordnungen

Donnerstag, 02. Februar 2017

Dutzende Fußball-Rowdies lieferten sich am späten Mittwochabend inmitten der friedlich vor dem Regierungssitz protestierenden Menschen ein stundenlanges Katz- und Mausspiel mit den Gendarmen.
Foto: Agerpres

Bukarest (ADZ) - In einem zweiten Brandbrief an Premier Sorin Grindeanu hat Staatschef Klaus Johannis am Mittwoch erneut die Rücknahme der umstrittenen Eilverordnungen zur Änderung des Strafgesetzbuches gefordert – ihre Auswirkungen auf den Rechtsstaat und die Bemühungen des Landes zur Korruptionsbekämpfung und Integrität von Amtsträgern sei „zutiefst negativ“, schrieb Johannis.

Wegen der von der PSD-ALDE-Regierung beschlossenen Lockerung der Antikorruptionsgesetze brodelt es derweil im ganzen Land: Mehr als 300.000 Menschen gingen am Mittwochabend landesweit auf die Straße, um gegen die beiden „Dragnea“-Verordnungen zu demonstrieren – es waren die größten Straßenproteste der letzten 25 Jahre in Rumänien. In Bukarest forderten geschätzte 150.000 Protestler „Rücknahme (der Eilverordnungen – Anm. d. Red.) und Rücktritt“, in Klausenburg demonstrierten rund 35.000 Menschen gegen die Regierung, in Temeswar und Hermannstadt mehr als 20.000 Menschen, in Jassy geschätzte 15.000. Insgesamt gab es Straßenproteste in mehr als 50 Städten des Landes. Überall riefen die Menschen „Rücknahme und Rücktritt“, „Neuwahlen“, „Dragnea, vergiss nicht – dieses Land gehört dir nicht“, „Weg mit den Dieben“ und „PSD – rote Pest“.

Vor dem Regierungssitz gingen die Proteste bereits am Mittwochmorgen los, am Nachmittag schwoll die Zahl der Demonstranten sodann auf bis zu 150.000 an, der zentrale Victoriei-Platz samt anrainenden Haupt- und Nebenstraßen quoll förmlich von Menschen über. Am späten Abend kam es jedoch bei der bis dahin friedlichen Kundgebung zu gewaltsamen Zusammenstößen, nachdem mehrere Dutzend plötzlich aufgetauchte Hooligans der Fußballclubs Dinamo und Rapid die Gendarmen und auch die friedlichen Protestler mit Feuerwerkskörpern und Flaschen bewarfen. Fünf Menschen, zwei Gendarmen und drei Protestler, wurden verletzt. Die Polizei antwortete mit Tränengas, worauf die meisten friedlichen Protestler den Platz verließen. Rund 80 Krawallmacher wurden schließlich abgeführt, die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Kommentare zu diesem Artikel

Mario, 06.02 2017, 14:54
Seit Jahrhunderten betrügt, stiehlt, lügt, besticht das rumänische Volk (bisnita, ciubuc, bacsis). Es ist ihnen sozusagen in die Gene übergegangen. Und ausgerechnet diese Betrüger, Diebe, Steuerhinterzieher, Lügner usw. usf. gehen jetzt auf die Straße. und demonstrieren. Fazit: Die Rumänen sind das einzige Volk auf der ganzen Welt, dass sozusagen gegen sich demonstriert. Wie pervers!!!!!
Francois, 04.02 2017, 11:24
@giftschlange: Im Gegensatz zu den von Dir genannten Ländern ist das Großartige an Rumänien, dass hier Hunderttausende gegen geld- und machtgierige Politiker auf die Straße gehen.
Carlo, 03.02 2017, 01:58
@Sraffa....Ihre Kommentare hier sind zutreffend!
Hoffe, dass die internatinalen Sozialdemokraten mal aufwachen und das Treiben Ihrer Genossen- ehrliche Sozialdemokraten sind PSD-ler ja nicht-
mal verurteilen. Sraffa,Gabriel und Schulz sind im Moment mit anderem beschäftigt! Gabriel in Amerika, Schulz Kanzlerkandidat.Doch Frau Merkel ist besorgt, hat Herrn Johannis in dieser Sache Unterstützung zugesagt.
Sraffa, 02.02 2017, 23:46
Wie herunter gekommen ist die PSD mittlerweile daß Sie sich schon im Parlament für inhaftierte Betrüger an kleinen Leuten und Staatsvermögen einsetzt ? Warum sagt eigentlich die "Sozialdemokratische Internationale" nichts dazu; hier wäre ein Wort von Gabriel und Schulz angebracht angewesen ?!
Sraffa, 02.02 2017, 23:41
Das Engagement gegen Korruption auf der Straße ist ein positives Signal. Die Polizei sollte sehr wohl die bestellten Provokateure orten und identifizieren können. Jene Hooligans waren schon vor Jahren auf der Straße und schlagen sich nun für einen Schnaps zugunsten inhaftierter Großkrimineller , deren eigentliche Opfer sie sind.
giftschlange, 02.02 2017, 21:44
@Ernst...warum soll in Österreich darüber viel berichtet werden...hier bereitet der Innenminister soeben die Einschränkung des Demonstrationsrechts vor. Dies wäre in Rumänien undenkbar,selbst nach den Vorkommnissen der vergangenen Nacht in Bukarest. Laut letzten Nachrichten verschwanden Millionen aus der Wahlkampfkasse von Donald Trump(US-Präsident in die Kassen seines Firmenimperiums)...das wäre auch in Rumänien undenkbar. In Frankreich wird gegen den designierten Präsidentschaftkandiaten der Konservativen Partei,wegen Erschleichung von Staatsgeldern für Familienangehörige ermittelt...und in Brüssel hat Frau Le Pen von der Nationalen Front Frankreich 100000nede Euro nicht zwechgebunden verwendet und muss diese jetzt über Gehaltskürzungen zurück bezahlen...,das wäre in Rumänien nicht möglich.... die Korruption in Ungarn regt überhaut niemand mehr auf....wenn man an die Korruptionsvorwürfe in Rom denkt,in welche die Bürgermeisterin von der Beppo Grellino-Bewegung verwickelt ist.....könnte noch fortgesetzt werden,wird einem schlecht ... warum sollen sich daher die Menschen im Ausland über bestimmte Vorfälle in Rumänien aufregen.Die haben eigene Sorgen.Bei der nächsten Wahl können die RumänenInnen ja entscheiden, ob sie diese Eilverordnung für gut oder schlecht halten.Am besten wäre gewesen die Regierung hätte über diese Verodrnung eine Volksabstimmung durchgeführt.
Norbert aus Ocna Sugatag, 02.02 2017, 18:59
bitte macht fuer die Demokratie und gegen Antikoruption weiter.Nur so laesst sich unser Ansehen in Europa wieder herstellen.
Carlo, 02.02 2017, 17:08
Und es kochte bei minis 10 Grad lt. TVR.
Kann nur sagen: Hallo Rumänen, macht weiter so und fegt die Obergauner weg..
Alle Achtung, der Handelsminister Jianu hat lt. INFO ARD aus Gewissensgründen seinen Rücktritt erklärt!
Thomas, 02.02 2017, 15:19
Toll das Engagement.
ernst, 02.02 2017, 15:15
Freue mich über die Proteste und bin erschüttert über die Kaltschnäuzigkeit der Regierung. Leider wurde bisher in Österr. wenig darüber berichtet.
Erst die Demos gestern erregten Aufsehen u. Berichte. Dass der Angriff der Anarchos vorab bekannt war, ist ein äußest interessantes Detail.

Danke allen Demonstranten für ihr Engagement und dem Präsidenten ! Ich hoffe der Protest bewirkt eine Rücknahme wenn nicht sogar den Rücktritt der Verantwortlichn

Gruss aus Wien

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*