Den Anstoß gab der Ärger über die Verschmutzung der Natur

Ein Gespräch mit Florin Nan, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Wälder“, über ein einzigartiges Schulprojekt

Mittwoch, 18. Februar 2015

Christian Macedonschi (links) und Florin Nan (rechts) mit einer der neuen Warntafeln, welche im Bereich der Graft aufgestellt werden soll. Foto: KR

Kennengelernt haben wir den Kronstädter Forstingenieur Florin Nan während einer Säuberungsaktion im Sommer 2014, als Stadtrat Christian Macedonschi Volontäre aufgerufen hatte, in dem Bereich entlang der Graft (După Ziduri) in Kronstadt/Braşov, in die Landschaft geworfene Verpackungen, Plastikflaschen und Müll einzusammeln. Unter den etwas mehr als 40 Freiwilligen, welche damals mitmachten, befanden sich auch die Mitglieder des Vereins „Freunde der Wälder“, mit dessen Vorsitzendem Florin Nan ADZ-Redakteur Hans Butmaloiu folgendes Gespräch führte.

Einführend bitten wir Sie, sich unseren Lesern vorzustellen: Also wer ist Florin Nan?

Wenn ich mich selber beschreiben oder definieren soll, dann steht an erster Stelle – und das mit Abstand – mein Beruf, den ich aus ganzem Herzen liebe und den ich mit Leidenschaft ausübe: Ich bin Forstingenieur. Irgendwo weiter kommt dann vielleicht, das ich geborener Kronstädter von 34 Jahren bin. Gelebt habe ich bis zum siebenten Lebensjahr in der Schulerau, dies wegen der Berufe meiner Eltern. Danach siedelten wir nach Rosenau um, wo meine Eltern einen Hof von einer sächsischen Familie gekauft haben – ein Grundstück, auf welchem wir später einen Neubau errichteten, in dem dann übrigens die erste Pension in Rosenau entstanden ist. Grundschule und Lyzeum habe ich in Rosenau besucht und bin später wieder nach Kronstadt gekommen für die Forsthochschule, die ich dann auch abgeschlossen habe.

Sie üben einen Beruf aus, den Sie lieben, doch Ihr Engagement geht weit über die eigentliche Forstwirtschaft hinaus...

Weil mich in meiner Kindheit und Jugend etwas ganz Bestimmtes prägte! Es war das Umfeld in Rosenau, die Nachbarschaft, in der wir wohnten, wo rund um uns, links, rechts, gegenüber und rückwärts nur sächsische Familien lebten, deren Alltag ich mit staunenden Kinderaugen betrachtete. Die Höfe waren alle peinlichst ordentlich, sauber und gepflegt, doch ich sah sie tagtäglich mit dem Gartenwerkzeug hantieren und bearbeiten. So habe ich begriffen, was hinter der Anekdote mit dem Besucher auf einem englischen Rasen steht.

Diese Anekdote kenne ich nicht!

Ein Besucher fragt den Gärtner eines wunderschönen Rasens, welches denn das Geheimnis sei, dass dieser so aussieht. Der Gärtner antwortet knapp „Wir mähen den Rasen einmal in der Woche und begießen ihn regelmäßig am Morgen“, macht eine kurze Pause und fügt hinzu: „Seit 300 Jahren durchgehend!“
Die Moral der Anekdote ist einfach: Nur durch regelmäßige Pflege kann man sein Umfeld, den Rasen oder, im Fall unseres Vereins, den Wald, schön und gesund bewahren. Und genau das machten wirklich Tag für Tag meine Nachbarn in Rosenau: sorgfältige Pflege. Das hat mich beeindruckt und mich geprägt, doch bis zur Gründung unseres heutigen Vereines habe ich mich mehrmals gründlich geärgert!   

Das müssen Sie doch genauer erklären, wie es durch Ärger zu einem Verein kommen konnte?

Jedes Mal, wenn ich eine Radtour machte – und das war sehr oft der Fall, ob alleine oder in der Gruppe – empfand ich genauso wie auch jetzt, den achtlos in die Natur geworfenen Müll und Abfall als störend. Es gab dann einen Auslöser: Ich war gemeinsam mit einem guten Freund unterwegs, als wir uns entschlossen hatten, auf einem Abschnitt sauber zu machen und den Abfall an einem nahen Punkt zu sammeln. Nach wenigen Minuten stellten wir fest, welch große Menge sich da ansammelte und wie unwirksam unser Handeln war. Langer Rede kurzer Sinn: Damals, nach dem Ausflug, haben wir uns entschlossen, etwas Wirksameres zu finden, und haben kurze Zeit später den Verein gegründet.

Was haben Sie sich vorgenommen und wie sind Sie vorgegangen?

Mit dem Einsammeln von Müll befassen sich mehrere Vereine und auch wir haben mitgemacht und machen weiter mit. Wir haben uns ein anderes Ziel vorgenommen, und zwar wollen wir eine angemessene Schulungsform für Kinder ausarbeiten und in das Bildungssystem einbinden. Konkret haben wir damit begonnen, Lehrstoff zu erstellen, wie es ihn für jedes Schulfach gibt, zu strukturieren und ihn thematisch zu ordnen. Einfach gesagt: ein „Schulbuch“ für bewusstes Zusammenleben von Mensch und Natur. So oft wird in anderen Fächern darauf eingegangen, wie verbrüdert wir mit dem Wald sind, doch was tun wir dann unserem „Bruder“ an? Wer ist sich dessen bewusst, wie viele Jahre eine Tanne braucht, um, sagen wir, knapp zwei Meter zu wachsen? Zu Weihnachten schneiden wir sie und werfen sie nach zehn Tagen auf den Müll! Unseren „Bruder“! Genau gegen diese achtlose Haltung gehen wir vor und verteilen ein Flugblatt, in dem wir darlegen, wie sündhaft vorgegangen wird, wo es als einfachste Alternative die Tanne im Kübel gibt, die wieder in die Natur zurückkehrt und weiter lebt. Dies Angebot ist Wenigen bekannt, doch wenn man in der Schule ein Lehrbuch durchgeht, in dem das „Was“ und „Wie“ erklärt wird, kommt eine bewusster handelnde Generation nach, die es sich genauer überlegt, ob sie ihr natürliches Umfeld zerstören will.

Ein Schulbuch über Forstpflege mit einem Schulplan und Stunden? Wie soll das funktionieren?

Die ersten Schritte haben wir gemeinsam mit dem Schulamt und dem Ministerium geklärt und ausgearbeitet und haben an mehreren Schulen in Kronstadt und im Kreisgebiet diese Stunden mit freiwilliger Beteiligung und einem noch nicht endgültig festgelegten Stoff gehalten. Ich muss sagen, der Erfolg ist vielversprechend. Die nächsten Schritte sind jetzt das Ausarbeiten einer Endform des Stoffes und dessen Aufbereitung in einer zugänglichen Form. Dafür haben wir uns um Zuschüsse beworben und einen Partner gesucht, mit welchem wir dem Lehrbuch seine Endform geben werden. Dann kann es von Schulen übernommen und als freiwilliger Lehrstoff eingeführt werden.

Dies ist unser mittelfristiges Projekt, für welches wir als anerkannter regierungsunabhängiger Verein volle Unterstützung und Finanzierung bekommen. Zeitgleich haben wir durch Freiwilligeneinsätze von 350 Hektar Wald und 27 Kilometern fließenden Gewässern 890 Tonnen Müll gesammelt, welchen das städtische Müllentsorgungsunternehmen übernommen hat – das, in den drei Jahren, die es uns gibt. In Fortsetzung unserer Aktion entlang der Graft haben wir jetzt von einem großzügigen Unternehmer Hinweisschilder gesponsert bekommen, die im Frühling in diesem Bereich aufstellen werden.

Vielen Dank für diese Ausführungen!

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